Außenwirtschaft 17.10.2008, 19:37 Uhr

Die Kunst, Äpfel mit Birnen zu vergleichen  

Steuern, Infrastruktur, Arbeitsrecht, Zölle. Der Personaleinsatz wird am wenigsten beachtet. Dabei ist das der Faktor, den die Unternehmen am ehesten selbst in der Hand haben.

Muss der Geschäftsführer bei der Verhandlung präsent sein oder reicht der Abteilungsleiter? Darf die muslimische Ehefrau des Partners zum Geschäftsessen mit eingeladen werden? Soll man der Aufforderung folgen, den Wodka auf Ex zu trinken? Die Intuition, die einem zu Hause gute Dienste leistet, versagt in einer fremden Umgebung.

Deshalb wagten sich besonders kleine und mittlere Unternehmen nicht ins Ausland, meint Jochen Pleines, Direktor des Landesspracheninstituts (LSI) an der Ruhr-Universität Bochum. LSI bereitet in Intensivkursen Fach- und Führungskräfte aus der Wirtschaft, Wissenschaftler und Diplomaten auf die Sprache und Kultur ihres Ziellandes vor.

Oder es passiert das Gegenteil: Die Mittelständler treten das Abenteuer unvorbereitet an, weil ihre Personaldecken zu dünn sind, um Leute für mehrwöchige Seminare freizustellen. Das sind die Erfahrungen, die bei der Fachtagung „Interkulturelles Management in Europa“ kürzlich diskutiert wurden. Dazu hat das Zentrum für Innovation und Technik (Zenit) NRW, eine auf den Mittelstand spezialisierte Beratung, eingeladen.

„Wir brauchen kein interkulturelles Training, wir machen alles auf Englisch!“: Eine weit verbreitete Einstellung. Doch viele Arbeitgeber schätzten das Sprachniveau ihrer Angestellten allzu optimistisch ein, weiß Johannes Wamser, der deutsche Wirtschaftsvertreter oft nach Indien begleitet. Und selbst mit gutem Englisch käme man außerhalb der Großstädte nicht weit. Pleines bricht eine Lanze für die lokalen Sprachen: Sie zumindest in Grundzügen zu beherrschen, signalisiere dem Gesprächspartner Respekt für seine Kultur. Und man sei dem Dolmetscher nicht völlig ausgeliefert.

Vor einem Engagement im Ausland sollte ein Unternehmen nach Ressourcen im eigenen Haus suchen: Möglicherweise sind einige Mitarbeiter bereits aus beruflichen oder privaten Gründen mit dem Zielland vertraut: Sind dort geboren, haben Ehepartner aus dem Land, haben dort bereits gearbeitet oder studiert. Manchmal ist es sinnvoll, gezielt Zuwanderer oder Studierende entsprechender Herkunft anzuwerben.

„Gehen Sie mit Partnern rein!“, empfiehlt Faize Berger, Vorstandsmitglied der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer. Zahlreiche unkoordinierte Infoquellen, unklare Zuständigkeiten: Den Ärger darüber könne man sich mithilfe lokaler Steuerberater und Rechtsanwälte sparen. Wenn die Tochtergesellschaft die Zielvorgaben nicht einhalte und alles auf die lokalen Besonderheiten schiebe, brauchte es eine unabhängige „Vertrauensperson“, die „sowohl das Land kennt, als auch die Interessen des Stammhauses vertreten kann“, so Unternehmensberater Wamser.

Marko Mais, Marketing-Manager des Getränke-Konzerns Sinalco, hat gute Erfahrungen mit lokalen Werbeagenturen gemacht. Sie wüssten genau, wie viel nackte Haut eine Limo-Reklame im Nahen Osten zeigen darf und welcher Popstar in allen Ländern des ehemaligen Jugoslawiens beliebt ist.

Teilnehmer an Veranstaltungen über interkulturelles Management erwarten oft Checklisten, was sie in der jeweiligen Kultur tun und unterlassen sollen. Doch seriöse Anbieter lehnen solche Listen ab. Am Ende steht einem doch immer ein konkreter Mensch gegenüber, kein Vertreter einer starren Herkunftskultur. Dass ein Dreistundenseminar auf alle Herausforderungen des Auslandseinsatzes vorbereiten kann, sei illusorisch, sagt Pleines. Aber es sei natürlich besser als gar nichts.

Zahlreiche private und öffentliche Institute sowie Einzelpersonen bieten interkulturelle Trainings an. Gute Weiterbildungen bestehen aus mehreren Bausteinen. Als erstes kommt das Faktenwissen über ein bestimmtes Land oder eine Ethnie. In China etwa ist die Zahl vier ein Symbol des Todes, deshalb sind Werbespielereien wie „Work4Business“ im Reich der Mitte ein schlechtes Omen.

Das Wissen lässt sich auch selbst per Lektüre anlernen. Wichtiger ist zu lernen, sich auf den Gesprächspartner einzulassen und die eigene kulturelle Prägung zu hinterfragen. Das wird in Rollenspielen antrainiert. Dem anderen einen Wunsch von den Lippen ablesen beispielsweise.

Interkulturelle Trainings brauchen übrigens nicht nur Mitarbeiter, die ins Ausland entsandt werden. Auch Betriebe, deren Mannschaft und Kundschaft immer bunter werden, haben sie schon auf der Tagesordnung.

MATILDA JORDANOVA-DUDA

Von Matilda Jordanova-Duda

Stellenangebote im Bereich Einkauf und Beschaffung

OneSubsea GmbH-Firmenlogo
OneSubsea GmbH Elektrotechnikingenieur (m/w/d) Fachrichtung Instrumentierung Celle
The Walt Disney Company-Firmenlogo
The Walt Disney Company Sourcing Specialist (f/m/d) Papenburg
Panasonic Industrial Devices Sales Europe GmbH-Firmenlogo
Panasonic Industrial Devices Sales Europe GmbH QC-Fachkraft (m/w/d) für die Bearbeitung von Bauteilfreigaben im Bereich Automotive-Produkte (PPAP) Lüneburg
Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)-Firmenlogo
Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Projektingenieurin / Projektingenieur (w/m/d) für Maschinen- und Anlagenbeschaffung Berlin

Alle Einkauf und Beschaffung Jobs

Top 5 Konjunktur

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.