Konjunktur 05.01.2007, 19:25 Uhr

Deutsche Konjunktur 2007: „Weiter mit viel Schwung“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 5. 1. 07, rok- „Die Unternehmensinvestitionen sind im letzten Jahr um beachtliche 7 % angestiegen. Und für dieses Jahr erwarten wir eine Zunahme in einer ähnlichen Größenordnung.“ So Stefan Ortseifen, Vorstandssprecher der IKB, in seiner folgenden Prognose. Und in der Folge der daraus entstandenen neuen Arbeitsplätze werde sich auch zusätzlicher Konsum entwickeln, der den Aufschwung bis ins Jahr 2008 tragen werde.

Die deutsche Wirtschaft ist im letzten Jahr kräftig gewachsen: Das BIP, also die Gesamtheit aller produzierten Güter und Dienstleistungen, stieg um mehr als 2,5 % an. Das ist die höchste Wachstumsrate seit dem Jahr 2001.

Für dieses Jahr mehren sich die Stimmen, die von einer verhalteneren Wirtschaftsentwicklung ausgehen. Begründet wird dies mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 19 %, einer rückläufigen Konjunkturentwicklung in den USA oder einer sich insgesamt abschwächenden Weltwirtschaft, wobei sich die beiden letzteren Aspekte – so die Annahme – negativ auf unsere Ausfuhrentwicklung auswirken würde.

Ich teile diese skeptische Einschätzung nicht. Zwar stellt die Erhöhung der Mehrwertsteuer für sich genommen eine Belastung dar – und dies gilt insbesondere für den privaten Verbrauch – die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen werden jedoch eher gering bleiben. Dies hat zum einen damit zu tun, dass der Export weiterhin das große Schwungrad für die deutsche Konjunktur bleiben wird, zum anderen sind die Unternehmensinvestitionen mittlerweile richtig in Fahrt gekommen.

Der deutsche Export ist im letzten Jahr um mehr als 10 % angestiegen. Dies ist nicht nur auf die gute Entwicklung der Weltwirtschaft zurückzuführen, sondern hat ganz entscheidend mit der seinerzeitigen Einführung des Euro zu tun. Ein Blick zurück zeigt, was damit gemeint ist.

Wann immer die Wirtschaft einiger europäischer Nachbarländer in den 80er oder 90er Jahren im internationalen Wettbewerb zurückzufallen drohte, wurde die jeweilige Währung abgewertet. Zumeist wurde im gleichen Atemzug die Deutsche Mark aufgewertet. Dieses „Drehen an der Währungsschraube“ ist seit dem 1. Januar 1999 vorbei.

Die Konsequenzen hieraus sind weitaus nachhaltiger als gemeinhin bekannt, denn die Einführung des Euro verschafft den deutschen Exporteuren zunehmende Wettbewerbsvorteile auf dem Weltmarkt. Die Erklärung hierfür liegt darin, dass die Entwicklung der Inflationsrate mittlerweile zu einem entscheidenden Parameter für die internationale Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft des Euro-Raumes geworden ist. Und da diese Rate in Deutschland in den letzten Jahren stets unter der der wichtigsten europäischen Wettbewerber lag, haben sich die deutschen Exporteure gegenüber einzelnen Ländern – wie etwa Frankreich und Italien – schrittweise Wettbewerbsvorteile auf den internationalen Märkten verschaffen können. Verstärkt wurde dieser Prozess dadurch, dass die deutschen Unternehmen in den letzten Jahren massive Anstrengungen zur Steigerung ihrer Produktivität unternommen haben.

Als Fazit heißt dies: Die deutschen Exporte werden auch dann zunehmen, wenn wichtige Wettbewerber bereits Einbußen zu gewärtigen haben.

Die Exporte – und dies zeigt nicht nur die Erfahrung in Deutschland – sind aber nur der erste Schritt, wenn es darum geht, einen Wirtschaftsaufschwung in Gang zu bringen. Die Binnennachfrage – und hier vor allem auch die Unternehmensinvestitionen – müssen folgen. Genau in dieser Hinsicht sind wir in Deutschland aber bereits einen guten Schritt vorangekommen. Denn die Unternehmensinvestitionen sind im letzten Jahr um beachtliche 7 % angestiegen. Für dieses Jahr erwarten wir eine Zunahme in einer ähnlichen Größenordnung.

Die Erklärung für diese gute Entwicklung – und dies registrieren wir in unseren Unternehmensgesprächen nahezu täglich – liegt vor allem darin, dass viele Firmen am Rande ihrer Kapazitäten produzieren. Entsprechend geht es nun nicht mehr primär darum, Rationalisierungsinvestitionen vorzunehmen, sondern auch verstärkt in den Aufbau neuer Kapazitäten zu investieren.

Hinzu kommt aber eine Entwicklung, die wir in unserem Kundenkreis erst seit einigen Monaten beobachten: Deutsche Mittelständler, die in den letzten Jahren in Mittelosteuropa investiert hatten, kehren nun – jedenfalls mit Teilen ihrer Kapazitäten – nach Deutschland zurück. Das gilt insbesondere dann, wenn die Produktion in Deutschland auf sehr kapitalintensive Weise erfolgt, das heißt die Personalaufwendungen im Vergleich zum Umsatz vergleichsweise niedrig sind. Entsprechend induzieren diese Investitionen mehr Beschäftigung bei Maschinenbauern und bei Wartungs- und Servicefirmen als in der eigentlichen Produktion. Gleichwohl könnte sich hieraus ein interessanter Trend entwickeln.

Generell kann man jedoch sagen, dass die Unternehmensinvestitionen eine ganz wichtige Voraussetzung für das Entstehen neuer Arbeitsplätze sind. Welche Dynamik hier in Deutschland entstanden ist, zeigt sich auch an der Tatsache, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im letzten Jahr um 1 Million gestiegen ist. Selbst wenn man davon ausgeht, dass es sich dabei nicht ausschließlich um Ganztagsstellen handelt, so ist dies doch ein entscheidender Schritt zur allmählichen Bewältigung unserer Probleme auf dem Arbeitsmarkt.

Zugleich ist dies auch die beste Voraussetzung dafür, dass der Konsum in diesem Jahr nicht – wie von vielen befürchtet – wegen der Erhöhung der Mehrwertsteuer einbrechen wird. Denn wenn es gelingt – wofür angesichts der guten wirtschaftlichen Entwicklung der Unternehmen vieles spricht -, die Zahl der Arbeitsplätze weiter zu erhöhen, wird dies auch positive Rückwirkungen auf den privaten Verbrauch haben.

Für mich steht daher fest: Die deutsche Wirtschaft geht mit viel Schwung in das Jahr 2007. Mehr noch: Der Konjunkturaufschwung wird derart stabil sein, dass er auch im Jahr 2008 – und darüber hinaus – weiter gehen kann. STEFAN ORTSEIFEN

Von Stefan Ortseifen

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