Wirtschaftspolitik 20.05.2005, 18:38 Uhr

„Der Strukturwandel wurde zu spät gesehen“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 20. 5. 05 – Bis in die 70er Jahre hätten viele in Nordrhein-Westfalen geglaubt, dass der Niedergang von Kohle und Stahl bloß ein konjunkturelles Problem sei, meint der Arbeitsmarktexperte Gerhard Bosch vom Institut für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen. Mittlerweile arbeiteten mehr Menschen in NRW im Dienstleistungssektor als im produzierenden Gewerbe. Vielen kleineren Unternehmen mangele es an Innovationskraft.

Seit 39 Jahren regieren die Sozialdemokraten an Rhein und Ruhr, und selten war ein Machtwechsel so greifbar wie in diesem Jahr. Zwar sind nach den letzten Umfragen die Werte für die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Jürgen Rüttgers wieder gesunken, doch noch immer ist der Vorsprung gegenüber den Sozialdemokraten groß.

Nordrhein-Westfalen, das mit rund 18 Mio. Einwohnern bevölkerungsreichste Bundesland, tut sich schwer mit dem Strukturwandel von Bergbau und Schwerindustrie hin zu Dienstleistungen. „Der Strukturwandel wurde zu spät gesehen“, meint Gerhard Bosch, Vizepräsident des Instituts für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen. Noch in den 70er Jahren hätten viele geglaubt, dass der Niedergang von Kohle und Stahl bloß ein konjunkturelles Problem sei. Diese Kritik richtet sich nicht nur an die regierenden Sozialdemokraten, sondern auch an die Opposition und an die Vertreter der Wirtschaft im Ruhrgebiet.

Mittlerweile arbeiten in Nordrhein-Westfalen deutlich mehr Beschäftigte im Dienstleistungssektor als im verarbeitenden Gewerbe. Insgesamt ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den vergangenen 30 Jahren jedoch gesunken: von rund 5,8 Mio. im Jahr 1974 auf 5,6 Mio. im vergangenen Sommer. Der niedrigste Stand wurde 1984 mit knapp 5,38 Mio., der höchste 1992 mit 6,13 Mio. notiert.

Derzeit sind gut 1 Mio. Frauen und Männer in NRW arbeitslos gemeldet. Die Quote liegt bei 12,1 %. Zum Vergleich: In Bayern beträgt sie 8,1 %, in Baden-Württemberg 7,1 %. Von den alten Ländern hat nur Bremen mit 17,3 % eine höhere Erwerbslosenquote.

Das industrielle Zentrum in NRW ist nicht mehr das Ruhrgebiet, zumindest, was die Beschäftigung angeht. Dort sind, nach Berechnungen des IAT, nur noch knapp 23 % der Beschäftigten im Bergbau und im verarbeitenden Gewerbe tätig, im Landesdurchschnitt sind es 27 %. Den größten Anteil der Industriebeschäftigten stellen mittlerweile die ländlichen Regionen wie das Sauer- und das Siegerland, das Bergische Land und die Region Ostwestfalen-Lippe. Dort liegt die Arbeitslosigkeit unter dem Landesdurchschnitt.

Doch das verarbeitende Gewerbe jenseits der großen Zentren kämpft mit strukturellen Problemen, erklärt Gerhard Bosch. In der Metallindustrie seien die Betriebe zu klein, im Schnitt nur halb so groß wie vergleichbare Unternehmen in Baden-Württemberg, die Innovationskraft sei oft nur schwach, der Anteil von Forschung und Entwicklung gering, die Zahl der Patente zu klein, so Bosch. Als Zulieferer für die Automobilindustrie seien diese Betriebe zudem oft abhängig von Entscheidungen großer Unternehmen.

Um Innovationen zu beschleunigen, wurde in den vergangenen Jahren die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Unternehmen verstärkt – durchaus mit Erfolg, wie Bosch beobachtet hat. So seien z. B. Kompetenzzentren für Neue Werkstoffe, für Oberflächentechnik oder für Logistik entstanden, von denen Unternehmen profitieren.

Das Ruhrgebiet ist mittlerweile eine Region für Dienstleistungen geworden. Während im Landesdurchschnitt 66 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Dienstleistungsgewerbe arbeiten, sind es im Revier 70 %. Allerdings sei dieser Zuwachs nicht allein durch das Wachstum bei den Dienstleistungen selbst zu erklären, sondern auch durch das Schrumpfen der Industrie, so der Arbeitsmarktexperte Bosch.

Der Verlust an Arbeitsplätzen in Bergbau und Industrie konnte im Revier noch nicht ausgeglichen werden. So ist die Arbeitslosenquote von 22 % in Gelsenkirchen die höchste in den alten Bundesländern. Und: Viele der neuen Service-Arbeitsplätze sind angesiedelt bei weniger qualifizierten persönlichen Dienstleistungen, wie eine Fraunhofer-Studie im Auftrag der CDU-NRW ergeben hat.

Schwierigkeiten gibt es in NRW, im Vergleich zu anderen Bundesländern, bei der Ausschöpfung der Qualifikationen: Die Erwerbsquote ist im Bundesvergleich unterdurchschnittlich, ebenso der Anteil der Meister und Techniker in den Betrieben und der Anteil der Akademiker unter den Beschäftigten – trotz einer überdurchschnittlichen Abiturientenquote, so die Fraunhofer-Forscher.

Gewinner auf dem Arbeitsmarkt ist die Provinz: Im Münsterland z. B. liegt die Erwerbslosigkeit deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Diese Region profitiert von der Zuwanderung aus den alten Zentren.

Im Münsterland, aber auch in Ostwestfalen seien viele Unternehmen angesiedelt, die der Region verpflichtet seien und die nicht so schnell an eine Verlagerung dächten, beobachtet Bosch. H. STEIGER

Von H. Steiger

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