Finanzen 15.03.2013, 13:59 Uhr

Der Mittelstand spart sich frei

Die deutschen Mittelständler haben in den letzten Jahren nicht nur gut verdient, sie setzten diese Gewinne auch für die eigene Unabhängigkeit ein. Inzwischen verfügt das verarbeitende Gewerbe über eine solide Basis an Eigenmitteln. Viele Firmen sind bei Investitionsentscheidungen nicht mehr auf Bankenkredite angewiesen.

Langsam aber sicher löst sich der Mittelstand in Sachen Finanzierung aus der Abhängigkeit der Banken.

Langsam aber sicher löst sich der Mittelstand in Sachen Finanzierung aus der Abhängigkeit der Banken.

Foto: dpa-Zentralbild

„Die gute Finanzsituation der Elektrounternehmen ist das Ergebnis zielgerichteter unternehmenspolitischer Entscheidungen“, sagt Andreas Gontermann, Chefvolkswirt des Zentralverbandes der Elektroindustrie (ZVEI) nicht ohne Stolz. Die Gewinne der letzten Jahre seien vor allem genutzt worden, um die Kapitalbasis zu stärken. Nach einer verbandsinternen Umfrage lag die durchschnittliche Eigenkapitalquote der Mitgliedsfirmen 2011 bei 41 %.

Damit hat die Elektroindustrie, die vergangenes Jahr einen Umsatz von 173 Mrd. € erwirtschaftete, ihre Unabhängigkeit von Banken und anderen Kreditgebern noch stärker vorangetrieben als die übrigen Branchen des verarbeitenden Gewerbes.

Der Maschinenbau, der 2012 einen Umsatz von rund 209 Mrd. € auswies, kann trotz guter Zahlen nicht ganz mithalten. Die Deutsche Bundesbank ermittelt für die größte deutsche Industriebranche eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von knapp unter 30 %. „Das ist im Zehnjahresvergleich ein deutlicher Anstieg“, so Josef Trischler, Mitglied der Hauptgeschäftsführung im Maschinenbauverband VDMA. Wohler wäre ihm jedoch, hätten alle Maschinenbauer die 30er-Marke in der Bilanz geschafft. „Aber sie haben verstanden, dass ihre künftige Selbstbestimmung in starkem Maße von ihrer finanziellen Stabilität abhängen wird.“

Dieser Zusammenhang ist vielen Unternehmern während der Finanzkrise schmerzhaft bewusst geworden. Gab es bis dato für solide geführte Unternehmen immer einen Weg, Kapital zu beschaffen, sah dies nach der Lehman-Pleite anders aus. Besonders bei Kreditinstituten, die für ihre Refinanzierung weitgehend auf den Kapitalmarkt angewiesen waren, kam es zu Engpässen in der Unternehmensfinanzierung.

Mit den Beschlüssen zu Basel III, die den Banken eine Erhöhung ihrer Eigenkapitalbasis vorschreiben, könnte es zukünftig vor allem für kleine und mittlere Unternehmen schwerer werden, Kredite zu erhalten.

Der hohe Eigenkapitalstock und das niedrige Zinsumfeld stimmen Gontermann vom ZVEI allerdings zuversichtlich: „Das laufende Jahr dürfte sich nach derzeitigen Erwartungen ähnlich darstellen wie 2012.“ Eigenkapital beflügele – in zweifacher Hinsicht. „Mit abnehmender Abhängigkeit von Fremdkapital sinkt die Einflussnahme externer Kapitalgeber“, so Gontermann. Das wiederum erweitere den unternehmerischen Gestaltungsspielraum.

Solide Finanzkennzahlen seien zudem ein positives Wettbewerbsmerkmal. VDMA-Mann Trischler: „Es signalisiert sowohl dem Lieferanten als auch dem Kunden, dass sie es mit einem seriösen Unternehmen zu tun haben, das in der Lage ist, Herausforderungen in hohem Maße mit eigenen Kräften zu bewältigen.“ Für den Maschinenbau, der in einigen stark umkämpften Marktsegmenten immer wieder Umsatzrückgänge hinnehmen müsse, sei es besonders wichtig, solche Risiken abzufedern und die Finanzierung von Zukunftsinvestitionen sicherzustellen.

Bei einer Exportquote von 75 % beschäftigten sich die Maschinenbauer intensiv mit dem Ausbau ihrer Präsenz in wichtigen Absatzmärkten. Neben den BRICS-Staaten gehörten dazu zunehmend Länder aus der zweiten Reihe, wie Singapur und Malaysia und künftig etwa auch Thailand oder Indonesien. Im Inland baut die Branche weiterhin auf ihre hoch entwickelten Produktionsstandorte für Kernkomponenten sowie auf Forschung und Entwicklung.

Der ZVEI prognostiziert für 2013 ein moderates Produktionswachstum von 1,5 % und eine hohe Investitionstätigkeit. Ebenso wie der Maschinenbau hängt die zweitgrößte Industriebranche jedoch stark vom Export ab und sorgt sich um die Kunden in der EU-Peripherie. „Insbesondere die südeuropäischen Abnehmer tun sich schwer, an Kredite zu kommen“, sagt Gontermann.  LISA SCHNEIDER

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