Strukturpolitik NRW 12.12.2003, 18:27 Uhr

Cluster managen heißt alte Stärken stärken

VDI nachrichten – Was international funktioniert, soll auch an der Ruhr greifen – „Clustermanagement“, eine Strukturförderung von Städten und Regionen, die sich an vorhandenen Kompetenzen orientiert. Es sollen nicht neue Industriezweige aus dem Boden gestampft, sondern bestehende Industrien weiter entwickelt oder umgenutzt werden.

Die Strategie des Clustermanagements wird das Ruhrgebiet wirtschaftlich neu beleben, hieß es zuversichtlich am vergangenen Freitag bei der internationalen Tagung zu diesem Thema in Duisburg. Während dort Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Harald Schartau das eigene Bundesland und insbesondere das Ruhrgebiet lobte, weil man vor Ort »über viel versprechende Schlüsselkompetenzen« verfüge, wurde gleichzeitig am anderen Ende des Reviers Clustermanagement gelebt: In Kamen bei Dortmund nahm der US-Konzern 3M sein europäisches Zentrum für Health-Care-Aktivitäten in Betrieb. Für 80 Mio. ! Investitionskosten eröffnete 3M die nach eigenen Angaben »modernste europäische Produktionsanlage für Verbands- und Pflastermaterialien«. Am bereits bestehenden Standort entstehen damit 100 zusätzliche Arbeitsplätze.

Was prädestiniert die westfälische Kleinstadt für diese Investition in den zukunftsträchtigen Health-Care-Bereich? Ein Stück sicherlich auch die gut 70-jährige Tradition der chemischen Industrie in der Region. Auftakt bildete die Treibstoff-Produktion nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren im benachbarten Bergkamen, die in den 30er Jahren in Betrieb ging. Diese Anlage wurde um 1960 vom Pharmakonzern Schering übernommen und zu einem Produktionsstandort von medizinischen Wirkstoffen, später auch von Industriechemikalien umgebaut die Produktionsanlagen standen, qualifiziertes Personal und ausreichend Raum waren vorhanden. Um diesen Nukleus herum soll das Ostrevier jetzt zu einem Standort für Biotechnologie ausgebaut werden.

Das (bei der Tagung ungenannte) Beispiel 3M ist ein Muster, wie es Christian Ketels weltweit beobachtet: Der Leiter des Cluster-Forschungsteams am Institute for Strategy and Competitiveness, Harvard Business School, ermutigte die heimischen Unternehmen, sich zu ihren Stärken zu bekennen. »In Deutschland gibt es wie sonst nur in Japan die Situation, dass die Firmen besser sind als die politischen Rahmenbedingungen, in denen sie arbeiten«, meinte er. Statt abzuwandern sollten die Unternehmen ihre Chancen vor Ort sehen.

Harald Schartau erklärte, dass das Land seit dem Jahr 2000 seine Wirtschaftspolitik neu auf Clusterbildung ausgerichtet und dabei erste Erfolge erzielt habe: Vorzeigebeispiel hierfür sei der Handels- und Logistik-Bereich. Für Schartau hat NRW das Potenzial, das wirtschaftliche Zentrum im vereinten Europa zu werden. »Durch die EU-Osterweiterung werden wir schon zum geographischen Mittelpunkt«, sagte der Minister, »diesen Standortvorteil wollen wir durch unsere Kompetenzfeldstrategie noch weiter ausbauen.«

Der Weg des Strukturwandels ist lang und mühsam darin sind sich die Cluster-Experten einig. Bemerkenswert sind aber die Maßstäbe, die bestehende erfolgreiche Cluster und entsprechend weiter entwickelte Industrien auszeichnen: Neben der selbstverständlichen hohen Innovationsfähigkeit der Firmen, der Vielzahl der Patente sowie der gesteigerten Produktivität sei die Lohn- und Gehaltshöhe solch eine Messgröße für erfolgreiche Cluster. Hohe Entgelte, so Ketels, stünden auch für funktionierende Cluster.

Ein altes, aber immer wieder aktuelles Thema, mahnten die Kongressteilnehmer an: Eine immer noch sehr träge Verwaltung hemme die Aktivitäten vieler Jungunternehmer, wie beispielsweise Karl-Heinz Turowski von TTC Turowski Techno Consult kritisierte. Um den Verwaltungen »auf die Sprünge zu helfen«, kündigte Harald Schartau ein »Gütesiegel« an, das für die Qualität einer schlanken Verwaltung in Städten und Gemeinden bürgen soll. Die Kriterien für dieses Gütesiegel, das vom Deutschen Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung (RAL) überprüft wird, werden derzeit von Arbeitsgruppen in NRW und Baden-Württemberg entwickelt. Verliehen werden soll die »RAL-Verwaltungs-Plakette« bundesweit etwa Mitte kommenden Jahres.

Dass Clustermanagement über Jahrzehnte hinweg schon gut funktioniert hat, zeigt an der Ruhr die Energiebranche: Wegen der Steinkohle und des großen Energiebedarfs der Hüttenwerke siedelten Versorger und Kraftwerkbetreiber an der Ruhr, beispielsweise VEW und RWE. Wenn diese ein neues Kraftwerk bauen wollten, kauften sie den Kessel bei Babcock in Oberhausen, die Turbinen bei Siemens-KWU in Mülheim/Ruhr. Die Kabel produzierte AEG in Essen, die Logistik des Kohletransports lief über das Kanalnetz. Als Herausforderung so Tagungsteilnehmer muss es jetzt gelingen, die Zukunftstechnologie Brennstoffzelle an der Ruhr marktreif zu machen und dort auch die Produktion anzusiedeln. Versuche laufen bereits bei RWE Fuel Cell.

 

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