Industrie 08.09.2006, 19:23 Uhr

China: Schluss mit billig  

VDI nachrichten, Hongkong, 8. 9. 06, ps – Der Export einfacher Produkte machte China zur viertgrößten Wirtschaftsmacht der Welt. Doch die Erfolgsstrategie der neunziger Jahre stößt an ihre Grenzen. Umweltprobleme und sinkende Gewinnmargen zwingen zum Umdenken. Im Eiltempo will die chinesische Führung das Land technologisch aufrüsten.

Die chinesische Führung ist zur Überzeugung gekommen, dass das Konzept Weltfabrik für Billigwaren auf die Dauer schlicht und einfach nicht durchzuhalten ist,“ so Jun Ma, China-Analyst der Deutschen Bank in Hongkong. Vor allem das Ausmaß der Umweltbelastung schockt die Verantwortlichen. In Hongkong ist die miserable Luftqualität mittlerweile eines der drängendsten Probleme. Der Grund sind die rund 500 000 Unternehmen im benachbarten Pearl River Delta der Provinz Guangdong. Sie bringen ein gutes Drittel der chinesischen Ausfuhren auf den Markt, pumpen aber aber auch tagein, tagaus Unmengen schädliche Abgase in die Atmosphäre.

Hinzu kommt der saure Regen durch Immissionen von Kraftwerken sowie andere Belastungen der immer knapperen Wasserreserven. Die Weltbank führt mittlerweile 16 chinesische Metropolen auf der Liste der am meisten verschmutzten Städte der Welt. Die Regierung in Peking wird nervös, wenn sie daran denkt, dass die Olympischen Sommerspiele 2008 als „Grüne Spiele“ vermarktet werden.

Die Verwaltungen von Hongkong und Guangdong haben einen Krisenstab eingerichtet, um die Entwicklung der Luftverschmutzung zu verfolgen und Maßnaahmen dagegen zu ergreifen. Christine Loh, CEO des Think Tanks Civic Exchange in Hongkong: „Internationale Firmen haben wegen der Luftprobleme schon Schwierigkeiten, gute Leute in die Stadt zu bringen.“

Das Problem trifft nicht nur Hongkong, Guangdong oder den Raum Schanghai. Runde 10 % des Sozialprodukts kosten nach Schätzung von Zhu Guangyao, der Nummer zwei der State Environment Protection Agency, die Umweltprobleme bereits heute. Und sie werden zunehmend ein außenpolitisches Problem. Japan, Russland und andere Nachbarn rümpfen inzwischen mehr oder weniger öffentlich die Nase.

Kein Wunder also, dass sich Präsident Hu Jintao und Premier Wen Jiabao vom Modell der Weltfabrik verabschieden wollen. Punkten will das Land künftig auf dem Terrain von Forschung und Entwicklung. Im Frühjahr beschloss der Staatsrat, China zu einer Innovations-Weltmacht aufzurüsten: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollen bis 2010 von derzeit 1,3 % auf 2 % des Sozialprodukts hochgeschraubt werden. Für 2020 werden mehr als 2,5 % angepeilt. Das wäre das Niveau der USA, Deutschlands und Südkoreas.

Das Modell hierfür sind Hersteller von Telekomanlagen, wie Huawei Technology und ZTE in Shenzhen, der Hausgeräteproduzent Haier oder auch die an der New York Stock Exchange notierte Suntech Power in Wuxi.

Gehen die Pläne auf, sinkt die Abhängigkeit von ausländischer Technologie in den kommenden 15 Jahren von heute 60 % auf 30 % und China wird zu einem der größten Patentanmelder der Welt. Heute rangiert das Land bei Schutzrechten noch unter ferner liefen.

Was soll Chinas Innovationsmühle außerdem auf Touren bringen? Zum einen ein Bündel steuerlicher Anreize, von der zollfreien Einfuhr von F&E-Ausrüstung über die steuerliche Absetzung von Forschungsgeldern bis hin zur zweijährigen Steuerfreiheit für junge Technologiefirmen in speziellen Hightech-Entwicklungszonen.

Auf Guangdong entfällt rund ein Drittel der chinesischen Hightech-Produktion. Die Provinzregierung will die starke Stellung durch Forcierung von F&E stärken. Außerdem werden die Unternehmen gedrängt, von der Auftragsfertigung für ausländische Hersteller abzurücken und eigene Hightech-Marken aufzubauen. Auf diese Weise sollen auch die Gewinnmargen steigen, die bei einfachen Gütern unter großem Druck stehen.

Fünf im April gegründete Innovationszentren in Hongkong sollen zu Motoren für industrielle Entwicklungsvorhaben in der südchinesischen Region werden. Und sie sollen auch das Image der Metropole als Forschungs- und Designzentrum aufpolieren. Wie funktionieren die Innovationszentren? Bis zu 90 % der Kosten von Entwicklungsprojekten können sie schultern. Übernimmt ein Unternehmen selbst 50 % der Aufwendungen, erhält es dafür alle Patentrechte. Yeung: „Unsere Universitäten hier sind mit im Boot, und wir werden sicherstellen, dass das rasch präsentable Resultate bringt.

Für Europäer, Amerikaner, Japaner oder Koreaner hat der neue chinesische Kurs erhebliche Bedeutung. Das Bedarfsprofil des chinesischen Marktes verändert sich. Top-Technologien sind zunehmend gefragt sowie Know-How, das hilft, die heimische Wertschöpfung nach oben und die Patentmaschine auf Touren zu bringen. „Wir merken das bereits“, meint Hans Roth, der von Schanghai nach Hongkong gewechselte neue Schweizer Generalkonsul in der fernöstlichen Handels- und Finanzmetropole. „Unsere hochklassigen und teuren Textil- und andere Maschinen sind immer mehr gefragt. Ohne Qualität geht hier nichts mehr.“ JAN HÖHN

Steuerliche Anreize sollen Forschung und Entwicklung forcieren

Von Jan Höhn

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