Zwang zu Preissenkungen 08.08.2014, 11:37 Uhr

China erhöht mit Razzien den Druck auf Audi, Daimler & Co.

Die chinesische Kartellbehörde hat Razzien bei Audi und Daimler in Shanghai durchgeführt, um Preisabsprachen zu beweisen und die Konzerne zu Preissenkungen zu zwingen. Chrysler hat die Preise bereits um bis zu 10.000 US-Dollar pro Wagen zurückgenommen. 

Chinesische Ermittler haben Geschäftsräume bei Daimler Benz in Shanghai untersucht und Computer beschlagnahmt. Der Konzern hatte zuvor schon für 10.000 Ersatzteile die Preise um 15 Prozent gesenkt. 

Chinesische Ermittler haben Geschäftsräume bei Daimler Benz in Shanghai untersucht und Computer beschlagnahmt. Der Konzern hatte zuvor schon für 10.000 Ersatzteile die Preise um 15 Prozent gesenkt. 

Foto: dpa

Die chinesische Wirtschaftspolitik setzt jetzt die Kartellbehörden ein, um ausländische Autobauer unter Druck zu setzen. Ihnen werden höhere Preise in China als in ihren Heimatländern und Preisabsprachen vorgeworfen. Zum einen sollen die Konzerne zu Preiszugeständnissen gezwungen werden. Zum anderen sollen ihre Gewinne unter Druck gesetzt werden, damit sie weniger für Forschung und Entwicklung ausgeben können.

Razzia bei Daimler – Chrysler senkt Preise um 10.000 Dollar

Neun Beamte der China National Development and Reform Commission haben in dieser Woche die Geschäftsräume von Daimler in Shanghai durchsucht und beim Verlassen des Betriebs zahlreiche Computer mitgenommen. Dabei hatte Daimler auf chinesischen Druck gerade erst die Preise für Werkstattleistungen reduziert und 10.000 Ersatzteile um im Schnitt 15 Prozent vergünstigt. Audi hat Ersatzteilpreise teilweise schon um 38 Prozent gesenkt

Die Chinesen unterstellen den ausländischen Autobauern Preisabsprachen. Das schließt Marken wie Audi und BMW aus Deutschland, Jaguar Land Rover aus Großbritannien, Toyota-Lexus und Nissan-Infiniti sowie die Jeep-Sparte von Chrysler aus den Vereinigten Staaten ein. Jaguar Land Rover und Chrsyler haben die Preise für Neuwagen auf chinesischen Druck bereits deutlich reduziert. Zuletzt nahm Chrysler die Preise für zwei Modelle um jeweils 10.000 US-Dollar zurück.

Die chinesischen Kartellbehörden erhöhen auch den Druck auf Audi. Gemeinsam mit den deutschen Herstellern BMW und Daimler dominiert der Autobauer derzeit den chinesischen Markt. 

Die chinesischen Kartellbehörden erhöhen auch den Druck auf Audi. Gemeinsam mit den deutschen Herstellern BMW und Daimler dominiert der Autobauer derzeit den chinesischen Markt. 

Quelle: dpa

Dass die Autoindustrie im Mittelpunkt des chinesischen Vorgehens steht, liegt daran, dass die Wirtschaftsführung in Peking unzufrieden ist mit der Entwicklung der nationalen Marken am Pkw-Markt. Chinesische Marken haben bei Neuzulassungen einen Marktanteil von nur 20 Prozent. Nach den Planzielen sollten es 40 Prozent sein. Dass ausländische Marken für Luxusfahrzeuge besonders hohe Preise erzielen, ärgert die Chinesen zusätzlich, da dies den Herstellern ermöglicht, immer mehr Geld in Forschung und Entwicklung zu stecken.

China erhöht auch Druck auf TK-Konzerne

Konkret gehen die Chinesen dabei gegen Microsoft, Qualcomm, Symantec aus den Vereinigten Staaten und Kaspersky aus Russland vor. Im Falle Microsofts ist bisher über den Inhalt der chinesischen Anschuldigungen wenig bekannt. Ganz anders sieht es beim Unternehmen Qualcomm aus, das Chips für Mobiltelefone produziert, unter anderem für den so genannten 4G-Standard in China. Die Preise für diese Chips sollen nun durch das Vorgehen der Kartellbehörden drastisch reduziert werden.

Symantec ist der Marktführer in China für Anti-Virus-Produkte für Unternehmen und Behörden. Kaspersky ist ein anderer großer Anbieter auf dem gleichen Gebiet. Beiden Unternehmen ist zunächst verboten worden, staatliche Stellen in China mit ihren Produkten zu beliefern. Zugleich haben fünf junge chinesische Unternehmen das Recht erhalten, ihre Anti-Virus-Produkte an den Staat zu verkaufen.

Auffällig ist, dass sich die Aktionen der chinesischen Kartellbehörden im Wesentlichen gegen große ausländische Anbieter richten. Zur Erklärung dieses Vorgehens ist aus China zu hören, dass gerade diese großen Unternehmen vergleichsweise kooperativ sind, wenn sie unter Druck geraten und vor allem nicht gleich den Rechtsweg beschreiten. 

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