Währungspolitik 11.05.2001, 17:29 Uhr

Bundesbank macht Jagd auf Sparschweine

In deutschen Sparschweinen schlummern Vermögen – glaubt man den Einschätzungen der Kreditinstitute. Diese Münzlager will die Deutsche Bundesbank bereits jetzt einsammeln – im Einzelhandel sind die Groschen nämlich knapp geworden. Außerdem soll der Wechsel von DM auf Euro im nächsten Jahr so reibungslos wie möglich vor sich gehen.

Ausgerechnet Günter Jauch wirbt im Namen der Deutschen Bundesbank. Woche für Woche bringt er in seinen Rate-Shows Hunderttausende Mark unter das Fernsehvolk – um sie nun wieder einzusammeln: „Her mit den Schlafmünzen“ lautet sein Appell ans deutsche Volk, ungenutzte DM-Münzen schon jetzt zur Bank zu bringen.
Es geht um die „Hortungsbestände“ – so nennt die Bundesbank jene „schlafenden“ Beträge, die – teilweise schon seit Jahrzehnten – in Spardosen, Strümpfen, Asbach-Uralt-Magnumflaschen, dunklen Schubladen, Stammtisch- oder Kegelkassen lagern. Bevor das Euro-Bargeld kommt, müssen auch sie umgetauscht werden.
Die Menge ist beträchtlich. Insgesamt sind 48 Mrd. Münzen zur Zeit im Umlauf. Aufeinandergestapelt bildeten sie einen Turm von 340 km Höhe – oder einmal die Strecke Düsseldorf-Frankfurt. Allein 8 Mrd. davon, so schätzen die Banken, liegen zu Hause – ungenutzt oder vergessen.
„Ein frühzeitiger Rücklauf dieser gehorteten DM-Bargeldbestände würde den Gesamtrücklauf deutlich entzerren und die große logistische Belastung von Kreditwirtschaft, Handel, Werttransportunternehmen und Bundesbank zu verringern“, heißt es von den Frankfurtern. Schließlich müssen die Münzen nicht einfach nur eingesammelt werden. Die alten Bestände werden sortiert und zu den Landeszentralbanken transportiert. Die Institute prüfen und entwerten die höherwertigen Münzen, bevor Verwertungsbetriebe sie verschrotten.
Deutschland ist das einzige Euro-Land, in dem die Bargeldumstellung mit einem so genannten „Großen Knall“ (Big Bang) beginnt. Das heißt, bis zum 31. Dezember Schlag Mitternacht gilt an deutschen Kassen die Mark. Danach wird sie offiziell vom Euro ersetzt, auch wenn Geschäfte für den Übergang bis Ende Februar weiterhin DM-Scheine und Münzen annehmen.
Bereits zum Weltspartag im vergangenen Herbst hatte die Bundesbank dafür geworben, die Sparschweine so früh wie möglich zu schlachten. Die erhoffte Resonanz blieb aus. Von der dreiwöchigen Schlafmünzenkampagne, mit Günter Jauch als Zugpferd, erwarten Kreditinstitute und Bundesbank erheblich mehr Pfennige und Groschen zurück.
Dennoch: Der Großteil wird wohl erst in der „heißen Phase“ Anfang nächsten Jahres umgetauscht werden. „Rund 28,5 Mrd. Münzen erwarten wir zurück“, sagt Kai Tänzler von der Hauptkasse der Bundesbank.
Und der Rest? 40 % der altgedienten Kupfer- und Silberlinge werden wohl für immer „schlafen“ – in Sparschweinen, in Brunnen, in alten Autos, im Ausland. Das jedenfalls schätzen die Kreditinstitute. „Manchmal lassen sich ausländische Autoverwerter deutsche Münzen gutschreiben, die sie in den ausgedienten Wagen finden“, berichtet Tänzler. Doch das kommt eher selten vor. „Von den schätzungsweise 318 Mio. Münzen im Ausland werden wohl die wenigsten den Weg zurück finden.“
Schade um“s Geld – in jeder Hinsicht: Hartgeld enthält wertvolle Rohstoffe. Die Pfennige bestehen seit den fünfziger Jahren nicht mehr komplett aus Kupfer, sondern aus Stahl mit Kupferauflage. Markstücke sind aus einer Kupfer-Nickel-Legierung gemacht. Für Nickel bekommt man rund 6000 Dollar pro Tonne. Weil es technisch aufwändig ist, die Legierungen in ihre Bestandteile zu trennen, sortiert die für die Münzverwertung zuständige Bundesschuldenverwaltung in Bad Homburg Groschen zu Groschen und Mark zu Mark.
Die Landeszentralbanken schreddern und verbiegen alle Münzen vom 50 Pfennigstück an aufwärts – Groschen werden noch gebraucht, vorerst. Acht Monate vor der Einführung des Euro ist nämlich das Kleingeld knapp geworden. Sämtliche Münzprägeanstalten sind inzwischen auf das neue Kleingeld umgestiegen, nun sollen die altgedienten Spargroschen den Einzelhändlern aus dem Engpass helfen.
Was indes aus Ein-, Zwei- und Fünf-Pfennigstücken wird, wissen die Verwerter so recht noch nicht. Die Frankfurter Verwertungsfirma Vebeg – sie verschrottet normalerweise Schiffe, Flugzeuge und Autos – prüft zur Zeit unterschiedliche Wege.
Zur Auswahl stehen unter anderem Stahlwerke und Metallhütten. Reine Kupfermünzen werde man vor dem Einschmelzen vielleicht mit einem Magneten heraussortieren, erklärt ein Vebeg-Mitarbeiter. Eigentlich sei fast alles denkbar – „nur eine Preisfrage“, so heißt es bei den Frankfurtern. Passen die Legierungen, so könnten theoretisch aus den alten Münzen auch wieder Neue werden.
Indes wartet das Euro-Bargeld schon: NRW hat seines auf fünf Lager verteilt – um den Transport zu vereinfachen. Immerhin gilt es ab September – ab dann werden deutschlandweit die Kreditinstitute mit Euro-Bargeld versorgt – mehr als 70 000 Tonnen Geld zu verteilen. Das ist so, als karre man zehn Eiffeltürme einmal quer durchs Land. ELKE BODDERAS

Von Elke Bodderas

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