Wirtschaftsförderung 07.12.2012, 20:10 Uhr

Berlin setzt auf innovative Mittelständler

Vor einem Jahrhundert war Berlin pulsierendes Industriezentrum. Der 2. Weltkrieg und seine Folgen haben davon wenig übrig gelassen. Nur noch gut 100 000 von 3,5 Mio. Einwohnern arbeiten im verarbeitenden Gewerbe. Allerorten verwaiste Industriebauten – 1 500 ha warten auf Re-Industrialisierung. Auch Fachkräfte gibt es reichlich. Der „Masterplan Industriestadt Berlin“ soll die Potenziale heben. Alle Hoffnung ruht auf mittelständischen Technologieunternehmen.

Fast 600.000 Berliner arbeiteten früher in Industriebetrieben.

Fast 600.000 Berliner arbeiteten früher in Industriebetrieben.

Foto: Siemens AG Pressebilder/Presspic

Von „Elektropolis“ ist nur eine Themenroute übrig. Die Tour durch Berlin Schöneweide führt an 100-jährigen Fassaden jener Epoche vorbei, in der die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft (AEG), Siemens und andere das Elektrische Zeitalter einläuteten. AEG schuf hier, an der Ostberliner Spree, einen der größten Industriestandorte Europas mit Fabriken für Kabel, Transformatoren, Akkumulatoren und Autos. Zudem gab es hier Kraft- und Abspannwerke, Lampenfabriken, Gießereien und vieles mehr.

Innerhalb Berlins war Schöneweide ein industrieller Kern unter vielen. Zwei Weltkriege und 40 Jahre deutsche Teilung später raucht hier kein Schlot mehr. In den Nachwende-Jahren implodierte Berlins Industrie vollends. Heute arbeiten weniger als 10 % der Arbeitnehmer im verarbeitenden Gewerbe. Was aus besseren Zeiten blieb, sind 1 500 ha Fläche für Gewerbe- und Industrieansiedlungen.

„Masterplan Industriestadt Berlin 2010 bis 2020“

Im „Masterplan Industriestadt Berlin 2010 bis 2020“ bekennt sich ein Bündnis aus Wirtschaft, Gewerkschaften, Politik und Verwaltung zur Re-Industrialisierung – und benennt dutzende konkrete Maßnahmen, die Schwung in die Berliner Wirtschaft bringen sollen.

Das Bündnis baut auf die Anziehungskraft der Stadt, ihre gute Verkehrsinfrastruktur und den entspannten Fachkräftemarkt. Vier Unis, sieben Fach- und Kunsthochschulen, zwei konfessionelle und 24 private Hochschulen, sowie 70 außeruniversitäre Forschungsinstitute sorgen für ständigen Nachschub an hoch qualifizierten Fachkräften. Das Angebot übersteigt die Nachfrage: die Arbeitslosenquote Berlins ist doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

Doch Flächen, Fachkräfte und transferwillige Forschungseinrichtungen allein sorgen noch nicht für Unternehmen, die sie nutzen. Und so warten allein in den Schöneweider Rathenau-Hallen, in denen AEG einst Transformatoren und Kabel fertigte, über 40 000 m² Fabrikhallen und Büroflächen auf Nutzer.

Schöneweide ist dabei ein Standort von vielen. Das Überangebot drückt die Preise. Gewerbegrundstücke sind in Berlin ab 30 €/m² zu haben. Mietpreise in Bestandsgebäuden liegen laut Business Location Center zwischen 2,30 € und 5,50 €.

Damit Investoren die Immobilien finden, haben die Wirtschaftsförderer den Wirtschaftsatlas Berlin entwickelt. Das ständig aktualisierte Geoinformationssystem zeigt nicht nur alle verfügbaren Gewerbeflächen, sondern erlaubt Nutzern, die Standortsuche an interessanten Unternehmen, Behörden oder Forschungseinrichtungen in der Nachbarschaft zu orientieren.

20 Technologie- und Gründerzentren in Berlin

In den Karten lässt sich auch Berlins industriepolitische Strategie nachvollziehen. Ins Auge stechen 20 Technologie- und Gründerzentren, von denen die Hälfte auf technologieorientierte Unternehmen ausgerichtet ist. Sie liegen inmitten von Technologie- und Innovationsparks mit verschiedenen Branchenschwerpunkten, die wiederum nahe der Technischen, Medizinischen und Naturwissenschaftlichen Hochschulen gelegen sind.

Kurze Wege sollen den Transfer zwischen Wissenschaft und innovativen Unternehmen beleben und die industrielle Entwicklung ankurbeln. Nach der unverhofften Verlängerung wird der Flughafen Tegel bald zum nächsten Technologiecampus mit Hochschule. Schwerpunkt dort: Elektromobilität.

Passend zur räumlichen Konzentration bündeln Cluster die Hoffnungsbranchen der Region. Life Sciences mit 280 Medizintechnik-, 200 Biotech- und 30 Pharmaunternehmen. Optische Technologien mit 390 Firmen und 36 Forschungsinstituten. Energie- und Umwelttechnik mit über 470 Firmen. Oder der traditionell starke Fahrzeugbau für Straße, Schiene, Luft- und Raumfahrt.

Auffällig: Geprägt sind die Cluster nicht von Konzernen, sondern von kleinen und mittleren Unternehmen, die sich in den letzten 20 Jahren in den Innovationszentren angesiedelt haben. So sind viele Life-Science-Firmen auf dem Charité-Campus Buch, rund um die Innenstadt-Unis und im Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof konzentriert. In Adlershof wimmelt es auch von jungen Firmen aus Photovoltaik und Optik, wie etwa der Jenoptik Diode Lab.

Doch die Re-Industrialisierung hat auch schon ihren ersten Rückschlag erlebt. 40 % der hierzulande produzierten Photovoltaik-Module kamen aus der Region Berlin, ehe die Branche abstürzte.

Während ein indischer Investor die insolvente Solon in Adlershof wiederbelebt, ist die Zukunft anderer Hoffnungsträger der Berliner Solarwirtschaft ungewiss. Die als Sulfurcell gestartete Soltecture ist ebenso insolvent wie Global Solar Energy oder Inventux Solar Technologies. Alle drei gelten in der Branche als hoch innovative Vorzeigeunternehmen. Teils haben sie erst vor wenigen Monaten hochmoderne Fabriken in Betrieb genommen.

Erfolgsgeschichten in Berlin trotz gebeutelter Industrie

Doch es gibt auch Erfolgsgeschichten in Berlins gebeutelter Industrie. Etwa der Aufstieg der 1996 gegründeten Native Instruments GmbH, für die nun 300 Mitarbeiter Soft- und Hardware für Tonstudios, DJs und Musiker entwickeln und fertigen.

Oder die Fuss Gruppe in Adlershof, deren Filter Wechselrichter für Solar- und Windkraftanlagen, Hybridautos, Ladesäulen für Elektroautos, Hochgeschwindigkeitszüge und Laser entstören. Sie wächst ebenso wie First Sensor, Leoni Fiber Optics, Stage Tec oder die For Life GmbH. Allesamt Unternehmen, auf die Berlin hofft: innovative, marktführende Mittelständler mit eigener Produktion und guten Wachstumsaussichten. Alle vier arbeiten übrigens in Schöneweide auf Flächen des einstigen AEG-Imperiums.

Die Zeit der Industrieriesen und rauchenden Schlote werden sie kaum zurückbringen. Doch sie können Protagonisten einer Industrie der Zukunft sein, wie sie Christian Böllhoff vorschwebt, Chef des Berliner Beratungshauses Prognos: „Sie ist wissensintensiv, unabhängig von festen Produktionsstätten und durch permanente Innovation geprägt. Sie braucht exzellente Fachkräfte, Interdisziplinarität und den Zugang zu globalen Netzen“.

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