Währungspolitik 14.09.2007, 19:30 Uhr

Beim Euro sehe ich keinen Erfolg  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 14. 9. 07, ps – Gegenüber dem Dollar ist der Euro stark wie nie. Dennoch bleibt die Europa-Währung umstritten. Fragen an Prof. Wilhelm Hankel, einem Euro-Skeptiker der ersten Stunde.

Hankel: Erfolge sehe ich nicht. Vielmehr ist es in den sieben Jahren nicht gelungen, die Euro-Länder annähernd in einen wirtschaftlichen Gleichschritt zu bekommen. Wir haben z. B. nach wie vor sehr unterschiedliche Inflationsraten im Euroland. Der Inflationsvorsprung von Ländern wie Irland, Portugal, Spanien und Griechenland gegenüber Deutschland, Benelux, Österreich, Finnland und Frankreich beträgt mittlerweile über 10 %. Die EZB leistet der Inflationsspreizung Vorschub – mit ihrer lauen, unterschiedlichste Länder gleichermaßen bedienenden Zinspolitik. Ihr Versuch, die Eurowährung im Durchschnitt für alle Euro-Länder stabil zu halten, wird das System letztlich zum Einsturz bringen.

Der Euro verstärkt in einem Teil Europas Aufschwung und Inflation und im anderen, stabileren Teil des Kontinents den Rückgang des Wirtschaftswachstums bei mäßigem Preisanstieg.

VDI nachrichten: Konkreter bitte!

Hankel: Nehmen Sie Deutschland, es zählte bis vor kurzem zu den Ländern mit minimalen Wachstums- und unterdurchschnittlichen Preissteigerungsraten.

VDI nachrichten: Ihrer Meinung nach fügt der Euro der deutschen Volkswirtschaft besonderen Schaden zu?

Hankel: Ja, vor allem weil mit Einführung der Gemeinschaftswährung und einer einheitlichen Zinspolitik in Europa der alte Zinsvorteil für die deutsche Volkswirtschaft entfallen ist. Die Folge: Der deutsche Zins ist jetzt der höchste, nicht mehr der niedrigste in Europa. Und: Wir können nur noch mit Niedriglöhnen – aber nicht mehr mit günstigen Kapitalkosten – gegen den Wettbewerb weltweit konkurrieren.

VDI nachrichten: Aber die Zinsen sind historisch sehr niedrig?

Hankel: Es geht um die Realzinsen, die die Kapitalkosten treiben und vor allem die Mittelständler belasten. Sie stillen ihren Kapitalbedarf weitgehend über Bankkredite, während sich Großunternehmen günstiger am Kapitalmarkt finanzieren. Kein Wunder, dass die Impulse der Exportwirtschaft immer schwerer auf die Binnenwirtschaft überspringen, die von den Mittelständlern dominiert wird.

VDI nachrichten: Und die Löhne und Gehälter müssen den Ausgleich schaffen?

Hankel: Statt mit Zinsen müssen wir mit unseren Lohnkosten im Wettbewerb punkten. Der Druck auf die Löhne nimmt zu. Es wird rationalisiert, übernommen, fusioniert, um die Unternehmen an den Märkten wettbewerbsfähiger zu präsentieren – nicht nur mit einer verbesserten Angebotspalette, sondern auch preislich. Und dabei spielen die Arbeitskosten eine große Rolle. Die Folge: Verschärfter Druck auf die Lohnkosten. Die Sozialkonflikte verschärfen sich.

VDI nachrichten: Aber trotz allem, der Euro präsentiert sich heute an den Märkten stark.

Hankel: Der wirtschaftliche Aufschwung in Europa stärkt den Euro vor allem insofern, als die EZB – aus Angst vor einer wiedererstarkenden Inflation – die Zinsen anhebt und somit das Zinsgefälle zum Dollar langsam einebnet. Andererseits schwächelt der Dollar aufgrund der Probleme der USA. Das US-Haushaltsdefizit weitet sich – vor allem wegen der Kriege im Irak und Afghanistan – immer weiter aus. Und aktuell leidet der Greenback zusätzlich unter der Immobilienkrise in den USA.

VDI nachrichten: Eine Euro-Stärke auf Zeit?

Hankel: Ja. Die Euro-Stärke beruht ganz klar auf der guten Konjunktur in Europa und der Schwäche des Dollars. Aber beides währt nicht ewig. Wir sollten uns schon heute Gedanken darüber machen, was sein wird, wenn sich die Verhältnisse in den USA normalisieren. Sollte sich aber die in den USA seit einigen Monaten aufkeimende konjunkturelle Erholung weiter verstärken und die Unternehmen überwiegend gute Quartalsergebnisse präsentieren, erhöhen sich die Chancen, dass sich die Hypothekenkrise langsam entschärft und es an den Finanzmärkten nicht zum großen Crash kommt.

Bei anhaltendem konjunkturellen Aufschwung in den USA dürfte die US-Notenbank auch ihre abwartende Haltung in der Zinspolitik aufgeben, was die Zinsdifferenzentwicklung wieder zugunsten des Dollars beeinflussen würde. Der Euro profitiert also derzeit von Faktoren, die noch nie von Dauer waren. DIETER W. HEUMANN

Prof. Hankel hat kürzlich ein neues Buch veröffentlicht: Die Euro-Lüge, Signum Verlag, München, 248 S., 19,90 €

Von Dieter W. Heumann

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