Wirtschaftspolitik 30.08.2002, 18:21 Uhr

Armut und Egoismus bedrohen nachhaltige Entwicklung

Der UN-Gipfel zur nach- haltigen Entwicklung in Johannesburg hat sich hohe Ziel gesteckt, doch sie sind kaum zu erreichen. Für die Resolutionen bleibt oft nur ein winziger gemeinsamer Nenner. Katastrophale Regenfälle und Überflutungen in Zentraleuropa und China, verheerende Dürren in Afrika und Nordamerika – immer mehr setzt sich das Bewusstsein durch, dass es die Menschen sind, die das Klima auf der Erde aus dem Gleichgewicht bringen. „Die Frage ist nicht mehr“, so der Weltbank-Chefwissenschaftler Robert Watson auf der UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg, „ob sich das Klima durch menschliches Verschulden ändert, sondern nur noch, in welchem Ausmaß und wo.“

Über 60 000 Delegierte von 190 Regierungen und hunderten Nicht-Regierungsorganisationen trafen sich in dieser Woche auf dem UN-Gipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg. Zum Wochenende sollen zudem 104 Regierungschefs anreisen.
Die Erwartungen an diese Konferenz sind hoch, doch wenn man sich die zähen Verhandlungen und die ersten Ergebnisse ansieht, werden die Resultate eher bescheiden sein.
Das Abkommen zum Schutz der Meere, auf das sich die Delegierten am Mittwoch einigten, gibt die Richtung vor: Demnach sollen die weltweit reduzierten Fischbestände bis 2015 wieder auf ihr ehemaliges Niveau angehoben werden, aber eben nur „wenn immer möglich“. Gemeinsame Resolutionen sind in Johannesburg nur noch mit solchen Formulierungen möglich.
Zudem steht der Gipfel vor fast übermenschlichen Aufgaben: So will er Wege finden, die Zahl der derzeit 1,1 Mrd. Menschen, die ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser überleben, und die 2,4 Mrd. Menschen, die ohne angemessene sanitäre Einrichtungen auskommen müssen, bis zum Jahr 2015 zu halbieren. Auch die Zahl von 1,2 Mrd. Armen, die mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen, soll im gleichen Zeitraum um die Hälfte reduziert werden.
Denn Armut ist der größte Feind einer nachhaltigen Umweltentwicklung, so der stellvertretende Generaldirektor der Welternährungsorganisation FAO, Hartwig de Haen: Wer hungere, kämpfe um sein Überleben und Ressourcenschonung sei für ihn ohne Bedeutung. Ressourcenvernichtung aber provoziere Hunger. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, müssten die Ärmsten dieser Welt Zugang zu Wasser, Land und Technologien erhalten.
Doch auch die, die es könnten, stemmen sich gegen einen nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen der Erde – allen voran die USA. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die USA deshalb aufgefordert, beim weltweiten Klimaschutz nicht weiter abseits zu stehen. Ohne Erfolg: Nach wie vor blockieren die USA den EU-Vorschlag, den Ausbau Erneuerbarer Energien auf weltweit 15 % hochzufahren.
Völlig realitätsfern sind in diesem Klima Forderungen, wie die der FDP, Partnerstaaten sollten zur Finanzierung der nachhaltigen Entwicklung 30 % ihres Rüstungshaushalts an Eigenbeitrag liefern. moc

Von Wolfgang Mock

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