Außenwirtschaft 26.09.2003, 18:26 Uhr

Ärger mit neuen Zertifizierungsregeln

Seit Anfang August gelten in China neue Zertifizierungsvorschriften. Betroffen vom China Compulsory Certificate sind vor allem Hersteller von kleinen Elektromotoren und Elektrobauteilen. Deutsche Firmen klagen über lange Bearbeitungszeiten.

Konstantin Wolf von SEW Eurodrive war geschockt, als er im Juli zum ersten Mal die Büros der chinesischen Zertifizierungsstelle CQC in Peking betrat. „Überall auf dem Boden und in den Gängen stapelten sich die Akten. Die Leute waren sichtlich überfordert“, erinnert sich der Mitarbeiter des Elektromotorenherstellers aus dem badischen Bruchsal. Auch nach mehreren Stunden Suche war es den CQC-Mitarbeitern nicht möglich, die Anträge von SEW für die Zertifizierung ihrer Motoren zu finden.
Ende Juli hielt Wolf dann doch die Zertifikate für die rund 100 Motorenvarianten in der Hand, die sein Unternehmen anbietet. „Es ist ein großer bürokratischer Aufwand und die verlangten Standards sind nicht wirklich zugänglich“, sagt Wolf. Eine Arbeitskraft habe sich über neun Monate allein um die chinesische Zertifizierung kümmern müssen. Dabei hat SEW noch den Vorteil, durch eine eigene Fertigung in China, auch auf eigenen Sachverstand für die Zertifizierung zurückgreifen zu können. Die Kosten fielen hingegen kaum ins Gewicht, so Wolf. US-amerikanische UL-Zertifikate oder auch europäische Zertifikate seien viel teurer.
Auch Stefan Fischer von Cisema in München sieht nicht in den Kosten das Hauptproblem bei einer CCC-Zertifizierung. Es sei, so der auf das China-Geschäft spezialisierte Berater, mehr der zeitliche Aufwand – von der Einreichung der Unterlagen bis zur Erteilung des Zertifikats muss man mit mindestens drei Monaten rechnen – und vor allem die Tatsache, dass die Unternehmen den chinesischen Behörden ihre gesamte Entwicklungsdokumentation zur Verfügung stellen und chinesische Inspektoren durch die Fertigung führen müssen. „Da haben viele Angst vor Industriespionage“, so Fischer.
Bis zum August hatte die CQC aufgrund der Lungenkrankheit SARS so genannte Selbstinspektionen der Unternehmen anhand von Fragebögen zugelassen. Doch für Anträge, die nach dem ersten August eingegangen sind, gibt es keine Alternative zur Fremdinspektion mehr, so Hongjang Jiao von der Beratungsfirma „Cooperative Service China-Customs Inspection“ in Aachen.
Dennoch wird sich auch in Zukunft die direkte Betriebsinspektion durch die chinesischen Behörden vermeiden lassen. Die CQC hat mit mehreren Institutionen in Europa Vereinbarungen über die Durchführung der Inspektionen getroffen.
Aus Deutschland ist der TÜV-Rheinland mit dabei. Die letzten Details müssten zwar noch geklärt werden, so Martina Neumann vom TÜV-Rheinland, aber der TÜV will in den nächsten Wochen bereit sein, die Inspektionen im Auftrag der CQC durchzuführen. Dabei wird der TÜV nach eigenen Angaben sowohl die Erstinspektion als auch die notwendigen jährlichen Folgeinspektionen der Betriebe übernehmen können.
Bei den Kosten hat sich der TÜV noch nicht festgelegt. Eine Inspektion durch die chinesischen Prüfer koste derzeit rund 3000 $ plus Reisespesen für die zwei bis drei Prüfer, die in der Regel anreisen.
Für Maschinenbauer, die mit nur geringen Stückzahlen im chinesischen Markt präsent sind, könnten sich auch Ausnahmegenehmigungen von der CCC-Zertifizierung lohnen. Dies ist immer dann möglich, wenn Zertifikate für Bau- und Ersatzteile von Maschinen nötig sind, die selbst nicht zertifiziert werden müssen. Bei Maschinen für industrielle Anwendungen ist das zumeist der Fall.
Allerdings sind solche Ausnahmen nur für einzelne Lieferungen oder für jeweils einen Zeitraum von vier Wochen möglich und müssen dann immer wieder neu beantragt werden. „Bei Folgeanträgen fängt man allerdings nicht bei Null an“, so Martina Neumann vom TÜV-Rheinland. Die umfassenden Dokumentationen, die auch für diese Ausnahmegenehmigungen nötig sind, müssen nur einmal eingereicht werden.
Bei SEW Eurodrive wollte man sich auf diese Ausnahmeregelungen nicht verlassen. Denn auch wenn es nicht um Ersatzteile geht, verlangen die Maschinenbauer mittlerweile von ihren Zulieferern die Zertifikate auch für eingebaute Teile. Das Risiko, dass eine Maschine wegen fehlender Zertifikate vom chinesischen Zoll zurückgewiesen wird, wolle niemand eingehen, so Wolf. MATTHIAS RUMPF

Von Matthias Rumpf

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