Gründer 06.07.2001, 17:30 Uhr

Zwischen Beat und Businessplan

Im Internet-Planspiel lernten Schüler aus ganz Deutschland, was es bedeutet, eine Geschäft­s­idee in die Tat umzusetzen. Euphorie und Ernüchterung wechselten einander ab.

Freitagabend, 20 Uhr, Hamburger Hafen. Ungewohnte Klänge dringen durch ein futuristisches Gebäude. Tiefe Bässe und Sprechgesang des Hip Hop-Trios „Kollegenbasis“. Lichteffekte und Nebelmaschinen – es herrscht Partystimmung. Das Publikum, vorwiegend Schüler im Alter zwischen 16 und 21 Jahren, schnippt mit den Fingern zum Rhythmus. Die Musiker reimen „Geld“ auf „mein Wert steigt und fällt“.

Was sich anhört wie eine ausgelassene Teenager-Fete, ist der Höhepunkt eines Start-up-Wettbewerbs der Gründerwerkstatt, einem Internet-Planspiel für Schüler, ins Leben gerufen von McKinsey, „Stern“ und dem Deutschen Sparkassenverbund. Das Ziel: Begeisterung für die Selbständigkeit wecken und den Gründergeist in die Schulen tragen. Mehr als 4000 Schüler beteiligten sich – und widerlegten damit das Vorurteil, deutsche Jugendliche würden sich nicht für Wirtschaft interessieren. In den vergangenen Monaten stellten die Teenies, die hier so fröhlich den Refrain mit grölen, Bilanzen und Businesspläne auf. Im Rahmen des Wettbewerbs haben sie im Internet ein Unternehmen gegründet und geleitet. Die zehn besten Teams sind jetzt aus dem gesamten Bundesgebiet zur Siegerehrung nach Hamburg gekommen, um ihre Geschäftsideen noch einmal zu präsentieren – und sich ordentlich feiern zu lassen.

„An die 450 Arbeitsstunden sind drauf gegangen, mindestens 1000 E-Mails haben wir verschickt“, berichtet Stefan Sommer von der Parabolis AG. Die Idee von Stefan und seinen Mitschülern aus Ansbach: Die fiktive Gesellschaft will so genannte Parabelflüge organisieren und allen anbieten, die einmal einen Augenblick der Schwerelosigkeit erleben wollen. Dazu muss ein speziell ausgestatteter Airbus im Sinkflug auf die Erde zu rasen, so dass sich die Passagiere 25 Sekunden lang in freiem Fall befinden. Dafür konnte das Sommer-Team den zweiten Platz ergattern – und 1000 Euro einheimsen.

Noch länger werden die Nachwuchs-Unternehmer von den neuen Kenntnissen zehren, die sie während des Spiels erworben haben: Teamarbeit und unternehmerisches Denken. Der 18-jährige Stefan beispielsweise weiß heute, was es heißt, die Arbeit mehrerer Leute zu koordinieren: „Wenn man 20 Telefonate führt, um das komplette Team einmal zusammen zu bringen, dann lernt man mit der Zeit, dass 19 Telefonate vielleicht ausgereicht hätten.“

Die achtplatzierten Computer-Freaks von R@s beweisen mit der Präsentation ihres ASP-Geschäftsmodells, dass sie das ABC der New Economy bereits beherrschen. R@s möchte Privatpersonen Software wie Powerpoint von Microsoft auf Mietbasis (Application Service Providing) übers Internet zur Verfügung stellen. Nachdem der 17-jährige Thorsten Gödeke die Anwendungsmöglichkeiten „auch auf relativ schmalbrüstigen PCs des End-Users“ erläutert hat, fragt er in die Runde: „Habt ihr das verstanden, oder soll ich das jetzt für die Viva-Zuschauer noch mal erklären?“ Die Idee sei leider derzeit nicht in die Realität umzusetzen, bedauert Thorsten, weil T-Online ein ähnliches Angebot plane. Aber entmutigen lässt er sich davon natürlich nicht: „Dann müssen wir eben ins europäische Ausland auswandern.“

„Die Top Ten-Teams haben schon fast professionell gearbeitet“, bestätigt Christine Kroehn die erstaunlichen Leistungen der Newcomer. Die Schüler mussten im Laufe des Wettbewerbs zehn Aufgaben unter Zeitdruck lösen. Kroehn hat als Leiterin des Schulservice der Sparkassen die Aufgaben bewertet. Gleichzeitig haben die Sparkassen den virtuellen Mister S betreut, einen Ansprechpartner für alle drängenden Fragen der Jungunternehmer. Besonders viele davon gab es, als es auf die Deadline für die Abgabe der Bilanz-Rechnung zuging. Die Schüler mussten einen Drei-Jahres-Plan erstellen und den Break-Even Point errechnen. Einige der Resultate hätten den Vergleich mit richtigen Businessplänen von Erwachsenen nicht zu scheuen gebraucht. Die Idee des Siegerteams @vertising überzeugte sogar einen, der es wissen muss: New Media-Profi Patrick Lynen von RTL hätte nichts dagegen, die Idee der Lahnsteiner aufzugreifen und mit ihnen Trend-Produkte aus Fernsehserien online an die Zuschauer zu vertreiben.

Obwohl ihre Truppe mit dem dritten Platz, 800 Euro und einem gefestigten Selbstbewusstsein nach Hause gehen konnte, ist der anfängliche Enthusiasmus der Nachwuchs-Gründerin Sandy Kudasch vom Team Celebration Kiss im Laufe des Spiels einer realistischeren Sicht gewichen. „Ein existierendes Unternehmen hat uns ganz klar gesagt, dass es alles daran setzen würde, dass wir uns als Konkurrenz gar nicht erst etablieren könnten.“ TINA KLOPP

 

 

Von Tina Klopp
Von Tina Klopp

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