Markttrends 15.06.2012, 14:27 Uhr

Zwei deutsche Erfinder erhalten European Inventor Award

Zwei deutsche Erfinder, Josef Bille (Foto) von der Universität Heidelberg und Manfred Stefener, Gründer der Smart Fuel Cell AG (SFC), sind vom Europäischen Patentamt (EPA) als zwei von weltweit fünf herausragenden Erfindern mit dem European Inventor Award (EIA) in Kopenhagen ausgezeichnet worden. Kronprinz Frederik von Dänemark überreichte Josef Bille den EIA in der Kategorie „Lebenswerk“ für seine herausragende Leistung in der Augenheilkunde. Manfred Stefener, Gründer der Smart Fuel Cell AG (SFC) in München, wurde in der Kategorie „Kleine und mittelständische Unternehmen“ für die Erfindung der ersten tragbaren Brennstoffzelle geehrt.

„Die beiden Auszeichnungen verdeutlichen die herausragende Position deutscher Forscher und Ingenieure in zukunftsweisenden Technologien. Dank Augen-Laseroperationen können Millionen Menschen wieder gut sehen, und Erfindungen wie die tragbare Brennstoffzelle können der Energiewende wichtige Impulse verleihen“, sagte EPA-Präsident Benoît Battistelli anlässlich der Preisverleihung im Royal Danish Playhouse in Kopenhagen, zu der das dänische Kronprinzenpaar und etwa 350 Wissenschaftler sowie Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft und Patentfachleute kamen.
Europas höchste Auszeichnung für Innovationen und Erfinder aus der ganzen Welt wird jährlich in den fünf Kategorien „Lebenswerk“, „Industrie“, „Forschung“, „Kleine und mittelständische Unternehmen“ („KMU“) sowie „Außereuropäische Staaten“ verliehen.
Josef Bille meldete nahezu 100 Patente im Bereich der Augenheilkunde an und gilt als „Vater“ der heutigen Augen-Laserkorrekturen. Bei Augenlaser-Operationen kommt maßgeblich die von ihm entwickelte Wellenfront-Technologie zum Einsatz, eine Messtechnik, die sogenannte Aberrometer nutzt, um das menschliche Auge äußerst detailliert auf kleine Abbildungsfehler zu untersuchen. Je detaillierter das Bild dieser Fehler ist, desto besser können präzise Operationsmethoden oder maßgeschneiderte Linsen entwickelt werden. Bille ist Mitgründer von fünf Start-ups im Bereich Laseroptik, die insgesamt rund 1000 Arbeitsplätze geschaffen haben und einen Jahresumsatz von 300 Mio. Euro erwirtschaften.
Manfred Stefener erfand gemeinsam mit Oliver Freitag und Jens Müller die erste tragbare Brennstoffzelle, die so genannte Direct Methanol Fuel Cell oder DMFC. Durch die Umwandlung von Methanol in Elektrizität ist diese Brennstoffzelle nicht nur eine hoch effiziente Energiequelle, sondern bietet eine Schlüsseltechnologie für eine nachhaltige, netzunabhängige und sichere Energieversorgung. Die heutige SFC Energy AG hat bis heute mehr als 24.000 mobile Brennstoffzellen verkauft. Anwendungsgebiete reichen von Elektrofahrzeugen, Wohnmobilen, Yachten über anspruchsvolle netzferne Sicherheits- und Überwachungssysteme bis zu Anwendungen im Verteidigungsbereich.
Preisträger in der Kategorie „Industrie“ sind Jan Tøpholm, Søren Westermann und Svend Vitting Andersen vom dänischen Hörgeräte-Hersteller Widex, die für die Entwicklung einer computergestützten Methode zur Herstellung von maßgeschneiderten, komfortablen Hörgeräten ausgezeichnet wurden. Der Großteil der weltweit hergestellten Hörgeräte basiert heute auf dieser Technologie.
In der Kategorie „Forschung“ ging der Preis an Gilles Gosselin und Jean-Louis Imbach vom Centre national de la recherche scientique (CNRS) und Marti L. Bryant (Frankreich) für ihr Medikament zur Behandlung von Hepatitis B, einer besonders ansteckenden Krankheit mit mehr als 350 Mio. chronisch erkrankten Menschen weltweit.
Preisträger in der Kategorie „Außereuropäische Staaten“ sind John O’ Sullivan, Graham Daniels, Terence Percival, Diethelm Ostry und John Deane von der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) in Australien, die drahtlose Netze so schnell und robust machten wie Kabellösungen, was letztendlich zum heutigen WLAN-Standard führte.
Seit dem Jahr 2006 vergibt das Europäische Patentamt jährlich den Europäischen Erfinderpreis in Kooperation mit der Europäischen Kommission, dem Land, das die EU Ratspräsidentschaft inne hat – in diesem Jahr Dänemark – sowie diesjährig auch mit dem Dänischen Patent- und Markenamt. Der Preis zeichnet Erfinder aus, die mit ihren bahnbrechenden Arbeiten Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit geben und so zu Fortschritt und Wohlstand beitragen. Das EPA berücksichtigt Erfinder jeder Nationalität aus allen Technologiebereichen mit mindestens einem gültigen europäischen Patent für ihre Erfindung. Nominierungen können von der Öffentlichkeit sowie von Patentexperten aus der ganzen Welt eingereicht werden. Aus mehreren hundert Vorschlägen wählt eine internationale Jury mit führenden Persönlichkeiten aus Industrie, Wissenschaft, Politik und Medien drei Finalisten und schließlich einen Preisträger in jeder Kategorie aus. Beurteilungskriterien sind der gesellschaftliche Nutzen, der wirtschaftliche Erfolg gemessen an geschaffenen Arbeitsplätzen sowie die technologischen Auswirkungen der Erfindung.
Umfassende Informationen zu den Erfindungen und Erfindern stehen im Internet. (sta)

 

  • Stefan Asche

    Stefan Asche

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: 3-D-Druck/Additive Fertigung, Konstruktion/Engineering, Logistik, Werkzeugmaschinen, Laser

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