Unternehmensfinanzierung 18.05.2007, 19:28 Uhr

Zurück zur Kohle – mit Erfolg  

VDI nachrichten, Bergneustadt, 18. 5. 07, mav – Die jüngere Geschichte des Maschinenbauers Aubema klingt wie ein Kapitel aus dem Handbuch „Praxis moderner Betriebsführung“. Geschäftsführer Norbert Britz baute ab 1997 das nahezu insolvente Unternehmen zu einem Nischenmarktführer mit florierendem Chinageschäft und exzellenten Wachstumsperspektiven um. So hat es der relativ kleine Mittelständler geschafft, die Hannover Finanz Gruppe 2006 für eine 40-%-Beteiligung zu gewinnen.

Ein Mittelständler mit 75 Mitarbeitern und kaum 17 Mio. € Jahresumsatz im Geschäftsjahr 2005/2006 – diese Zahlen ließen Volker Tangemann, Projektleiter bei der Beteiligungsgesellschaft Hannover Finanz, im vergangenen Jahr sehr skeptisch nach Bergneustadt fahren. „Üblicherweise beteiligen wir uns an größeren Unternehmen. Und auch die Branche klang nicht nach großen Wachstumsraten“, so der Investment-Manager rückblickend.

Doch der Finanzierungsexperte, der selbst aus einer Unternehmerfamilie stammt, wurde bei der Aubema dann angenehm überrascht „von der Spezialisierung und dem sehr professionellen Vermarktungskonzept, das man gerade im Maschinenbau nicht oft findet“.

„Zurück zur Kohle“, hatte Aubema-Geschäftsführer Norbert Britz 1996 nach seinem Einstieg in das damals marode Unternehmen als Devise ausgegeben. „Als Konzernmensch bin ich ein Freund der Konzentration auf Kernkompetenzen – und der Markenbildung“, so der Volkswirt, der u. a. bei Unilever und Duracell tätig war.

Dass Britz vor zehn Jahren bereits das Marktpotenzial für Kohle-Brecher und -Mühlen erkannte, beweist seinen Weitblick. „Damals glaubten nur wenige, dass Kohlekraftwerke noch eine große Zukunft haben würden.“

Inzwischen sei unstrittig, dass die weltweite Zunahme des Stromverbrauchs nicht nur aus Kernkraft und erneuerbaren Energien gedeckt werden könne. „Nach aktuellen Prognosen der Internationalen Energie-Agentur wird der Kohleverbrauch bis 2030 um 47 % höher sein als heute.“ Sprich: Mehr Kohlekraftwerke werden gebaut – und mehr Zerkleinerungstechnik benötigt wie sie Aubema herstellt.

Vor allem in China, Indien, Indonesien und Thailand wachse die Nachfrage mit enormen Raten, so Britz. Über die Beteiligung an einem Firmenpool der Auslandshandelskammer bekam Aubema im Sommer 2000 Kontakt zu chinesischen Einkäufern. Heute betreibt der deutsche Maschinenbauer eine eigene Vertriebsniederlassung in China. Um die Position als Platzhirsch der Branche dort zu verteidigen und weitere Märkte zu erschließen, brauchte der Fördertechnik-Spezialist allerdings zusätzliches Kapital.

Von der WestLB holte Britz ein Angebot über Mezzanine-Kapital ein, ein Wettbewerber interessierte sich dafür, die Aubema zu übernehmen. „Mein früherer Bankberater, der für uns 2000 eine Landesbürgschaft hereingeholt hat, brachte die Hannover Finanz als Beteiliger ins Gespräch.“

Rund zehn Monate dauerten die Verhandlungen und Vorbereitungen. „Ungewöhnlich lange“, betont Volker Tangemann. Im Durchschnitt vergingen vom Erstkontakt bis zum Abschluss nur drei bis fünf Monate. Schließlich beteiligte sich die Hannover Finanz für einen hohen einstelligen Millionenbetrag mit 40 % an der Aubema, um das geplante organische Wachstum zu begleiten. Norbert Britz hält über eine eigene Beteiligungsgesellschaft mit 58 % weiterhin die Mehrheit an seinem Unternehmen, mit 2 % beteiligte sich der technische Leiter Bruno Götz.

Die langfristige Perspektive, die sein neuer Mitgesellschafter verfolgt, hatte Britz besonders beeindruckt. „Über sieben Jahre ist für die Hannover Finanz kein Austieg möglich. Ist die Beteiligung bis dahin nicht zurückgeführt, gibt es eine Nachfrist von drei Jahren. Reicht das immer noch nicht, muss ich einem Gesamtverkauf zustimmen“, erläutert der in Bonn lebende Unternehmer. „Das haben wir vertraglich so geregelt, das ist nicht unbedingt typisch für unsere Transaktionen“, ergänzt Volker Tangemann von der Hannover Finanz Gruppe. „Aber das können wir uns erlauben, da unsere Private-Equity-Fonds keine feste Laufzeit haben, zu deren Ende alle Investitionen abgestoßen sein müssen.“

Nicht ungewöhnlich, aber keinesfalls typisch ist, dass sich die Hannover Finanz nur mit einer Minderheit an der Bergneustädter Firma beteiligt. Auf den Einsatz von Fremdkapital wurde dabei verzichtet, weil sich laut Tangemann „das Unternehmen in einer Wachstumsphase befindet, die schon zum Teil mit Krediten finanziert wird“. Häufig hebeln Private-Equity-Fonds die Rendite ihrer Investitionen, indem sie einen Teil fremd finanzieren. Diese Vorgehensweise wird oft kritisiert, weil dabei letztlich das Beteiligungsunternehmen für die zusätzlichen Schulden aufkommen muss.

Neu installiert wurde ein aus drei Personen bestehender Beirat, dem Britz regelmäßig berichten muss. Trotz dieser Präsenz seines Beteiligers fühlt er sich in seiner Arbeitsweise in keiner Weise eingeschränkt. „Aus meiner Zeit als Konzern-Angestellter bin ich an das umfassende Berichtswesen gewöhnt. Und als Mehrheitsgesellschafter habe ich ohnehin das letzte Wort.“

Doch die positive Entwicklung des Geschäfts lässt zwischen der operativen Führung und dem Kapitalgeber bisher eh keine Misstöne aufkommen. Umsatz und Gewinn wachsen zweistellig. Dafür sorgen neben Mitarbeitermotivation und enger Markenführung auch ein striktes Debitorenmanagement: „Ohne Ansehen der Person geht bei uns am Fälligkeitstag der Rechnung die erste Mahnung “raus“, so Kaufmann Norbert Britz. Auf der anderen Seite nutze Aubema die Zahlungsziele ihrer Lieferanten nicht aus. „Im Gegenzug kann ich bei Engpässen auch mal eine spätere Zahlung vereinbaren.“

Bis 2010 soll der Umsatz auf 25 Mio. € wachsen, aber auch 30 Mio. € seien erreichbar, meint der Mittfünfziger. Und noch viel mehr: Britz rollt einen Plan aus, der schematisch die Vorstufen der Kohle- bzw. Koksverstromung zeigt. „Dazu gehören Kohlewäschen, Trockner, Magentabscheider etc. Meine Vision ist ein Firmenpool, womöglich unter einer gemeinsamen Holding, der diese verschiedenen Komponenten aus einer Hand anbieten kann.“ Natürlich mit Aubema als Nukleus dieses Zusammenschlusses. M. VOLMER

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