Gründungsfinanzierung 29.10.2004, 18:34 Uhr

Zu klein, zu neu! – Konzerne als Innovationskiller

VDI nachrichten – Deutsche Großunternehmen protzen mit ihrer Innovationskultur, doch in der Praxis arbeiten sie lieber mit etablierten Firmen zusammen als mit innovativen Start-ups. Zu klein, zu neu, zu unbekannt!, so die Begründung der Konzernentscheider. Anmerkungen zu einer „deutschen Krankheit“ von Jan Pörschmann, Partner des Münchener Wagnisfinanzierers Proventis.

Rund 30 Mio. Erfindungen warten im Land der Dichter und Denker, der Bastler und Tüftler zur Zeit auf ihre Vermarktung, etwa 200 000 mittelständische Unternehmen aus Industrie und Dienstleistung erhalten mit immer neuen Produkten ihre Wettbewerbsfähigkeit 35 000 von ihnen betreiben systematisch Forschung und Entwicklung.
Dennoch stottert der Innovationsmotor. Andere Länder sind auf der Überholspur. Laut Walter Trux, einer der Marketing-Pioniere in Deutschland, ist eine Innovation dann gegeben, wenn die Märkte „Hurra“ schreien. Zu den Märkten zählen für ihn der Absatz-, Personal- und Kapitalmarkt. Die Defizite der beiden Letztgenannten sind schon häufig aufgezeigt worden. Es mangelt an qualifizierten Unternehmern und ebenso an kompetentem Kapital.
Ein ganz entscheidender Faktor wird jedoch meist nicht genannt: Das Fehlen eines innovationsfreundlichen Absatzmarktes, mit Konzernabnehmern, die Neuerungen gegenüber aufgeschlossen sind. Die innovative, kleine Lieferanten als Chance sehen, für sich neue Märkte zu erschließen, ihre eigenen Produkte zu verbessern, ihre Kosten zu senken oder ihre Entwicklungszeiten zu verkürzen.
Gerade der Mittelstand und junge Unternehmen haben mit der Innovationsfeindlichkeit in Deutschland schwer zu kämpfen. Die großen Konzerne beauftragen lieber etablierte Unternehmen als innovative Start-ups. Risikoscheue Entscheider bevorzugen ausgetretene Pfade und sind neuen Ideen gegenüber eher skeptisch.
Fehlende Courage, vermeintliche Sicherheit bei großen Lieferanten und eigene Entwicklungsabteilungen mit dem „not-invented-here“-Syndrom sind nur einige Gründe für die Innovationsunlust in Deutschlands Großunternehmen. Oft kommen noch standardisierte Lieferanten-Rating-Systeme hinzu, die auf den Hilfsstofflieferant genauso angewendet werden wie auf die kleine Hightech-Firma.
Was offensichtlich vielerorts fehlt, ist eine umfassende Innovationskultur. Innovation wird noch immer als Spezialaufgabe einzelner Abteilungen oder Konzernteile verstanden. Dass aber etwa auch der Einkauf Innovationsmotor sein muss, hat sich noch nicht überall herumgesprochen.
Viele Konzerne sind beides zugleich: innovativ und innovationsfeindlich. Es geht ein Riss durch die Unternehmen. Das Topmanagement vieler Konzerne versteht es häufig nicht, Innovation als Herausforderung des ganzen Unternehmens zu beschreiben und – noch wichtiger – entsprechende Anreize zu setzen.
Allzu oft müssen innovative Technologien erst in das Ausland exportiert werden, um dann als re-importiertes Produkt in Deutschland erfolgreich zu sein.
Buchdruck, Automobil, Computer, Fernsehen, Jeans und Cola – deutsche Erfindungen haben eine lange Erfolgsgeschichte. Doch häufig wurde ihr Potenzial auch nicht erkannt – so wie beim Fax. In Deutschland erfunden, verkaufte Siemens die Rechte nach Japan. Von dort aus eroberte es die Welt.
Auch die Proventis Beteiligung Venali, ein Enkelkind der analogen Faxtechnologie, die den Versand und Empfang von Faxen via Internet als Alternative zur Übermittlung über das öffentliche Telefonnetz anbietet, ist solch eine „Erfolgsgeschichte auf Umwegen“: In München erfunden und mit deutschem Kapital finanziert, musste die Technologie erst um die Welt reisen, um jetzt auch in Deutschland zu reüssieren.
Hierzulande konnten die Unternehmer lange Zeit ihr Produkt nicht etablieren – „zu klein“, „zu unbekannt“ und „zu neu“, waren die Kommentare der meisten deutschen Entscheider.
Erst in den USA begann die success story von Venali: Der Markt zeigte sich risikofreudig, Kosteneinsparungen von 50 % und einfache Implementierung überzeugte namhafte Kunden wie Citigroup oder DuPont sowie viele andere Großunternehmen.
Mit mehr als 60 Mitarbeitern, über 100 000 Kunden und Vertriebspartnerschaften mit Microsoft und vielen anderen Top-Software Anbietern hat sich Venali als hoch profitables Unternehmen mit stark wachsenden Umsätzen auf dem Markt etabliert. Für 2006 wird der Börsengang (Nasdaq) angepeilt.
Jetzt zeigen sich auch deutsche Unternehmen interessiert und Venali schreibt seine weltweite Erfolgsgeschichte auch hierzulande fort.
Was ist die unvermeidbare Konsequenz dieses Innovationsexports? Schaffung attraktiver Zukunfts-Arbeitsplätze im Ausland, Innovationsvorsprung ausländischer Unternehmen, Stimulation der ausländischen Wirtschaft mit deutschem Kapital und Abwanderung des Unternehmernachwuchses in innovationsaffine Länder.
Für den Wirtschaftsstandort Deutschland eine echte Gefahr. Doch wie lässt sich die Lust auf Innovationen in Deutschland steigern?
Warum nicht Entwicklungskooperationen schließen und Erfindungen über professionelle Organisationen zur Verwertung von Patenten, wie in den USA üblich, vermarkten? So haben nur wenige Unternehmen in Deutschland eigene Licencing-Abteilungen.
Warum nicht Finanzmittel aus den Entwicklungsbudgets der Konzerne in professionelle Venture Capital Fonds umleiten oder Konzern-Spin-offs fördern, um aus innovativen Mitarbeitern erfolgreiche Unternehmer zu machen?
Zulieferer und Outsourcing-Partner müssten mehr als Quelle für Innovationen gesehen werden denn als reine Kostenreduktions- und Flexibilisierungsmaßnahme.

www.venali.com
www.proventis.com

 

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