Gründer 20.10.2006, 19:24 Uhr

„Wir sind der Pionier in Deutschland“  

Henrik Rinnert (34) und Jens Stender (33). Bisher bringen sie die Inhalte von vier Sendeanstalten auf das Handy-Display. In den Genuss der bewegten Bilder im Miniaturformat kommen allerdings aktuell nur die Bewohner von elf Ballungszentren. Doch der Ausbau ist geplant. Flächendeckende Versorgung mit einer Vielzahl von Content-Lieferanten ist das Ziel.

Henrik Rinnert und Jens Stender sind keine Erfinder, Programmierer oder Ingenieure. Sie sind Juristen. Ihre Geschäftsidee basiert deswegen auch nicht auf einer neuen, faszinierenden Technik oder auf einer Software. Ihr Unternehmen MFD (Mobiles Fernsehen Deutschland) hat die Funktion eines Koordinators. Die derzeit zehn Mitarbeiter kümmern sich um Aufbau und Betrieb eines Sendenetzes und den Einkauf der Inhalte. Der daraus entstehende Dienst „watcha“ wird an Vertriebspartner verkauft. Diese bieten ihn wiederum ihren Kunden an.

Wer auf seinem Handy fernsehen möchte, zahlt ein monatliches Entgelt. Die Ersten, die „watcha“ nutzen können, sind die rund 9 Mio. Kunden von Debitel. Der Mobilfunk-Provider verlangt dafür 9,90 € pro Monat. In elf Ballungszentren, darunter die fünf größten deutschen Städte, ist „watcha“ bereits auf Sendung. Gezeigt werden die Inhalte von ZDF, ProSieben, Sat1 und MTV. Mit weiteren TV-Sendern, Studios und Produktionsfirmen, verhandeln die beiden Jungunternehmer derzeit. „Wir können uns vorstellen, dass über unsere Plattform bis zu 40 Programme verbreitet werden“, erklärt Stender.

MFD strahlt mit einer Leistung von 1 kW bis 4 kW aus und nutzt freie Frequenzen im L-Band. Übertragen wird im DMB-Standard (Digital Multimedia Broadcasting).

Handy-Hersteller wie Nokia, Samsung, Sony Ericsson und LG Electronics bieten bereits fernsehtaugliche Geräte. Die Preise liegen zwischen 400 € und 900 € – bei Abschluss eines Vertrages sind diese bekanntlich deutlich niedriger.

Viel Arbeit machen den Newcomern die Sendelizenzen. Diese vergibt jedes Bundesland für sein Sendegebiet eigenständig. Die im vergangenen Herbst von den Landessendeanstalten ausgeschriebenen Lizenzen für das DMB-Netz hat MFD erhalten. Weil sich die Kölner aber nicht von einer Technologie abhängig machen wollen, bewerben sie sich derzeit um weitere Lizenzen im DVB-H Verfahren (Digital Video Broadcasting for Handhelds), das auch von T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus favorisiert wird. Stender: „Wir schauen mit beiden Augen. Unser Interesse ist allein, die Interessen unserer Kunden zu vertreten. Wir wollen Mobile-TV so einfach wie möglich gestalten. Dafür setzen wir bei Technik und Standards immer auf Lösungen mit der größten Aussicht auf Akzeptanz.“

Mit dem Nachfolgestandard DXB (Digital Extended Broadcasting) könnte sich in einigen Jahren der Wettbewerb beider Standards in Wohlgefallen auflösen. Ziel des neuen Systemkonzepts ist es, die bereits etablierten digitalen Rundfunkdienste mit dem Mobilfunkdienst UMTS zu verknüpfen. Michael Thiele, Sprecher der Deutschen TV-Plattform: „Technisch wäre es dann möglich, die beiden konkurrierenden Techniken auf einem Chip zu realisieren.“

VC-Gesellschaften stehen Schlange bei MDF. Bisherige Gesellschafter sind neben Henrik Rinnert die Unternehmen Grazia Equity GmbH, Ammax Verwaltungs GmbH, J2 Verwaltung GmbH und Catharina Verwaltungs GmbH. Ob noch jemand an Bord gehen darf, hängt vom Profil des „Bewerbers“ ab. „Wir sind finanziell exzellent aufgestellt“, sagt Jochen Klüppel vom Investor Grazia Equity: „Mehr Kapital brauchen wir nicht unbedingt, und das Management ist exzellent. Aber ein strategischer Investor, etwa ein Medienkonzern, der maßgeschneiderten Content mitbringt, wäre möglicherweise interessant.“ Bisher ist MFD Mobiles Fernsehen Deutschland unabhängig, agiert ohne staatliche Fördergelder und ohne Beteiligungen von Mobilfunkunternehmen, Fernsehsendern oder Handy-Herstellern.

Der Markt für Handy-TV wird in Deutschland gerade erst eröffnet. „Und wir sind der Pionier“, stellt Rinnert fest. „Wir freuen uns, die Entwicklung des Mobile-TV-Marktes in Deutschland gestalten zu können.“

Das Beratungsunternehmen Goldmedia prognostiziert für 2010 einen Gesamtumsatz mit Handy-TV in Deutschland von 450 Mio. €. Und die Meinungsforscher von TNS Infratest registrierten im Juni eine Steigerung des Interesses an Handy-Fernsehen von 10 % auf 15 % aller Befragten innerhalb von nur drei Monaten. Trotzdem bleibt die große Frage: Wie viele Deutsche wollen wirklich Fußballspiele oder Filme auf dem Handy-Display verfolgen? IBM und die Universität Bonn haben bei Umfragen ermittelt, dass die meisten Deutschen den Sinn von Handy-TV noch bezweifeln. Lediglich die unter 20-Jährigen zeigen großes Interesse am Taschenfernsehen. Henrik Rinnert verunsichert das nicht: „Die Skepsis existiert aufgrund fehlender Erfahrungen. Auch Handys wurden anfangs für unnütz erklärt. Der Sinn des mobilen Fernsehen erschließt sich mit der Nutzung. Wenn ich an einer Bushaltestelle warte, kann ich die neuesten Nachrichten sehen. Und im Fußballstadion kann ich nicht nur das Spiel vor mir live sehen, sondern auf meinem Handy auch noch das der direkten Konkurrenten.“ Die Asiaten haben das offensichtlich erkannt: In Südkorea und Japan ist Handy-TV akzeptiert und auf dem Weg zum Massenmarkt.

JÜRGEN HOFFMANN

 

  • Jürgen Hoffmann

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