Gründer 15.12.2006, 19:25 Uhr

„Wir wollen die führende Technologie-Schmiede fürs Auge sein“  

VDI nachrichten, Erlangen, 15. 12. 06, ps – Bei Patienten mit Grauem Star sorgen künstliche Intraokularlinsen seit Langem für klare Sicht. HumanOptics gibt Implantaten den nötigen Schliff, um auch Kurz-, Stab- oder Weitsichtigkeit zu beheben. In naher Zukunft will das Unternehmen neuartige, superweiche Linsen vermarkten, mit denen Brillenträger wieder scharf sehen lernen. Seit dem Börsengang im Sommer des Jahres sind die Kassen laut Gründer Karl Klamann gut gefüllt für weitere Expansion.

Klamann: Das klingt schwieriger als es ist. Wir haben HumanOptics in Erlangen gegründet und im Jahr 2001 die Dr. Schmidt Intraokularlinsen GmbH in St. Augustin übernommen. Wir hatten überlegt, alles zusammenzulegen. Doch Kosten-Nutzen-Analysen im Vorfeld und der Alltag zeigen, dass die jetzige Konstellation richtig ist.

VDI nachrichten: Bieten beide Unternehmen die gleichen Produkte an?

Klamann: Ähnliche. Beide bieten Intraokularlinsen an, die bei Grauem Star oder zum Beheben von Kurz-, Stab- oder Weitsichtigkeit eingesetzt werden. Zudem gibt es Mischformen. Wenn etwa ein Patient seine Graue-Star-Operation nutzen möchte, um eine Sehschwäche zu beheben, passen wir die Linsen individuell an.

VDI nachrichten: Wie Kontaktlinsen?

Klamann: Viel individueller. Die Implantate helfen wirklich nur dem einen Patienten. Wir sind also im übertragenen Sinne kein Schuhgeschäft, sondern eher die orthopädische Fachwerkstatt.

VDI nachrichten: Welchen Anteil an den jährlich 800 000 Linsenimplantationen in Deutschland hat denn Ihre „orthopädische Fachwerkstatt“?

Klamann: Etwa 15 %. Zusätzlich produzieren wir in St. Augustin mit unserem Know-how Linsen für andere Unternehmen und fertigen auch für andere nach deren technologischen Vorgaben.

VDI nachrichten: Weltweit werden fast 9 Mio. künstliche Linsen im Jahr eingesetzt. Sind Ihre Hightech-Linsen überall erschwinglich?

Klamann: Sie gehen vor allem an Kunden, die es sich leisten können. Neben dem europäischen Markt sind gerade China, Indien und Russland interessant. Dort gibt es zwar viele Arme, die unsere Produkte nicht bezahlen können. Dafür kann es den Reichen gar nicht exklusiv genug sein. Eine Linse darf dort 500 $ und mehr kosten.

Wir zielen beim Export bisher hauptsächlich auf das Top-Segment, das etwa 3 % des Weltmarktes ausmacht. Um unsere Kreise zu erweitern, wollen wir in den US-Markt. Dort werden die meisten Spezial-Operationen durchgeführt. Aber vor allem wegen der sehr strengen Zulassungsverfahren ist es schwer, in den USA mitzumischen.

VDI nachrichten: Müssen sie ihre Linsen überall neu zulassen?

Klamann: Fast überall, wobei die Verfahren sehr unterschiedlich sind. Während Japan und die USA strenge Auflagen machen und ernsthaft prüfen, wollen andere Länder eher Geld und viele Formulare.

VDI nachrichten: Sind für die Zulassungen auch klinische Studien nötig?

Klamann: Kommt drauf an. In den USA müssen wir völlig neue Studien durchführen. Sie akzeptieren unsere praktischen Studien nicht.

VDI nachrichten: Sie müssen ganz von vorne anfangen?

Klamann: Mit unseren Focus-Shift-Linsen, die auf Premium-Kunden zielen, gehen wir einen anderen Weg. Wir kooperieren mit einem der drei Big Player im US-Markt. Der erledigt die Formalitäten der etwa 3 Mio. € teuren Zulassung für uns und wird die Linsen weltweit vertreiben.

VDI nachrichten: Zu welchen Bedingungen?

Klamann: Wir fertigen mit unserer Technologie Implantate, die er unter seinem Namen vertreibt. Die Verträge stehen. Nächstes Jahr geht es los.

VDI nachrichten: Tut es nicht weh, wenn statt HumanOptics ein anderer Name drauf steht?

Klamann: Wir brauchen diesen Partner, um schnell in den Markt zu kommen. Außerdem versprechen seine Strukturen große Schlagkraft – wofür er allerdings auch am Profit beteiligt ist.

VDI nachrichten: Gefertigt wird aber in Deutschland?

Klamann: Ja. Wir werden die Linsen komplett in St. Augustin fertigen. Die Anlagen stehen bereit.

VDI nachrichten: Im Sommer sind Sie an die Börse gegangen und haben dabei netto rund 4,5 Mio. € erlöst. Ein großer Aufwand für eine so bescheidene Summe. Das reicht ja kaum für zwei Produktzulassungen …

Klamann: Unsere Produkte sind ja schon in über 40 Ländern zugelassen. Wir gehen schrittweise vor und sind nun an einem Punkt, wo wir mehr Geld für die Expansion brauchen.

VDI nachrichten: Aber warum nur 4,8 Mio. €? Die hätten Sie auch auf anderem Wege bekommen können.

Klamann: Wir wollen international expandieren und haben neue Technologien in der Pipeline. Um beides finanzieren zu können, brauchen wir Zugang zum Kapitalmarkt. Dennoch wollen wir organisch wachsen. Sollen wir hundert Millionen einsammeln, um sie dann aufs Konto zu legen?

VDI nachrichten: Was sagen Sie zur Entwicklung Ihrer Aktie? Nach 6 € zu Beginn ist der Kurs auf 4 € gefallen …

Klamann: Ich bin sehr zufrieden mit dem Börsengang und habe ihn als Erfolg abgehakt. Der aktuelle Kurs ist nur eine Momentaufnahme …

VDI nachrichten: … aber ihre letzten Geschäftszahlen weisen einen hohen Verlust aus. Die Aktie bleibt deutlich unter Ihren Erwartungen von ursprünglich 7,50 €. Wie beruhigen Sie Aktionäre, die an Ihrem Unternehmen zweifeln?

Klamann: Unsere Kommunikation in naher Zukunft wird den Kapitalmarkt nicht negativ stimmen …

VDI nachrichten: Ein so vager Satz wird Ihre Aktionäre kaum beruhigen …

Klamann: Wir sind globaler Technologieführer bei Linsen, die Brillen überflüssig machen. Zweitens haben wir feste Lieferverträge mit einem Global Player. Die Verträge haben u. a. das Bankhaus Sal. Oppenheim dazu bewogen, seine Anteile an HumanOptics zu erhöhen.

VDI nachrichten: Warum bewegt sich Ihre Aktie dann um die 4 €?

Klamann: Manches ist von außen schwer zu beurteilen, gerade was die Zukunft betrifft. Wir haben viele Produktneuheiten unmittelbar vor dem Markteintritt. Iris-Implantate, Glaukom-Implantate mit einem Augeninnendruck-Sensor, eine künstliche Hornhaut, die menschliche Spender für Transplantationen überflüssig machen werden, oder eine besondere Art implantierbarer, iris-fixierter Kontaktlinsen …

VDI nachrichten: Wie weit sind die klinischen Studien dafür?

Klamann: Teils sind sie abgeschlossen, teils in tier- oder humanklinischen Studien. Wir bringen in den nächsten Monaten einige Neuheiten auf den Markt.

VDI nachrichten: Aber dann wundert es doch erst recht, dass Sie mit ihrem Börsengang nur 4,8 Mio. € statt 48 Mio. € einsammeln. Das kostet doch alles sehr viel Geld …

Klamann: … das wir lange vor dem Börsengang ausgegeben haben und das in die vergangenen Bilanzen eingegangen ist.

VDI nachrichten: Wie sehen die Marktaussichten der Neuentwicklungen aus?

Klamann: Teils haben wir so hohe Erwartungen, dass wir über Ausgründungen nachgedacht haben. Aber es hätte keinen Sinn, kurzfristig Parallelstrukturen aufzubauen, zumal es unserem Credo vom organischen Wachstum widersprochen hätte.

VDI nachrichten: Haben Sie einen Favoriten unter Ihren Neuentwicklungen?

Klamann: Interessant ist sicherlich der Fakos Technitos, ein der kindlichen Linse nachempfundenes Implantat. Kinderlinsen sind weich wie Gummibärchen und lassen sich komplett verformen. Bisher können sich unsere Optic-Shift-Linsen nach vorne und hinten durchbiegen, um scharf zu stellen.

Fakos Technitos besteht aus weichem Material, das die Kräfte des Auges so aufnimmt, dass die Patienten neu sehen lernen. Wir müssen keine individuellen Linsen aus hartem Material mehr schleifen, sondern haben eine Massenware, die sich individuell anpasst.

VDI nachrichten: Machen Sie sich damit keine Konkurrenz im lukrativen Premium-Segment?

Klamann: Schon. Aber zugunsten neuer Märkte. Brillenträger werden von uns die Linsen bekommen, die Mutter Natur ursprünglich für sie vorgesehen hatte.

VDI nachrichten: Was heißt das für die Entwicklung von HumanOptics? Wo stehen Sie in zehn Jahren?

Klamann: Drei Global Player sind zu groß, als dass wir sie erreichen können. Aber wir wären gern jenes Unternehmen der zweiten Reihe, auf das alle schauen und sagen: Die haben es drauf. Also die führende Technologie-Schmiede fürs Auge, profitabel und aus eigener Kraft gewachsen. PETER TRECHOW

Von Peter Trechow
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