Gründerszene 01.12.2013, 12:01 Uhr

Wenn Goliath mit David kooperiert

Konzerne undStart-ups kommen sich auch hierzulande näher. Vor allem in der Hauptstadt binden Großunternehmen in „Premium-Inkubatoren“ frühzeitig frische Kräfte – und erschließen sich so Wachstumspotenziale.

Trotz spannender Ideen ist der Weg von Internet- und IT-Start-ups bis zum Erfolg oftmals steinig. So auch bei MyLorry, einem jungen Berliner Unternehmen, das sich dem Transportmarkt widmet. Die Gründer werben mit dem Etikett der „ersten urbanen Logistikmarktplatz-Lösung weltweit“. Der Kunde möchte rasch ein Sofa transportieren? Kein Problem, den passenden Transportfahrer vermittelt die Plattform per Buchung über die App gleich mit – gegen entsprechende Gebühr, versteht sich.

Bis sich das junge Unternehmen aber am Logistikmarkt etablieren kann, benötigt es neben Wagniskapitalgebern auch passendes Know-how. Da trifft es sich gut, dass die Gründer von MyLorry rund um CEO Maximilian von Waldenfels nun für vier Monate im neuen Start-up-Center von Microsoft Unter den Linden untergekommen sind. Zur Eröffnung Anfang November ließ es sich Steve Ballmer, Chef des Softwaregiganten, nicht nehmen, persönlich vorbeizuschauen.

Von klassischen Start-up-Inkubatoren unterscheidet sich das Haus vor allem durch exklusive Dienstleistungen. In deren Genuss gelangen die Gründer aber erst nach strengem Auswahlverfahren. Immerhin eine ganze Etage hat Microsoft im Herzen der Hauptstadt für neun Start-ups reserviert. „Wir stellen neben einem hochkarätigen Mentorennetzwerk auch Zugänge zu mittelständischen Unternehmen und Großkunden her“, betont Stephan Jacquemot, Leiter des Microsoft Ventures Accelerators. Welches aufstrebende Start-up träumt nicht davon, sich etwa einmal im exklusiven Ambiente der Münchner BMW-Welt 30 handverlesenen Großkunden von Microsoft zu präsentieren.

Auch der Suchmaschinenkonzern Google hat im Sommer in der Hauptstadt seine Technologiecampus Factory für die wachsende Gründerszene eröffnet. Es ist vor allem die neue Sparte „Google for Entrepreneurs“, die Gründern auch bei geringer Kapitalausstattung einen raschen Weg in neue Märkte ermöglichen soll. Die Factory selbst fungiere dabei nicht als Inkubator, sie sei auch keine von Google betriebene oder Co-finanzierte Einrichtung, stellt Unternehmenssprecher Ralf Bremer klar. „Wir stellen lediglich ideelle und technische Ressourcen für die Start-ups auf dem Factory-Campus bereit.“

Das klingt allerdings leicht untertrieben. Denn schließlich öffnet Google den Gründern auch die Türen zu eigenen Entwicklergruppen, beispielsweise zu den Plattformen und Anwendungen für das mobile Betriebssystem Android. Mehr als 50 Projekte wie die Berliner Factory unterstützt Google derzeit weltweit.

Ebenso wie das Microsoft Berlin Center, das Teil eines weltweit verzweigten Inkubatoren-Netzwerkes ist, bringt auch Google über die Factory kein eigenes Kapital in die IT-Gründerszene ein. Die Ideenbeschleuniger fungieren in erster Linie als exklusive Türöffner – auch für Wagniskapitalgeber. Vorausgesetzt die Gründer feilen intensiv an ihrer Geschäftsidee.

Auch deutsche Konzerne haben den Trend erkannt. So hat die Deutsche Telekom im November ihre neue „Innovation Arena“ in Berlin eingeweiht. „Wir unterstützen Gründer neben Seed-Finanzierung, Know-how und Büroräumen vor allem mit einem pragmatischen Zugang zur Reichweite und Leistungsstärke der Telekom“, erläutert Peter Borchers, Gründer und Leiter des Projekts „hub:raum“.

Schon vor einiger Zeit hat das Online-Portal ImmobilienScout24 in Berlin die Ideenfabrik „You is now“ ins Leben gerufen. Programmleiter Dirk Herzbach: „Neben den klassischen Zutaten wie Finanzierung, Traffic, Beratung, Infrastruktur und Marketing bietet unser Programm vor allem einen weiteren Vorteil. Start-ups, die bei uns einsteigen, haben damit das Vertrauen und die Markenwahrnehmung eines etablierten Online-Unternehmens im Rücken.“

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