Dealcheck 26.02.2014, 12:00 Uhr

Warmer Geldregen für heiße Brennstoffzellen

Die finnische VNT Management OY beteiligt sich aus einem 77 Mio. Euro schweren VC-Fonds an Cleantech-Start-ups in der Frühphase. Gesucht: Technologiegründer aus Energie- und Elektrotechnik mit Sitz in Skandinavien oder im deutschsprachigen Raum. Mitte 2013 stieg VNT beim Münchner Brennstoffzellen-Start-up Siqens ein. Co-Investor ist die KfW.

Bei den Gründern der Münchner Siqens GmbH und dem finnischen Investor VNT Management OY war es Liebe auf den ersten Blick. Trotzdem haben beide Parteien nichts überstürzt. Erst nach gründlicher gegenseitiger Prüfung und teils schwierigen Verhandlungen gaben sie einander im letzten Herbst das Ja-Wort.

Siqens entwickelt Hochtemperatur-Brennstoffzellen im Leistungsbereich von 1kW bis 5kW. Als emissionsarme, hoch effiziente Strom- und Wärmeaggregate sollen sie Dieselgeneratoren ersetzen; etwa um Mobilfunkmasten abseits von Netzen zu elektrifizieren oder Boote, Elektroautos und Wohnmobile mit Strom und Wärme zu versorgen. Damit das auch ohne Wasserstoffinfrastruktur geht, setzt das Start-up auf Methanol (CH3OH). Die Brennstoffzellen wandeln ihn im selbst entwickelten Hochtemperaturprozess unter Zusatz von Wasser in Wasserstoff (H2) und Kohlendioxid (CO2). Der Wasserstoff wird dann im üblichen Membranprozess verstromt: Das elektrische Potenzial der H2-Elektronen wird abgeschöpft, ehe sich der Wasserstoff nach Austritt aus den Membranen mit Luftsauerstoff zu Wasser verbindet.

„Methanol lässt sich regenerativ erzeugen, kostet bezogen auf den Energiegehalt in etwa so viel wie Benzin und Diesel, und da er flüssig ist, lässt er sich einfacher lagern, als Wasserstoff“, erklärt der technische Kopf von Siqens, Volker Harbusch. Zudem sei Methanol biologisch abbaubar. Zu den Vorteilen gesellt sich effiziente Technik. Der Wirkungsgrad der 1,1-kW-Pilot-Brennstoffzelle der Münchner liegt zwischen 30% und 40%. „Wird auch die Wärme genutzt, steigt er auf 80% bis 90%.“

Für die Finanzierung des Start-ups ist Geschäftsführer Lars Behrend zuständig. Um einen Investor zu finden, schaltete er eine Art Partnervermittlung ein – die Step Capital AG. „Sie haben nicht nur den Kontakt zu VNT hergestellt, sondern uns auch sehr gut auf die Gespräche vorbereitet“, lobt der Gründer. Bei VNT traf die Kontaktanbahnung ins Schwarze. „Wir hatten Ende 2012 unseren dritten, 77 Mio. Euro schweren Fonds geschlossen“, berichtet Peter Auner, Investment Direktor und Leiter des Münchner Büros der finnischen VC-Gesellschaft.

„Wir investieren v.a. in nordische und deutschsprachige Cleantech-Start-ups“, so Auner. Anders als viele andere VC-Gesellschaften suchen die Finnen ausdrücklich auch Frühphasenfinanzierungen. Dabei trete man gern als Lead-Investor an und nehme Co-Investoren ins Boot. Im Fall von Siqens war das die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die Mittel aus dem 720 Mio. Euro schweren ERP-Startfonds beisteuerte.

Die Münchner passen exakt ins Beuteschema der Finnen. Wobei letztere sich weniger als Jäger denn als Partner verstehen. Ihr Team besteht aus erfahrenen Ingenieuren, teils mit eigenem unternehmerischen Hintergrund. „Wir betreuen Start-ups, an denen wir uns beteiligen, sehr eng“, erläutert Auner. Die Siqens-Gründer sind damit einverstanden. „Branchen-Know-how und Sachverstand von VNT sind uns willkommen, zumal unsere Zusammenarbeit von Teamgeist geprägt ist“, sagt er.

Laut Auner investiert VNT nur in Start-ups, von deren Technologie man etwas versteht: „Das sind wir unseren Geldgebern schuldig. Und nur so können wir Gründern Mehrwert bieten.“ Neben Technik und Marktpotenzial zählen im Vorfeld die Erfahrung und Haltung des Teams. „Wenn wir merken, dass es ihnen nur um Geld geht, enden die Gespräche schnell“, sagt er. Bei Siqens entstand dieser Eindruck nicht. Das Gründerteam strahle Begeisterung für seine Technik und Vermarktungspläne aus.

Trotz aller Zuneigung haben beide Seiten einander gründlich geprüft. Die Gründer haben u. a. Start-ups aus dem Portfolio der Finnen zu deren Erfahrungen befragt. Und sie haben in der Phase von Erstkontakt bis zur Vertragsunterzeichnung selbstbewusst agiert. Auner und die Gründer sprechen von „Höhen und Tiefen“ in dieser Phase. Das ist seit der Unterschrift passé. „Bisher hat das Team alle Meilensteine schneller erreicht, als geplant“, lobt Auner.

Ehe in etwa einem Jahr zunächst die Kleinserienproduktion startet, will das Team die Technologie in Pilotprojekten erproben. „Dafür suchen wir Partner“, sagt Harbusch. Auch Mitarbeiter, Doktoranden und Praktikanten sind gesucht. Sollte das Geld nicht bis zum Produktionsstart reichen, stellt Auner einen Nachschlag in Aussicht. „Wir sind Realisten“, sagt er. VNT verfolge eine langfristige Investmentstrategie. Man steige für fünf plus x-Jahre ein und habe mit einigen Start-ups im Portfolio schon die D-Runde erreicht. Maxime sei es, dass sich nur mit zufriedenen Gründerteams Erfolg einstellt. Darum sei man vergleichsweise bescheiden. Als Beispiel nennt er die Erlös-Verteilung nach einem erfolgreichen Exit. Viele VC-Gesellschaften ließen sich zunächst ein Vielfaches ihres Einsatzes auszahlen, bevor der Rest des Fells gemäß der Anteile zerlegt wird. Anders VNT: Das Unternehmen begnüge sich mit dem Faktor 1.

Von pt
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