Venture Capital 04.02.2011, 19:51 Uhr

Wagniskapital aus dem Ausland hat viele Vorteile

Eigentlich ist Wagnisfinanzierung ein regionales Geschäft. In Deutschland aber sinkt die Zahl der Anbieter seit Jahren. Für Gründer kann sich deshalb ein Blick ins Ausland lohnen.

Gemessen an der Wirtschaftskraft ist Deutschland die Nr. 1 in Europa. Bei Betrachtung des VC-Marktes ist die Bundesrepublik hingegen nicht mal durchschnittlich. Laut Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) wurden 2009 nur 0,027 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in deutsche Unternehmen investiert. Der EU-Mittelwert liegt bei 0,03 %. Spitzenreiter Schweden bringt es sogar auf 0,071 %.

Auch die absoluten Zahlen sind traurig: 2008 flossen gut 1,1 Mrd. € in deutsche Jungunternehmen. Im Krisenjahr 2009 stürzten die Investitionen ab auf 647 Mio. €. Und für 2010 sieht es trotz wirtschaftlichen Aufschwungs nicht so aus, als könnten früherer Zahlen wieder erreicht werden. (Für das vierte Quartal liegen noch keine Zahlen vor.)

Kurzum: Es muss mehr Geld in den Markt. Aber woher soll es kommen? Hiesige VC-Gesellschaften kämpfen mit Schwierigkeiten beim Fundraising. Für deutsche Gründer kann es sich also lohnen, im Ausland nach frischem Kapital zu suchen.

Gerade fündig geworden ist beispielsweise die Schad GmbH. Das Ende 2007 gegründete Unternehmen entwickelt Technologien, die das Bedienen und Beobachten von Maschinen, Systemen und Anlagen via Smartphone ermöglichen. Beim Ziel, Weltmarktführer in diesem Bereich zu werden, erhalten die Hamburger seit Mitte Januar Unterstützung vom Londoner VC-Fonds m8 Capital. Die Briten investierten 2,8 Mio. €.

Unternehmensgründer Christian Schad ist begeistert von der Partnerschaft. „m8 ist Spezialist für mobile Technologien und investiert weltweit. Die Gesellschaft ist also ein perfekter Begleiter auf unserem Weg ins Ausland.“ Besonders angetan ist der 43-Jährige von der „typisch anglo-amerikanischen Investmentphilosophie“ seiner Geldgeber. „Sie haben im ersten Schritt unsere Perspektiven ausgeleuchtet und gemeinsam mit uns Zukunftspläne geschmiedet.“ Deutsche Investoren würden anders vorgehen: „Die wollen in aller Regel zuerst mal Geschäftszahlen aus der Vergangenheit sehen.“ Eine löbliche Ausnahme sei diesbezüglich der Hightech-Gründerfonds.

Schwierigkeiten im geschäftlichen Miteinander seien selten. „Problematisch sind höchstens Unstimmigkeiten bei juristischen Details“, so Schad. „Angloamerikanischen Investoren ist das deutsche Gesellschaftsrecht mitunter fremd. So gibt es in deren Standardverträgen Klauseln, die in Deutschland unmöglich umzusetzen sind. Ein Beispiel ist die Verpflichtung des Jungunternehmens, unter bestimmten Voraussetzungen die Firmenanteile vom Investor zurück zu kaufen. Das ist für uns als GmbH gar nicht möglich.“ Mit den richtigen Anwälten seien diese Stolpersteine aber schnell aus dem Weg geräumt worden.

Ein anderes Unternehmen, das bei der Kapitalsuche die Arme weit ausgestreckt hat, ist Clean Mobile. Die Münchener haben im April 2010 in einer zweiten Finanzierungsrunde 6,6 Mio. € eingesammelt. Zu den Geldgebern zählten u.a. Capital-E aus Belgien, Emertec Gestion aus Frankreich und die Silicon Valley Technology Group aus den USA. „Da wir mit unseren Brennstoffzellen-gestützten Fahrzeugantrieben internationale Märkte adressieren, wollten wir unsere Finanzierung ebenfalls auf eine breite Basis stellen“, erklärt Mitgründer Bernhard Gutmann. Größter Vorteil dieses Ansatzes sei die Außenwirkung. „Wenn wir mit US-Kunden verhandeln, dann sieht es einfach besser aus, wenn auch US-amerikanische Finanzierer im Unternehmen engagiert sind.“

Die unterschiedlichen Sprachen der Kapitalgeber sind laut Gutmann kein Problem. „Wir tauschen uns – wie im Finanzbereich üblich – stets auf Englisch aus.“ Schwierig seien in diesem Zusammenhang lediglich die deutschen Steuerbehörden: „Für die müssen alle Verträge übersetzt werden.“

Ihr finanzielles Glück im Ausland fand auch die 2007 gegründete Innogames GmbH. Die Hamburger konnten im Mai vergangenen Jahres die Londoner Fidelity Growth Partners Europe (FGPE) an Bord begrüßen. Der VC-Investor brachte einen zweistelligen Millionenbetrag mit. Zum Zustandekommen des Deals verrät Innogames-Geschäftsführer Michael Zillmer: „Wir haben gemeinsam mit der Beratungsfirma Corporate Finance Partners eine Ausschreibung gestartet, in der aktiv VCs angesprochen wurden. Dabei haben wir Wert gelegt auf Erfahrung im Bereich Neue Medien, Technologie und Games. Am Ende hat FGPE das beste Gesamtpaket geliefert.“

Gepunktet habe der britische Investor mit internationalem Input sowie neuen Perspektiven. Als nachteilig hätten sich allein die unterschiedlichen Rechtssysteme erwiesen. „Die Besonderheiten beim deutschen Steuer- und GmbH-Gesetz mussten in den Verhandlungen teilweise genauer erklärt werden.“ Bei der abschließenden Vertragsgestaltung habe sich FGPE aber von deutschen Anwälten unterstützen lassen. „Da gab es keine großen Probleme mehr.“

S. ASCHE

  • Stefan Asche

    Stefan Asche

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: 3-D-Druck/Additive Fertigung, Konstruktion/Engineering, Logistik, Werkzeugmaschinen, Laser

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