Venture Capital Panel 31.07.2013, 14:38 Uhr

Wagniskapital: Aufschwung hält an

Gute Nachricht für Hightech-Gründer: Deutsche Wagnisfinanzierer haben in den vergangenen Monaten deutlich mehr Finanzierungsrunden abgeschlossen als im Vorjahr. Zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle Venture Capital Panel, das die VDI nachrichten und die Münchener Beratungsfirma FHP Private Equity Consultants erheben.

Deutsche Start-ups kamen im zweiten Quartal wieder leichter an frisches Kapital.  

Deutsche Start-ups kamen im zweiten Quartal wieder leichter an frisches Kapital.  

Foto: Archiv

Von April bis Juni haben deutsche Venture Capital Gesellschaften insgesamt 154 Investments getätigt. Die Summe der Finanzierungszusagen beläuft sich auf 118 Mio. €. Die Zahl der Beteiligungen stieg damit im Vergleich zum Vorjahresquartal um 13 %. Kaum geringer fiel der Zuwachs beim investieren Kapital aus, das um immerhin 9 % zunahm. „Auch im zweiten Quartal dieses Jahres hat sich der deutsche VC-Markt von seiner robusten Seite gezeigt“, fasst Götz Hoyer, Leiter des Venture Capital Panels und Partner bei FHP, die aktuelle Entwicklung zusammen.

Investiert haben 24 von 31 für die Panelstudie befragte Wagnisfinanzierer. Mit zehn Investments war die Berliner IBB die aktivste Beteiligungsgesellschaft, gefolgt von Wellington Partners aus München (acht Investments). Von Wellington und der ebenfalls in München ansässigen VC-Gesellschaft MIG kam mit jeweils rund 12 Mio. € auch das meiste Kapital. Öffentliche Investoren wie der High-Tech Gründerfonds, die KfW (ERP-Startfonds), Bayern Kapital und die NRW.Bank beteiligten sich an 71 Deals. Dabei sagten sie rund 31 Mio. € Startkapital zu.

Im Fokus der Investoren standen im zweiten Quartal vor allem Software-Unternehmen. 23 % der Beteiligungen erfolgten in diesem Sektor. Stark gefragt waren aber auch Firmen aus den Branchen Internet (14 %), Biotechnologie und Cleantech (jeweils 13 %) sowie Medizintechnik (12 %). Das meiste Kapital erhielten mit 31 Mio. € Biotech-Firmen.

Die Zahl der Exits lag mit acht sogenannten Trade Sales (Verkäufe an Industrieunternehmen) etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Der Verkauf von Aktien bereits börsennotierter Unternehmen wurde in zwei Fällen genutzt. Leicht gesunken ist die Zahl der Pleiten. Elf Beteiligungen mussten abgeschrieben werden. Im zweiten Quartal 2012 hatte es 13 Totalausfälle gegeben.

Die steigende Investitionslaune deutscher Investoren ist für Kapital suchende Unternehmer ermutigend. Dennoch bleibt Venture Capital ein höchst exklusives Finanzierungsinstrument, wie die Paneldaten zeigen.

So gingen bei den deutschen VC-Gesellschaften in den vergangenen zwölf Monaten durchschnittlich 800 Beteiligungsanfragen ein – nicht einmal jede hundertste führte dabei zu einem Deal. Im Schnitt schlossen die befragten Wagnisfinanzierer innerhalb eines Jahres nur sechs neue Beteiligungen (Erstinvestments) ab.

Für den Branchenexperten Hoyer ist das Ergebnis keine Überraschung: „Die wenigsten Unternehmen erfüllen das spezielle Anforderungsprofil einer VC-Finanzierung. Zwei Drittel der Gesellschaften nennen das limitierte Wachstumspotenzial des Geschäftsmodells, die sogenannte Skalierbarkeit, als häufigsten Ablehnungsgrund.“

Fast genauso häufig wird bemängelt, dass der Zielmarkt der Unternehmen zu klein sei. Mangelnde Managementkompetenz der Gründer – früher häufigster Ablehnungsgrund – verliert an Bedeutung. Nur noch jeder zweite Investor begründet damit heute eine gescheiterte Finanzierung. Das Fehlen von Produktentwicklungen (zum Beispiel Prototypen) oder Referenzkunden spielt nur noch in weniger als einem Drittel der Fälle eine Rolle.

Hoffnung dürfte bei Gründern ein weiteres Panelergebnis wecken: So geben über 80 % der Befragten an, sich auch im Frühstadium von Unternehmensgründungen (Seed-Phase) beteiligen zu wollen.

Doch in der Praxis bleibt es häufig bei der guten Absicht. Laut Panelstudie hat nur etwa jede dritte Beteiligungsgesellschaft 2012 in Start-ups investiert, die weniger als 100 000 € umsetzten beziehungsweise jünger als ein Jahr waren. „Wenn es zum Schwur kommt, ziehen viele Investoren zurück. Das hohe Risiko und die langen Haltedauern von Seed-Beteiligungen schrecken ab“, so Hoyer.

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