Portrait: Xavier Niel 07.08.2014, 12:00 Uhr

Vom Sexshop-Besitzer zum Telekom-Milliardär

Der Telekom-Milliardär Xavier Niel kämpfte in seiner Heimat Frankreich lange um Anerkennung: Groß geworden in bescheidenen Verhältnissen, war er später Hacker, Uni-Abbrecher und Sexshop-Betreiber. Kein Lebenslauf, mit dem man in den traditionell abgeschotteten Machtzirkeln der Grande Nation schnell Freunde findet. 

Doch der mittlerweile 46-jährige, der mit seinen langen Haaren zuweilen aussieht wie ein Rocker, zeigte es allen und mischte den verkrusteten französischen Telekom-Markt mit einer Preisbrecher-Strategie auf, die ihm viel Geld einbrachte.

Jüngster Coup: Für die Mehrheit an der Telekom-Tochter T-Mobile US bietet er mit seiner Firma Iliad 15 Mrd. Dollar. Niel, der wie wenige Franzosen den amerikanischen Traum, den Aufstieg vom mittellosen, aber begabten Unternehmer zum Milliardär lebt, setzt damit zum Sprung ins Ursprungsland dieses Mythos an.

Lob erhielt Niel für seinen Mut umgehend von höchster Stelle: Der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg kommentierte den kühnen Plan über Twitter mit einem „Bravo Xavier“. „Frankreich wünschte Dir viel Glück.“ Pikant daran ist, dass das Regierungsmitglied bis vor kurzem noch zu den größten Kritikern von Niel zählte, da der Erfolg von Iliad den Telekom-Platzhirsch Orange – einem ehemaligen

Staatsbetrieb – zu einem harten Sparkurs und einem Stellenabbau zwingt.

Niel ist als „Steve Jobs Frankreichs“ bekannt und investiert in viele Start-up-Unternehmen. Eine der Beteiligung war Nest Labs – der Thermostat- und Rauchmelderhersteller wurde Anfang des Jahres für 3,2 Mrd. Dollar an Google verkauft.

Gefallen fand Niel schon immer an Technik: An seinem ersten Computer in den 80er Jahren, einem Sinclair ZX81, entdeckte er sein Programmiertalent. Später schrieb er Software für das Minitel – ein französischer Internet-Vorläufer ähnlich dem damaligen deutschen BTX. Für den erotischen Teil dieses Datennetzes mit dem Namen „Minitel Rose“ ging er mit eigenen Diensten an den Start. In den Jahren darauf investierte er auch in Sexshops. Die frühe Karriere prägte jahrzehntelang seinen Ruf als schillernde Persönlichkeit: Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy nannte Niel deshalb den „Peepshow-Typen“.

1993 gründete Niel mit Worldnet den ersten Internet-Zugangsanbieter Frankreichs. Neun Jahre später eroberte er den französischen Markt für schnelles Internet, Telefon und Fernsehen. Die Dienste bot er damals im Paket über eine eigene Settop-Box – die Freebox – für 30 Euro im Monat an. Seit zwei Jahren mischt Niel unter der Marke „Free“ zusätzlich auch den Mobilfunkmarkt auf und unterbietet die Tarife der Marktführer deutlich. Für Martin Bouygues, Chef des gleichnamigen Mobilfunk-Rivalen, war das seinerzeit eine Frechheit: „Ich habe keine Absicht, die Zigeuner auf den Rasen meines Schlosses zu lassen.“

Der Erfolg gibt Niel aber Recht: Mit der Billigstrategie hat sich „Free“ aus dem Stand heraus einen Mobilfunk-Marktanteil von 13% gesichert. Das Vermögen von Niel wird auf 9,5 Mrd. Dollar geschätzt. Auch wenn er sein Außenseiter-Image weiter pflegt, ist er mittlerweile im Establishment angelangt. Zusammen mit drei Kindern und seiner Partnerin Delphine Arnault, die aus einer der reichsten Familien Frankreichs stammt, wohnt er in einem der teuersten und konservativsten Viertel von Paris.

Von rtr

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