Gründer 22.09.2006, 19:24 Uhr

Voll krasse Gründer  

VDI nachrichten, Berlin, 22. 9. 06, sta – Berlin Neukölln gilt als sozialer Brennpunkt. Die meisten Haupt- und Realschüler von dort fallen im Ausbildungsmarkt durchs Raster. Zwei Realschullehrer bieten Schülern nach Vorbild der US-Organisation NFTE Unternehmensgründerkurse an – und treffen damit einen Nerv.

Letztes Jahr haben von 16 Schülern zehn durchgehalten“, berichtet Peter von Czapiewski. Der Lehrer der Röntgen Oberschule in Berlin Neukölln sieht es als Erfolg. Denn zehnte Klassen an Berliner Real- und Hauptschulen sind schwer zu motivieren. Und gerade in Problemkiezen – zu denen Neukölln zweifelsfrei gehört – wissen viele Schüler, dass sie statt in einer Lehrwerkstatt auf dem Abstellgleis landen.

In einem ähnlichen Umfeld hatte Steve Mariotti 1987 die Idee, Unternehmertum in seinen Unterricht zu integrieren. Den Ex-Unternehmer hatte es als Lehrer in die New Yorker Bronx verschlagen. Dort waren seine Schüler im Matheunterricht immer dann besonders motiviert, wenn er mit ihnen fiktive Geschäfte aufbaute und dafür nötige Rechnungen anstellte. Mariotti entwickelte die Idee zum Unterrichtskonzept und gründete das Network for Teaching Entrepreneurship (NFTE). Es soll benachteiligten Jugendlichen das Unternehmertum näher bringen.

Bis heute hat NFTE weltweit 3700 Lehrer ausgebildet. Seit 2004 gibt es auch einen deutschen Ableger. Fast 50 Lehrer haben hierzulande die Ausbildung der Organisation inzwischen durchlaufen, darunter von Czapiewski und sein Kollege Detlev Bachmann.

Beide sind überrascht vom Engagement ihrer sonst eher lernschwachen Schüler. Über Monate mussten sie nicht nur eine eigene Idee zum Businessplan entwickeln, sondern auch Unternehmer aus dem Bezirk über deren Gründungsmotive interviewen, Kommunikationstrainings und Kreativitätsspiele über sich ergehen lassen und regelmäßig Praxishefter führen. Allein das ordentliche Arbeiten, das pünktliche Erscheinen oder die höflichen Umgangsformen – Lehrer und Schüler begrüßen sich in NFTE-Kursen per Handschlag – hätten die Teilnehmer vor Probleme gestellt, berichtet von Czapiewski. Ganz zu schweigen von Problemen beim Formulieren des Geschäftsplans oder Errechnen der Geschäftsprognosen.

Doch die individuelle Förderung beim Erstellen des Businessplans ist eine gute Möglichkeit, Versäumtes nachzuholen. Gerade gegen Ende der Kurse sind die Schüler hoch motiviert, weil sie zum Abschluss ihre Geschäftspläne vor einer Jury externer Experten präsentieren. Zur Überraschung ihrer Lehrer erschienen einige Schüler sogar in Schlips und Kragen, um den Gästen ihre Power-Point-Präsentationen zu erläutern. Neben Hotelmanagern, einem Verlagschef und dem NFTE Vorstand saß auch ein türkischer Unternehmer in der Jury. „Migranten, die es geschafft haben, sind für unsere Schüler Vorbilder“, so von Czapiewski. Das Konzept von NFTE setze auf derartige Vorbilder und auf Anerkennung der Jugendlichen.

Für die Gründungsideen galt die Vorgabe, dass sie für Schüler umsetzbar sein mussten. Den ersten Platz belegte der 16-jährige Ömer mit seinem Plan, belegte Sesamringe in Teestuben und Spielhallen des Bezirks zu verkaufen. In intensiver Feldforschung machte er insgesamt 36 Lokale aus, in denen er seine Snacks anbieten durfte. Zudem handelte er mit einer Bäckerei vergünstigte Preise für die Sesamringe aus – und vereinbarte als Gegenleistung, an Wochenenden deren Öfen zu putzen. Ein Mitschüler plante individuell beschriftete Tüten für kleine Läden. Um sie preisgünstig anbieten zu können, recherchierte er im Internet einen indischen Hersteller und eine polnische Druckerei, die zur Produktion bereit waren. Viele Läden waren von seiner Idee begeistert. Allerdings bemängelte die Jury, dass er sich zu wenig Gedanken über die Transportkosten gemacht hatte.

Laut Prof. Sven Ripsas, Professor für Entrepreneurship/Unternehmensgründung an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin, und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats von NFTE Deutschland, erhebt das Konzept auch nicht den Anspruch, dass die Schüler gleich gründen. „Es geht vor allem darum, ihre Persönlichkeit zu stärken und ihnen grundsätzliche Einsichten in wirtschaftliche Zusammenhänge zu vermitteln“, erklärt er. Nachdem sie sich monatelang intensiv mit einer Geschäftsidee beschäftigt hätten, reife bei manchen Schülern auch Verständnis dafür, wie ein Chef denkt. „Wenn sie davon etwas bis zum ersten Vorstellungsgespräch behalten, ist schon viel gewonnen“, so Ripsas. Und wenn es nicht mit einer Lehrstelle klappe, hätten die Schüler zumindest gelernt, dass es auch vor ihnen schon mancher geschafft hat, trotz einer ungünstigen Ausgangslage, eine Existenz aufzubauen. PETER TRECHOW

www.nfte.de

„Es geht beim NFTE vor allem darum, die Persönlichkeit der Schüler zu stärken“

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