Start-up-Porträts 16.09.2011, 12:07 Uhr

US-Start-up Quirky nimmt Erfindern die Arbeit ab

Viele Ingenieure haben gute Produktideen. Doch die wenigsten landen in einem Verkaufsregal, weil der Weg von der Idee bis in den Handel kurvenreich und teuer ist. Das New Yorker Start-up Quirky nimmt Erfindern jetzt die Arbeit ab – und setzt dabei auf die Netzgemeinde.

Outsourcen ist „in“: Nachdem selbst der um seine Betriebsgeheimnisse besonders besorge IT-Konzern Apple seine gesamte Produktion ausgelagert hat, ist es salonfähig geworden, nur noch Ideen zu entwickeln und die industrielle Fertigung ins Ausland zu verlagern. Doch der Aufwand für diesen Schritt ist groß, denn die Evaluierung von potenziellen Lieferanten kostet viel Zeit und Geld. Hinzu kommen der Aufbau einer entsprechenden Logistik und das Einspeisen der Produkte in die Vertriebskanäle.

Diese Erfahrungen musste auch der Amerikaner Ben Kaufman machen, als er im Alter von 18 Jahren die Idee für spezielle Ohrstöpselhörer für Apples iPod hatte. Mit 185 000 $ von seinen Eltern gründete er „Morphie“ und flog nach China um geeignete Hersteller unter die Lupe zu nehmen. Ein Jahr später wurden seine Kopfhörer als „Best of Show“ auf der MacWorld ausgezeichnet. Vor vier Jahren verkaufte er Morphie mit „gutem Gewinn“, wie er sagt.

Quirky hat sich auf die erfolgreiche Umsetzung von Produktideen spezialisiert

Seitdem beschäftigt er sich nur noch mit neuen Produkten – aber weniger mit eigenen als mit denen von anderen Erfindern. „Ich liebe das Herstellungs-Chaos bei neuen Produkten“, sagt der heute 24 Jahre alte Kaufman über sich und den Hintergrund seiner neuen Firma Quirky, mit der er sich auf die erfolgreiche Umsetzung von Produktideen spezialisiert hat.

Bei Quirky kann man für eine Gebühr von 99 $ eine Produktidee online anmelden. Mit ein wenig Glück bekommt man dann in Zukunft regelmäßig einen Scheck über einen bestimmten Anteil der weltweiten Verkaufserlöse.

Quirky übernimmt alles, was für die Vermarktung erforderlich ist: Evaluierung der Idee, Kalkulation der Herstellungskosten, Festsetzen eines konkurrenzfähigen Verkaufspreises, Suchen und Finden eines geeigneten Herstellers, Bemusterung des Handels sowie Auf- und Ausbau der Lieferkette.

Das alles macht Quirky auf eigenes Risiko und auf eigene Rechnung – und behält deshalb auch den Löwenanteil der Verkaufserlöse für sich. Bei Verkäufen über das eigene Quirky-Shopping-Portal sind es 70 %, bei Verkäufen über Handelspartner sogar 90 %.

Quirky lässt sich deshalb mit einem Buchverlag vergleichen. Denn auch Autoren wollen normalerweise nur schreiben und sich nicht mit Papier und Druck beschäftigen. Der Autor liefert das Manuskript und bekommt dafür später ein verkaufsabhängiges Honorar.

„Demokratisierung von Ideen“ als Basis des Unternehmenskonzepts von Quirky

Quirky sieht sein Unternehmenskonzept als „Demokratisierung von Ideen“. Dabei werden alle eingehenden Geistesblitze zunächst von einem kleinen internen Team detailliert unter die Lupe genommen. Was akzeptiert wird, wandert auf die Webseite zur Evaluierung durch die Quirky-Fangemeinde. 65 000 Mitglieder sind dort registriert. Sie stimmen darüber ab, ob man das Produkt später kaufen würde, und falls ja, zu welchem Preis.

Dieses Feedback wird um alle verfügbaren Marktforschungsergebnisse ergänzt. Danach entscheidet Quirky darüber, ob die Produktidee weiter verfolgt wird oder nicht. Im Falle der Ablehnung kann der Erfinder nachbessern. Die Idee durchläuft den Prozess dann ein zweites Mal.

Bei Annahme wird das Produkt bis ins Detail durchkonstruiert, dabei sind mögliche Herstellungs- und Kostenalternativen zu berücksichtigen. Auch das Branding, ein passendes Logo und weitere Marketingvorzüge fließen hier bereits ein. Am Ende gibt es Vorlaufprodukte für den Testverkauf. Erreicht dieser ein bestimmtes Volumen in einer bestimmten Zeit wirft das Unternehmen die Fließbänder an. Der daran anschließende Massenabsatz erfolgt über den eigenen Webstore sowie über feste Handelspartner, wie die US-Haushaltskette Bed, Bath & Beyond oder passende Baumärkte und Kaufhäuser.

Die 99 $ Anmeldegebühr werden in keinem Fall zurückerstattet. „Wir müssen uns davor schützen, mit nutzlosen Ideen überschwemmt zu werden, die nur unser Team mit Arbeit zuschütten“, sagt Kaufman über die erste Hürde, die Erfinder nehmen müssen.

Auch die spätere Vermarktung müssen Erfinder von Anfang an im Blick haben. „Wir akzeptieren nur Ideen, bei denen das Endprodukt im Laden weniger als 150 $ kosten wird“, ist auch hier seine klare Aussage.

Experten loben den Evaluierungsprozess bei Quirky

Experten loben bei Quirky vor allem den Evaluierungsprozess über die eigene Fangemeinde. „Es ist der Einsatz von Social-Media in der Vorlaufphase. Damit sparen sie immense Kosten und schützen sich vor vielen Fehlentscheidungen“, sagt Jerry Brown, CEO von Sense Worldwide, einer Marketing-Consulting-Agentur, die unter anderem für Nike und Procter & Gamble tätig ist.

Derzeit ist Quirky für den Gründer selbst aber noch kein Goldesel. Soeben erst gab es eine kräftige Kapitalspritze von 16 Mio. $ von Nordwest Venture, um den Betrieb weiter auszubauen. „Wir werden wohl ab dem nächsten Jahr profitabel sein“, lautet Kaufmans optimistische Prognose.

www.quirky.com

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