Gründer 17.03.2006, 18:43 Uhr

„Unternehmertum ist echte Option“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 17. 3. 06 – Seit 2003 sucht das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit dem Wettbewerb „Jugend gründet“ talentierte Nachwuchsunternehmer. In der ersten Phase sind Jugendliche im Alter von 16 bis 21 Jahren aufgerufen, Businesspläne zu erarbeiten. Die zehn besten Teams müssen anschließend die ersten vier Jahre ihres fiktiven Start-ups am Computer simulieren. Am Ende der Vorschlussrunde hätten auch echte Finanzierer Freude gehabt.

Der Schrecken aller Schulbuchverlage hat einen Namen: Romos. Dahinter verbirgt sich ein sechsköpfiges Team des Gymnasiums Markdorf bei Konstanz. Die Schüler planen, schwere Atlanten oder Biologie-Wälzer durch einen einzigen Kleincomputer zu ersetzen. Das Gerät soll im Wesentlichen aus einem Flachbildschirm mit mehreren Schnittstellen bestehen. Aktuelle Unterrichtsmaterialien könnten über USB- oder Bluetooth-Verbindung in den integrierten Flash-Speicher übertragen werden. „Auf der ebenfalls enthaltenen Festplatte sind zusätzlich Enzyklopädien hinterlegt“, erklärt der Sprecher des Sextetts, Nils Herrmann. Die Zugriffsrechte vergebe der Lehrer. „Kosten soll das Gerät etwa 180 €. Das ist wenig im Vergleich zu den Summen, die jährlich für immer neue Schulbücher ausgegeben werden müssen.“ Außerdem helfe der so genannte „Tabula“ dabei, Papier zu sparen. „Die nächste Rechtschreibreform wird mit unserem Produkt garantiert billiger“, so der 18-Jährige.

Romos schaffte es mit dem „Tabula“ auf den dritten Platz im Zwischenfinale des bundesweiten Wettbewerbs „Jugend gründet“. Über 2000 Schüler hatten sich daran beteiligt. Im ersten Schritt waren sie dazu aufgerufen, einen Businessplan zu erstellen. Sie mussten u. a. eine Geschäftsidee entwickeln, den Markt durchleuchten, einen Finanzierungsplan erstellen und erste Marketingmaßnahmen planen. Romos beispielsweise untersuchte die Technikakzeptanz bei Lehrern und Schülern, hielt nach potenziellen Herstellern der Monitore Ausschau und erarbeitete mögliche Vertriebswege. Sogar an die Corporate Identity wurde gedacht: Zur Präsentation des Businessplans erschien das gesamte Team in einheitliche Farben gehüllt. Dazu Herrmann: „Grün ist die Hoffnung …“

Den zweiten Platz des Wettbewerbs sicherten sich Hans-Martin Vetter und Frank Harteker vom Kreisgymnasium Bad Krozingen. Mit ihrer Firma „WinPolar“ wollen sie den Glasfassaden-Bau revolutionieren. Das Duo plant, herkömmliche Scheiben durch „Isopol“ zu ersetzen. „Das Produkt besteht aus insgesamt fünf Schichten“, erklärt Vetter. Dadurch werde der Isolationswert erhöht. „Wirklich innovativ ist Isopol aber vor allem durch zwei besondere Flüssigkeitslagen. Sie reagieren wie Polarisationsfilter wenn eine Spannung angelegt wird. Lichtwellen können nicht mehr ungehindert hindurch.“ Im Extremfall könnten Räume vollständig verdunkelt werden. „Unschöne Jalousien, die obendrein schnell kaputt gehen, gehören dank Isopol bald der Vergangenheit an“, so der 19-Jährige.

„Einen Haken hat die Idee aber noch“, räumt Kollege Harteker ein. „Die Flüssigkeit muss erst noch entwickelt werden. Dafür würden wir Wissenschaftler einstellen. Bis die Produktion auf eigenen Anlagen anlaufen kann, müssten insgesamt etwa 5,6 Mio. € investiert werden“, rechnet der 20-Jährige vor. „Bei einem Verkaufspreis von rund 1500 € pro Quadratmeter kann sich diese Investition schnell amortisieren. Gutes Isolationsglas, dass derzeit viel verbaut wird, ist schließlich nicht wesentlich billiger.“ Beide Nachwuchs-Gründer sind sich einig: „Das Unternehmertum ist für unsere spätere Berufswahl eine echte Option.“

Den besten Businessplan und die überzeugendste Präsentation lieferte Tobias Neumann vom Nordpfalz Gymnasium in Eisenberg ab. Der 17-Jährige möchte Sicherheitswesten, wie sie von Polizei und Militär genutzt werden, verbessern. Die darin integrierten Schutzplatten sollen leichter und härter werden. Dazu plant er, die Polymermatrix von Keramiken zu verändern. Erkenntnisse aus Nanotechnik und Bionik sollen dabei zum Einsatz kommen.

Die insgesamt zehn prämierten Teams steigen nun in die zweite Phase des Wettbewerbs ein. „Sie müssen beispielsweise auf fiktive Steuerveränderungen reagieren, Personal einstellen oder Investitionen tätigen“, erklärt Barbara Burkhard-Reich vom Steinbeis Transferzentrum für Unternehmensentwicklung. Die Pforzheimer sind für die wissenschaftliche Betreuung des Wettbewerbs verantwortlich.

Übergeben wurden die Preise von Andreas Pinkwart. Der Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie in NRW erklärte: „Selbst wenn nicht alle Teilnehmer später wirklich gründen, so haben sie hier doch wichtige Schlüsselqualifikationen erlernt. Dazu zählen etwa Teambildung, Ausdauer, Selbstmotivation und Kreativität. Unternehmerisch zu denken wird außerdem auch für Angestellte immer wichtiger.“ S. ASCHE

Von S. Asche

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