Gründer 21.09.2007, 19:30 Uhr

„Unser Handwerk ist kein Hexenwerk“  

M+S Silicon, Dortmund, hat sich auf Silikon-Verarbeitung spezialisiert. Sieger in der Kategorie „Erfolgreiche Zuwanderer“ wurde Info Key. Die Wuppertaler nutzen künstliche Intelligenz, um zukunftsweisende Informationen aus großen Datenbeständen zu filtern.

Jürgen Siedler kennt sich aus mit Silikon. Der 45-Jährige blickt auf 15 Jahre Berufserfahrung in diesem Bereich zurück. Ihm wurde sogar die Nachfolge eines Unternehmens der Branche angeboten. Doch der Dortmunder wollte eigene Wege gehen. 2001 gründete er gemeinsam mit Michael Materi die M+S Silicon GmbH & Co KG. Inzwischen beschäftigt die Firma 80 Mitarbeiter und erwartet 2007 einen Umsatz von 9 Mio. €. Vergangene Woche wurde Siedler mit dem Start-Award NRW in der Kategorie „Innovative Jungunternehmer“ ausgezeichnet.

M+S Silicon hat sich auf die Herstellung von Schläuchen und Dichtungen spezialisiert. Gefertigt wird mit Extrudertechnologie. Dabei wird der Silikon-Rohstoff von einer Art Fleischwolf durch Schablonen gepresst und dann vulkanisiert. Die Technik ist bewährt, Wettbewerber gibt es reichlich. „Wir setzen die Produktionswünsche unserer Kunden aber deutlich schneller um“, so Siedler. Die Konkurrenz benötige zwei Wochen, um neue Schablonen zu designen und mit der Fertigung zu beginnen. „Wir schaffen das in zwei Tagen. Außerdem bringen wir neue Ideen ein, indem wir etwa Produktgruppen innovativ miteinander verbinden. Darüber hinaus bieten wir weitere Dienstleistungen an, etwa Ausstanzungen. Wir verstehen uns als Systemlieferant.“

Jüngste Innovation von M+S Silicon ist eine patentierte Fugendichtung. „Das Band lässt sich einfach in bestehende Fugen eindrücken“, so Siedler. „Auch Laien können es schnell und sauber verarbeiten. Das wird den Sanitärbereich revolutionieren.“

Das Kundenspektrum der Dortmunder ist weit. „Wir arbeiten beispielsweise für die Hersteller klassischer Haushaltswaren. Gleichzeitig beliefern wir aber auch die Bahn oder Playmobil“, so Siedler. „Sagen Sie mir eine Branche, und ich sage Ihnen: Wir sind drin.“

Den Unternehmensstart hat Siedler mit Unterstützung der Bürgschaftsbank NRW finanziert. In einem ersten Schritt konnte er 1,4 Mio. DM für sich verbuchen. Schon ein halbes Jahr später wurde der Betrag sogar auf 2,2 Mio. DM erhöht. „Die Bank hat erkannt, dass unser Geschäft, die Verarbeitung von Silikon, funktioniert.“

Etwas weniger griffig ist das Geschäftsmodell der Info-Key GmbH & Co KG. Die Wuppertaler haben den Start-Award in der Kategorie „Erfolgreiche Jungunternehmen von Zuwanderern“ gewonnen. Die Geschäftsführer Ahmet Gülcan und Eliseo Milonia sind so etwas wie moderne Wahrsager. Statt mit einer Glaskugel arbeiten sie mit künstlicher Intelligenz. Ihr Fachgebiet ist das „Quality Mining“. Dahinter verbirgt sich die zielgerichtete Interpretation großer Datenmengen.

„Für Versicherungen können wir beispielsweise bestimmen, welche Kunden treu sind und welche kündigungswillig sind“, so Gülcan. „Dazu füttern wir unsere Software zunächst mit Daten aus der Vergangenheit.“ Basierend auf diesen und neu hinzu kommenden Informationen lerne das System dann nach und nach, welche Eigenschaften auf einen Wackelkandidaten hindeuten. „Die Betrachtung ist dabei stark individualisiert“, erklärt der 34-Jährige. „Wir urteilen nicht allein anhand von Alter, Geschlecht und Einkommen.“

Ein weiteres Anwendungsgebiet der Info-Key-Technologie liege im Automobilbau. „Hersteller geben den Zulieferern stets klare Vorgaben, wie die gewünschten Produkte beschaffen sein müssen“, so Gülcan. „Mitunter geht es dabei auch um subjektive Kriterien, etwa den Klang des Türschlosses.“ Dieser könne von Auto zu Auto unterschiedlich sein, selbst in der gleichen Modellreihe. „Damit nun nicht ein Mitarbeiter des Herstellers den ganzen Tag Türschlösser abhören muss, haben wir ein Ohr mit künstlicher Intelligenz geschaffen. Das System lernt zunächst, was dem Hersteller gefällt. Anschließend hört es alle Produkte beim Zulieferer ab und trifft vor Ort eine Auswahl.“ Ändere sich der Geschmack des Auftraggebers, könne das System dies schnell lernen und umsetzen.

Info-Key wurde 2001 gegründet. Den Start ermöglichte das Förderprogramm Exist-Seed des BMBF. Heute beschäftigt die Firma neun Mitarbeiter. Für das laufende Jahr erwarten die Geschäftsführer einen Umsatz von mindestens 250 000 €. „Die Kundengewinnung war bisher harte Arbeit“, räumt Gülcan ein. „Teilweise sind wir sogar in Vorleistung getreten, um Interessenten von unserem Produkt zu überzeugen. Doch allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass unser Handwerk kein Hexenwerk ist.“ S. ASCHE

Ein Beitrag von:

  • Stefan Asche

    Stefan Asche

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: 3-D-Druck/Additive Fertigung, Konstruktion/Engineering, Logistik, Werkzeugmaschinen, Laser

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