Start-up-Porträts 22.06.2012, 11:55 Uhr

UFOstart fördert und finanziert Start-ups

Thomas Hessler, Jens Hewald und Heiko Rauch gründeten vor zwölf Jahren die Online-Marketing-Firma Zanox. 2007 verkauften sie die AG für über 200 Mio. € an Springer und die PubliGroupe. Nun bauen sie im Silicon Valley ein Unternehmen auf, das binnen drei Jahren 10 000 Start-ups in aller Welt zu Finanzierungen, Mitarbeitern und Kunden verhelfen will. Soziale Netzwerke spielen dabei eine zentrale Rolle.

Für Thomas Hessler läuft bei Unternehmensgründungen zu viel schief. „Neun von zehn Investments scheitern, 95 % aller Start-ups müssen mangels Kundenorientierung, Finanzierung oder Talenten die Segel streichen. Und wenn alle zehn Jahre mal ein Unternehmen wie Facebook durchstartet, streichen nur Wenige den Profit ein“, sagt er. Die Masse könne sich über Aktien meist erst dann beteiligen, wenn die steile Wachstumsphase vorbei ist.

Hesslers Partner Jens Hewald und Heiko Rauch teilen diese Analyse. Das Trio gründete vor zwölf Jahren inmitten der Dot.com-Wirren das Internetmarketing-Unternehmen Zanox. Ohne Finanzierung. Doch Zanox wuchs schnell auf zwei- und dann dreistellige Millionenumsätze, ehe das Trio 2007 an Springer und die PubliGroupe verkaufte. „Wir haben uns aus eigener Kraft vorwärts bewegt, mussten mit knappen Mitteln haushalten und unser Geschäftsmodell konsequent am Kunden ausrichten“, erinnern sie sich. Ihr Erfolgsrezept: Kunden mussten nur im Erfolgsfall zahlen. Mit den Provisionen konnten sie ihr Geschäft im In- und Ausland ausbauen – und sahen ihr Netzwerk dabei rasant wachsen.

UFOstart will Start-ups weltweit fördern und finanzieren

Die Erfahrung aus ihrer Gründergeschichte haben die Berliner nun in einen neuen Ansatz zur Förderung und Finanzierung von Start-ups in aller Welt übertragen. UFOstart heißt ihr Projekt, das sie im Silicon Valley starten. Eine Plattform auf Facebook, auf der Gründer Geld, Partner, Dienstleistungen sowie Betriebsmittel suchen können. „Unsere Grundidee ist es, den Finanzierungsprozess so schlank wie irgend möglich zu gestalten“, erklärt Hessler. Statt im Businessplan mit Blick auf große Finanzierungsrunden Jahre voraus zu planen und diesem Plan dann sklavisch – möglicherweise am Kunden vorbei – zu folgen, sollen UFOstarter mit vier kleinen Finanzierungsrunden pro Jahr vorankommen und quartalsweise konkrete Ziele entwickeln. „Lean Start-up Funding“, das die Initiatoren mit der Idee des Crowd-Sourcings und Crowd-Fundings in sozialen Netzwerken zusammenbringen.

Konkret stellen Start-ups auf der Plattform ihre Idee, ihre Ziele und ihren Bedarf an Expertise oder an Mitarbeitern für das Quartal vor. Ihr Einsatz: Unternehmensanteile. Eine Runde kommt nur zustande, wenn sie diese Ziele auf allen Ebenen vor Ablauf eines selbst gesetzten Zeitlimits erreichen. Die Ziele sind in vier Säulen kenntlich gemacht: Jobs, Geld, Assets und Kunden. „Die Plattform auf Facebook können Gründer und Interessierte aus aller Welt nutzen“, sagt Hessler. Das bedeute auch weltweite Suche nach Designern, Programmierern, Anwälten oder Beratern, nach qualifizierten Mitarbeitern und Investoren, die sich mit kleinen Summen an spannenden, in der Crowd beliebten Start-ups beteiligen können. Und natürlich auch weltweite Suche nach Kunden, die Absichtserklärungen zum Kauf oder zur Nutzung der Produkte und Dienstleistungen der Start-ups abgeben können.

Hessler, Hewald und Rauch gehen UFOstart sehr optimistisch an. In nur drei Jahren wollen sie 10 000 Start-ups mit 300 000 Interessierten zusammenbringen und in der Crowd sowie bei professionellen Investoren 500 Mio. $ Beteiligungskapital locker machen. „Der Zuspruch zu den Ideen und die Absichtserklärungen von Kunden sind Gradmesser, die VC-Investoren oder Business-Angels bisher bei Frühphasen-Investments nicht hatten“, erklärt Rauch. Zudem trügen sie Risiken nicht mehr allein, sondern zusammen mit vielen anderen.

UFOstart: Auch ein Frühindikator für den Erfolg von Start-ups

UFOstart ist also Kontakt-, Crowdsourcing-Börse und Frühindikator für den Erfolg von Start-ups in Einem. Die Gründer können quartalsweise an den Reaktionen ihrer Community und der Resonanz auf ihre Job- und Beteiligungsangebote ablesen, ob sie Kurs halten oder umsteuern sollten. Scheitert eine Finanzierungs- (oder besser) Entwicklungsrunde, ist das kein Beinbruch. „Nichts hindert sie, erneut einen Versuch zu starten und ihre Ziele zu korrigieren“, sagt Hessler.

Die Initiatoren erwarten, dass die Start-ups durch das Prinzip Leistung gegen Equity im Schnitt 80 % weniger Cash benötigen werden. Die gestreckten, kleinen Finanzierungsrunden brächten sie zudem nicht in die Versuchung, an Markt und Kundenbedürfnissen vorbei zu investieren und dabei fremdes Kapital zu verbrennen. Für Experten, ob Programmierer, Berater oder Business-Angels, ergibt sich die Option, ihr Know-how und ihre Kontakte in Unternehmensanteile zu wandeln und sich so ohne großen Kapitaleinsatz ein breites Beteiligungsportfolio zuzulegen. Startet eines der Start-ups durch, können sich auch Prozentpunkte lohnen: So sprühte der US-Künstler David Choe einst einer jungen Firma namens Facebook ein Auftrags-Graffiti an die Bürowand. Statt mit Geld ließ er sich das mit 0,2 % Firmenanteilen vergüten, die heute 170 Mio. $ Wert sind.

UFOstart-Gründer versprechen spannende Beteiligungsmöglichkeiten

Hessler, Hewald und Rauch, die ihr Kapital aus dem Zanox-Verkauf als Business-Angels einsetzten, versprechen sich von UFOstart auch selbst Kontakte zu spannenden Beteiligungsmöglichkeiten in aller Welt, die sonst im Verborgenen bleiben. „VC ist für Start-ups nur an wenigen Hotspots zu bekommen“, sagt Hessler. Doch gute Ideen gebe es überall. Es sei an der Zeit, Finanzierungen regional zu entkoppeln.

Komplett altruistisch handelt das Unternehmertrio natürlich nicht. Um an ihrem Projekt zu verdienen, setzen sie auf ein altes Erfolgsrezept: für erfolgreiche Finanzierungsrunden sollen Gründer Provision an sie abführen – in Form von Beteiligungen oder Cash. Die genaue Höhe ist noch in der Diskussion. „Wir haben jetzt die Beta-Version online gestellt und wollen für den Proof-of-Concept schnell die ersten zehn Start-ups auf den Weg bringen“, sagt Hessler. Von deren Erfolg wird viel abhängen. Denn um in den Weiten des Webs 10 000 Gründungen und 300 000 Experten zusammenzutrommeln, braucht UFOstart schnell jene Aufmerksamkeit, die sonst nur landende Ufos bekommen.   

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