Unternehmensfinanzierung 07.10.2005, 18:40 Uhr

Trotz Beteiligung am Steuer bleiben  

Das Unternehmen steuert bei Umsatz und Beschäftigung auf Wachstumskurs.

Frischer Wind herrscht seit vier Jahren bei der Becker Marine Systems in Hamburg-Harburg. Damals übernahm Dirk Lehmann als Unternehmensnachfolger das Steuer der 1946 gegründeten Firma, die Ruderanlagen für Großschiffe herstellt. Lehmann änderte den Kurs des Unternehmens und manövrierte es auf neue Märkte. 2003 begannen Lehmann und sein Team mit der Entwicklung eines völlig neuartigen Rudersystems.

Im Herbst 2004 heuerte Lehmann die Haspa Beteiligungsgesellschaft für den Mittelstand (Haspa BGM) als stillen Gesellschafter an. Nicht, weil der Ruder-Hersteller Liquiditätsprobleme gehabt hätte, sondern weil den Hausbanken die Eigenkapitalquote der Firma nicht hoch genug war. Mit den zunächst 1,5 Mio. € der Beteiligungsgesellschaft erhielt Becker Marine Systems grünes Licht, das „Twisted Leading Edge King Support Rudder“ (TLKSR) weiter zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

50 Mitarbeiter, 20 Mio. € Umsatz, moderate Gewinne. Das war die Ausgangslage der Becker Marine Systems im Herbst 2004. Heute, ein Jahr später, beschäftigt die Firma 85 Mitarbeiter, wird in diesem Jahr einen Umsatz von etwa 34 Mio. € und gute Gewinne machen. Bereits jetzt liegt der Auftragsbestand für 2006 deutlich über dem geplanten Umsatz für 2005.

Ein Großteil der Orders betreffen das „Twistierte Ruder“. Der Clou der Innovation „made by Becker Marine Systems“: Im Gegensatz zu herkömmlichen Ruderblättern besitzt das TLKSR keine gerade Vorkante, über die der Schiffspropeller das Wasser leitet, sondern der untere Teil ist leicht gedreht -„twisted“ – angeordnet. Dadurch kommt es nicht zur gefürchteten „Kavitationserosion“, einem Materialabtrag an herkömmlichen Schiffsruderanlagen.

Dirk Lehmann erinnert sich an die Gespräche mit seinen drei Hausbanken, denen er zwar erklären konnte, welchen Reiz das geplante Produkt haben werde, die aber hauptsächlich auf das eingesetzte Haftungskapital der Firma starrten: „Unsere Kapitalstruktur wurde als zu ungünstig moniert, um mir langfristig eine geeignete Fremdfinanzierung gewähren zu können.“ Die unternehmerische Entscheidung lautete somit, innerhalb kurzer Zeit die Eigenkapitalquote auf mindestens 25 % zu erhöhen.

Zusammen mit dem Mitgesellschafter HATLAPA Uetersener Maschinenfabrik, einem führenden Hersteller von Schiffskompressoren, Ruder- und Decksmaschinen, suchte Lehmann nach Möglichkeiten, den Eigenkapitalanteil zu erhöhen. Es gab Ideen, sich einen industriellen Investor zu suchen oder Options- oder Genussscheine auszugeben. Die Geschäftsführung von Becker Marine Systems betrachtete potenzielle Investoren, brach aber die Verfolgung der Ideen ab, als klar wurde, dass die unternehmerische Freiheit zur Disposition stand: „Ich wollte mein eigener Herr in meinem Haus bleiben“, sagt Lehmann.

Branchenfremde Investoren kamen für den Firmenchef nicht in Frage: „Ich kann kein Unternehmen führen, an dem jemand maßgeblich beteiligt ist, der vom Geschäft keine Ahnung hat.“ Und auch von der Ausgabe von Options- und Genussscheinen sah Lehmann ab, „weil das Volumen von 1 Mio. € bis 2 Mio. € dafür zu klein gewesen wäre“. HATLAPA selbst hatte bereits ein großzügiges Gesellschafterdarlehen an Becker vergeben, war aber durch eigenes starkes Wachstum nicht in der Lage, schnell aufzustocken.

Was tun? Die Lösung für Firmenchef Lehmann: eine stille Beteiligung. Viel Geld brauchte der Ruder-Hersteller nicht. Es ging ja lediglich um eine optische Verbesserung der Bilanz. Lehmann einigte sich mit der Haspa BGM, einer 100-%igen Tochter der Hamburger Sparkasse, auf eine Summe von 1,5 Mio. € für eine Laufzeit von sieben Jahren. Die Kosten: zwischen 14 % und 16 %.

„Eine Laufzeit von zwei Jahren wäre mir lieber gewesen“, sagt Lehmann. Doch für Carsten Röhrs, Geschäftsführer der Haspa BGM, ging es darum, „die Langfristigkeit der Beteiligung sichtbar zu machen“. Warum? Röhrs: „Nur eine langfristige Beteiligung wird von den Banken als Eigenmittel gewertet. Wir wollen das Unternehmen mit der stillen Beteiligung von A nach B begleiten. Und B ist nach zwei Jahren noch nicht erreicht.“

Er beschreibt das Engagement bei Becker Marine Systems als „maßgeschneiderte Lösung, die in den nächsten Jahren aber auch neu angepasst werden kann“. Für ihn ist das ein klarer Pluspunkt gegenüber standardisierten Instrumenten, wie Genussrechtskapital.

Und was sagt der Firmenchef zu dieser stillen, aber langen Beteiligung? „Wir haben die Kröte geschluckt.“ Übrigens: Bessere Konditionen im Tagesgeschäft mit den Banken hat Becker Marine Systems trotz der gewünschten Kapitalstrukturverbesserung nicht bekommen. Lehmann: „Wir zahlen bisher für unsere Kredite genau so hohe Zinsen wie vorher, erwarten für das nächste Jahr aber eine Verbesserung der Konditionen.“

Dirk Lehmann ist mit dem Beteiligungsunternehmen und dem Verlauf der Partnerschaft grundsätzlich zufrieden. Er ist unabhängig geblieben, muss seinen stillen Beteiligten nur bei so genannten „zustimmungspflichtigen Geschäften“ konsultieren, wenn er beispielsweise eine Niederlassung in Norwegen gründen oder einen neuen Produktzweig aufbauen will. Carsten Röhrs: „Wir werden nicht in das operative Geschäft von Herrn Lehmann eingreifen. Damit würden wir ihm und seinem Unternehmen die Stärke nehmen.“

Einmal im Quartal setzen sich Haspa BGM und Becker Marien Systems an einen Tisch und informieren sich gegenseitig. Für seinen Kapitalgeber hat Lehmann das Berichtswesen umgestellt: „Das war sinnvoll, hilft auch mir“, sagt er. War die stille Beteiligung für ihn die richtige Finanzierungsform? „Ja“, sagt Dirk Lehmann klipp und klar. „Wir verdienen jetzt so gut, dass wir in diesem Jahr erstmals aus dem Ertrag unsere Eigenkapitalquote erhöhen können.“

Ein Beitrag von:

  • Jürgen Hoffmann

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