Gründer 02.11.2007, 19:31 Uhr

Statt Vorruhestand noch einmal durchgestartet  

VDI nachrichten, Hamm, 2. 11. 07, Fr – So selbstverständlich ist es nicht, mit 52 Jahren noch einmal durchzustarten. Helmut Weidner aber wagte genau in diesem Alter den Neuanfang. Als der Krupp-Konzern 1995 den Bereich Rohrwerkstechnik auflöste, gründete er das Unternehmen W+K Industrietechnik. Die Spezialfirma für die Herstellung von Maschinen, mit denen Spiralrohre gefertigt werden, war schnell erfolgreich.

Wir sind ein Ingenieurunternehmen und kein -büro“, stellt Helmut Weidner fest. Dem 64-Jährigen liegt es fern, nur ein Kopfarbeiter zu sein. Der Diplom-Ingenieur ist Geschäftsführer des Dortmunder Unternehmens W+K Industrietechnik, einem Hersteller von Maschinen für die Fertigung von Spiralrohren. Er hat es neu aufgebaut, erweitert und jetzt in die Hände eines Großkonzerns gelegt.

Als Helmut Weidner 1968 als junger Ingenieur bei der Hoesch Maschinenfabrik in Dortmund anfing, hätte er sich nicht träumen lassen, dass er 25 Jahre später einmal miterleben muss, dass das Traditionsunternehmen im Bereich Rohrwerkstechnik aufgelöst wird. Als 1995 der Beschluss fiel, das Unternehmen zu schließen, war Helmut Weidner 52 Jahre alt und als Bereichsleiter Anlagenbau in dem mittlerweile vom Krupp-Konzern übernommenen Unternehmen beschäftigt.

„Was hätte ich machen sollen? Mich zur Ruhe setzen?“, fragt er. „Ich hatte im Gefühl, dass ich es schaffe, dieses Geschäft in Eigenregie weiterzuführen.“ Krupp habe andere Maßstäbe gesetzt. „Ich dagegen fing bescheiden an, mit dem festen Willen, es ans Laufen und in die schwarzen Zahlen zu bringen.“

Der Krupp-Konzern erleichterte ihm den Absprung. Weidner konnte die Restaufträge und den Kundenstamm übernehmen. Er fand einen Finanzier und gründete mit ihm gemeinsam im März 1997 die W+K Industrietechnik. „Ich habe meine 20-jährige Erfahrung spielen lassen. Wer eine große Anlage kaufen will, der wendet sich an Lieferanten, die er kennt. Er braucht Ansprechpartner, denen er vertrauen kann und von denen er weiß, dass sie das nötige Know-how haben.“

Mit vier Angestellten fing Weidner in einem Dortmunder Industriegebiet an und erwirtschaftete 1 Mio. DM Umsatz im ersten Jahr. Die Geschäfte entwickelten sich positiv. Im Kernbereich, der Lieferung von Komponenten und Ausrüstungen für die spiralgeschweißte Großrohrherstellung, entwickelte das junge Unternehmen die Technologien konsequent weiter. Damit schafften sie es, dass die auf W+K-Maschinen produzierten Rohre unter anderem in der Öl- und Gasindustrie eingesetzt wurden.

Daneben sicherten zwei weitere Geschäftsbereiche den Bestand der Firma. Zum einen liefert W+K Sandwichelement-Fertigungslinien, aus deren Produkten vor allem Garagen- und Industrietore hergestellt werden. Zum anderen vertreibt das Unternehmen Breitbandprofilieranlagen. „Dabei arbeiten wir intensiv mit Partnerunternehmen zusammen“, erläutert Weidner, dem es gelang, aufgrund seiner hervorragenden Kontakte die Einbrüche in den Jahren 2001 und 2002 mit seinem Unternehmen zu überstehen.

Heute beschäftigt Weidner über 50 Mitarbeiter, die 2007 einen Umsatz von etwa von 20 Mio. € erwirtschaften werden. Für den Auftragsbestand von mehr als 50 Mio. € sorgt nicht zuletzt ein riesiges Projekt in Nordamerika, das Weidner im Juni diesen Jahres unter Dach und Fach brachte. In der Stadt Mobile im Bundesstaat Alabama errichtet die Berg Spiral Pipe Corp. einen großen Maschinenpark zur Herstellung von spiralgeschweißten Großrohren. Für W+K hängt ein Auftragsvolumen im zweistelligen Millionenbereich daran. Ab Mitte 2008 sollen in Alabama rund 200 000 t Spiralrohre jährlich hergestellt werden. Der Terminplan drängt die W+K-Leute, denn bereits im Januar soll die erste Teillieferung in den USA ankommen.

Kein Wunder, dass Helmut Weidner händeringend Personal sucht. „Ich nutze jede Chance, die sich mir bietet, um mit jungen Ingenieuren in Kontakt zu kommen“, so Weidner, der enge Beziehungen zur Uni Dortmund pflegt und auch auf Recruitment-Messen versucht, gegen die für Berufsanfänger oft attraktiveren „Großen“ anzutreten.

„Bei uns herrscht ein familiäres Klima, das hat gerade für Berufsanfänger auch seine Vorteile“, betont Weidner. „Hier kommt der Newcomer sofort mit der ganzen Bandbreite des Maschinenbaus in Kontakt.“ Im Team von W+K hat der Chef auch seine „echte“ Familie im Einsatz. Seine Frau spricht perfekt Russisch und unterstützt ihn in der Akquise und der Kundenbetreuung. Sein Schwiegersohn leitet den kaufmännischen Bereich und die Tochter arbeitet ab und an als Freiberuflerin mit.

Die Weichen für die Zukunft hat Weidner bereits gestellt. Deshalb sein Entschluss, seine W+K in die Hände eines Großkonzerns zu legen. Ende September hat der italienische Maschinen- und Anlagenbauer Danieli das Dortmunder Ingenieurunternehmen übernommen und damit seine Produktpalette, die bisher nur Maschinen für die Nahtlosrohrherstellung umfasste, erweitert.

„Ich erwarte für W+K eine weitere Umsatzsteigerung für die kommenden Jahre“, hofft Weidner. Außerdem sichere der Verkauf den Standort Dortmund, so seine feste Meinung. Er selbst will noch fünf Jahre lang die Geschäfte bei W+K führen, dann läuft sein Vertrag mit Danieli aus. BEATE PELZ

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  • Beate Pelz

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