Gründer 25.03.2011, 19:52 Uhr

Start-ups entern das Nano-Reich

Wissenschaft und Politik preisen die Nanotechnologie als Hoffnungsträger mit gigantischem Innovationspotenzial. Hierzulande beschäftigen sich rund 1000 Unternehmen mit der Zwergentechnik, knapp drei Viertel davon sind kleine und mittlere Firmen. Viele von ihnen sind noch keine zehn Jahre alt. Aus Hochschulen und Forschungsinstituten rücken ständig neue Gründer nach.

„Nanotechnologie gilt als Zukunftstechnologie schlechthin. Die Anwendungsmöglichkeiten sind immens“, verkündete das Bundesforschungsministerium (BMBF) im Januar bei der Vorstellung des „Aktionsplans Nanotechnologie 2015“.

Rund 440 Mio. € investiert der Bund jährlich in die Eroberung des Nano-Reichs. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und Gründern. Sie sollen ihren Teil zum lukrativen Feldzug beitragen. Nach Einschätzung des BMBF hat Nanotechnologie den Forschungsrahmen längst gesprengt und ist heute ein echter Wirtschaftsfaktor. Studien bestätigen das. So prognostizieren die Analysten von Lux Research, dass der volkswirtschaftliche Effekt der Zwergentechnologie von heute 300 Mrd. € weltweit bis Mitte des Jahrzehnts auf über 2000 Mrd. € schnellen wird. Als Querschnittstechnologie wirke Nanotechnologie in unterschiedlichste Bereiche: Neuartige Krebstherapien, biotechnologische Analyseverfahren, Leichtbau, Filtersysteme, Beschichtungen für Brillen-, Architekturgläser oder Solarzellen, Korrosionsschutz, Gebäude-Isolierung, Datenspeicher oder Leuchtdioden – überall versprechen Innovationen im Nanomaßstab entscheidende Fortschritte.

Knapp 1000 Firmen treiben hierzulande Nano-Lösungen voran, darunter 720 KMU. Viele davon sind keine zehn Jahre alt. Viele tragen das Wörtchen Nano im Namen: ob Nanotools, Nanoscribe, Nanocrypt oder Nanoscale. Doch inzwischen gibt es einen Gegentrend. „Nanotech ist ein Modewort, das im allgemeinen Hype einen beinahe negativen Beigeschmack bekommen hat“, so Monika Lelonek. Sie hat 2009 zusammen mit Petra Göring in Halle die SmartMembranes GmbH gegründet. Die beiden Chemikerinnen betreiben Nanotechnologie pur. Aber unter weniger offensichtlichem Namen.

Lelonek und Göring produzieren feinste Membranen aus Silizium und Aluminiumoxid. Deren Poren sind derart fein, dass sie Viren und kleinste Partikel aus Wasser und Gasen filtern. Die Porengröße, Dicke und Porosität der Membranen kann das Duo exakt den Anforderungen ihrer Kunden anpassen. Bisher kommen diese aus Umwelttechnik- und Biotech-Labors oder es sind Sensor-Hersteller, die mit den Nanomembranen das Gespür ihrer Produkte verfeinern wollen.

„Wir haben an Hochschulen und Forschungsinstituten über ein Jahrzehnt an unserem Verfahren gearbeitet“, erklärt Lelonek. Es handele sich um einen hoch sensiblen Prozess, in dem sich jede noch so kleine Änderung der Randparameter negativ auswirke. Entsprechend schwer war es, das Verfahren aus dem Labormaßstab zur kommerziellen Anwendung zu entwickeln. Patentiert haben sie es trotzdem nicht. Sie wollen den Wettbewerb nicht unnötig mit Details versorgen. „Wir zielen mit äußerst komplexem Know-how auf einen Nischenmarkt und müssen dafür sehr teure Geräte anschaffen“, sagt sie. Es sei unwahrscheinlich, dass sich hier Nachahmer finden.

Gerüstet mit Beteiligungskapital einer VC-Gesellschaft und einem Förderkredit der Landesbank Sachsen-Anhalt gehen die Gründerinnen voll ins Risiko. Siebenstellig investieren sie in Geräte und den Umbau ihrer Räumlichkeiten im Technologie- und Gründerzentrum Halle. Damit sind sie typische Nano-Gründer: hoch spezialisierte Wissenschaftler, die ihre Nische im Nano-Markt erobern wollen und dafür viel aufs Spiel setzen.

„Nanotech-Start-ups haben meist sehr hohen Kapitalbedarf“, erklärt Michael Flach, Investment Manager der auf Nanotechnologie spezialisierten VC-Gesellschaft Nanostart. Die Finanzierung sei wohl die schwierigste Hürde für Gründer. Eine aktuelle Studie der Initiative nano4women & Entrepreneurship im Auftrag des BMBF kommt zur selben Einschätzung: Der Kapitalzugang für Nano-Gründer sei hierzulande schwierig und liege im Vergleich zu den USA und Asien weit zurück. Nur acht Finanzierungsrunden im Nano-Bereich habe der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) 2008 veröffentlicht, im Jahr darauf gar nur noch fünf.

Die Hallenserinnen haben die Finanzierungshürde vergleichsweise leicht übersprungen. Wohl auch, weil sie sich früh in Netzwerke begaben. So nahmen sie schon 2007 an einer der Nano-Entrepreneurship-Academies (NenA) teil, die nano4women regelmäßig veranstaltet. Mit diesen einwöchigen Workshops will die Initiative Naturwissenschaftlerinnen für Nano-Gründungen begeistern. Lelonek und Göring entwickelten hier ihre Idee zum Geschäftskonzept und knüpften Kontakte zu Investoren und Förderern. Später erhielten sie als Fraunhofer-Spin-off ein Jahr Gehalt und Coachings von Fraunhofer Venture. So konnten sie ihren Businessplan in Ruhe ausarbeiten. Als der so weit war, stellten sie ihr Vorhaben auf diversen Investoren-Foren vor – und fanden, was sie suchten.

„Die Unterstützung war wichtig“, so Lelonek. Dadurch hätten sie als Naturwissenschaftlerinnen Mut zum Gründen gefasst und ihren Blick früh auf kaufmännische Fragen gelenkt. Der Schritt aus der Forschung zur eigenen Produktion sei größer als gedacht. „Bislang hatten wir immer vorhandene Geräte und Labors genutzt. Plötzlich mussten wir uns Gedanken über die Preise der Geräte, technische Hintergründe oder um Details wie das Luftvolumen der Abzüge unseres Labors machen“, sagt sie. Auch in betriebswirtschaftlichen Fragen hätten sie als Chemikerinnen viel Neuland betreten.

Auch in dieser Hinsicht ist das Duo typisch. Flach prüft jährlich an die 100 Businesspläne von Nanogründern aus aller Welt. Immer wieder stößt er auf ein großes Manko: „Vielen Teams fehlt der kaufmännische Part. Sie fokussieren sich auf Forschung & Entwicklung, vernachlässigen aber Überlegungen zur Vermarktung ihrer Verfahren und Produkte“, erklärt er.

Grundsätzlich sieht der Experte Nanotechnologie als gutes Gründerthema. „Die Entwicklungen sind für Entwicklungsabteilungen von Konzernen oft zu langwierig“, erklärt er. Gründer hätten den längeren Atem und könnten Märkte mit weniger scharfem Renditedruck erschließen. Das sehen offensichtlich auch viele junge Forscher so. Denn obwohl längst Konzerne im Nanomarkt mitmischen, rücken ständig neue Spin-offs aus Unis und Forschungsinstituten nach. Allein von den bisher 91 NenA-Teilnehmerinnen schmiedet ein Drittel konkrete Gründungspläne. Auch in regionalen Nano-Clustern, die sich bundesweit um Forschungsinstitute und Großunternehmen bilden, herrscht reges Gründertreiben. So gingen aus dem Center for NanoScience (CeNS) der LMU München in den letzten zehn Jahren neun Start-ups hervor. Und in Dresden stieg die Zahl der Nano-Betriebe laut nano4women-Studie zuletzt sogar innerhalb eines Jahres von 69 auf 85. An ostdeutschen Standorten wie Jena, Potsdam, Chemnitz und Dresden machen die Autoren eine besondere Gründungsdynamik aus. Allerdings relativiert sich diese beim Blick auf die Nanomap des BMBF (s. u.). Denn nicht nur im Osten entern Gründer das Nano-Reich. Sie tun es überall. PETER TRECHOW

www.nano-map.de

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