Gründer 10.08.2001, 17:30 Uhr

Start-up unter der Sonne?

Deutsche zieht es seit jeher nach Spanien – in den Ferien. Jetzt entdecken auch IT-Gründer die Iberische Halbinsel. Aber nur für wenige scheint die Sonne auch geschäftlich.

Über 7200 Deutsche hat es nach Angaben des deutschen Statistischen Bundesamts alleine im vergangenen Jahr nach Spanien getrieben. Einige eröffnen einen Kiosk oder ein Café am Strand von Palma, andere betätigen sich im boomenden Immobilien-Geschäft. Diese Art deutscher Unternehmensgründungen hat eine lange Tradition. Neu auf der Iberischen Halbinsel sind teutonische Vertreter der New Economy. Vor allem Madrid, Mallorca und Barcelona entwickeln sich zum Treffpunkt für Programmierer, E-Commerce-Firmen und Web-Dienstleister.

Angesiedelt hat sich etwa die 28-jährige Sabine Schumann. Seit vergangenem Jahr steuert die Hobby-Seglerin von Barcelona aus eine europäische Plattform im Internet für den Verkauf und Verleih von Booten. „Spanien ist für uns nicht nur aufgrund der Mittelmeer-Lage als Standort einfach ideal.“ Auch die weniger strengen Anforderungen an das minimale Startkapital sprächen für das Sonnenland. So genügten für die Gründung einer GmbH (Sociedad Limitada, S.L.) knapp 6000 DM. In Deutschland ist ein Stammkapital von 25 000 Euro erforderlich.

Doch es ist nicht alles Gold was glänzt – Sonne hin oder her. Die Gründungsinvestitionen seien zwar überschaubarer, meint auch Erik Bender, Gründer von Palmanet. „Dafür können die Produkte aber auch nur zu geringeren Preisen als in Deutschland vertrieben werden.“

Außerdem: Spanien hat nie einen Gründerboom wie die USA, Deutschland oder Großbritannien erlebt. Das Land nimmt in Sachen Forschung und Entwicklung einen der hinteren Plätze in Europa ein. Die Mentalität der Spanier ist wenig geschäftsfördernd. „Sie sind sehr sicherheitsbedürftig, trauen dem Zahlungsverkehr übers Web noch weniger als die Deutschen“, so der 27-jährige Chris­topher Pommerening. Er hat gerade den Chef-Sessel der ersten ausländischen Niederlassung der Scout24-Holding in Barcelona übernommen.

Einen großen Misserfolg in Sachen E-Commerce musste Bertelsmanns virtueller Buchladen Bol hinnehmen. Weil die Spanier das Web relativ wenig nutzen und außerdem ungern lesen, konnte das Konzept der Gütersloher keinen Erfolg haben. Die Filiale in Barcelona mit 27 Angestellten wurde nach zweijähriger Tätigkeit geschlossen.

Steigende Inflation und ein stagnierendes, niedrigeres Lohnniveau – teilweise 50 % unter dem deutschen Standard – machen das Leben inzwischen teuer. Und: Eine 40-Stunden-Woche sowie die in Spanien übliche Mittagspause von zwei Stunden schränkt die verfügbare Freizeit ein, der Jahresurlaub ist mit gesetzlich vorgeschriebenen 22 Arbeitstagen relativ knapp bemessen. „Man sollte sich deswegen unbedingt überlegen, ob man mit der Geschäftsidee nicht nur einen Vorwand sucht, um möglichst viele Tage am Strand zu verbringen“, rät Ursula Müller-Breitkreuz, Delegierte der deutschen Handelskammer auf Mallorca, allen naiven Spanien-Schwärmern. Viele begingen auch den Fehler, ohne Spanischkenntnisse starten zu wollen.

Gut beraten ist, wer gleich mit mehreren Sprachen gegenüber den immer noch wenig internationalen Spaniern auftrumpfen kann. „Mein Kundenkreis ist so viel größer“, sagt etwa die 41-jährige Dolmetscherin Iris Reichel, die vor neun Jahren ihre eigene PR-Agentur in Madrid gegründet hat und unter anderem internationale Kommunikations-Strategien entwickelt.

Auf Finanzierungsprobleme weist Oliver Helfrich hin: „Gerade an fehlendem Risikokapital sind bereits einige gescheitert“, so der in Madrid ansässige Rechtsanwalt und Berater deutsche Gründer. „Fast alle meine Kunden aus der Informationstechnologie mussten früher oder später zumachen oder wurden aufgekauft.“ Bankkredite bekommt in Spanien nur, wer ein umfassendes Vermögen als Garantie anbieten kann. Weil die Familien meist die Funktion von „Business Angels“ einnehmen, steht ein ausländischer Gründer, wenn er nicht über ein ausgeprägtes Netzwerk verfügt, schlechter da.

Wenn Deutsche überhaupt einen klaren Vorteil gegenüber den Spaniern haben, dann ist es ihr guter Ruf in Sachen Business, glaubt Peter Stengele von der deutschen Multimedia-Agentur ElephantSeven, die unter anderem von Barcelona aus die internationale Internet-Strategie von Seat betreut: „In Sachen Qualität misstrauen die Spanier immer noch den Produkten ihrer Landsleute.“ Ein gutes Beispiel dafür sei Nivea. Statt im Supermarkt zur in Spanien hergestellten blauen Traditions-Dose zu greifen, ließen viele sie sich lieber „original“ aus Deutschland mitbringen, mit dem Irrglauben: „Wenn es dort produziert wird, ist die Creme auch sicher besser.“

STEFANIE MÜLLER/sta

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