Start-up-Porträt 12.04.2013, 10:59 Uhr

Solare Dampf- und Kälteerzeuger für die Industrie

Die Freiburger Industrial Solar GmbH entwickelt und vertreibt hoch effiziente solare Wärme-, Dampf- und Kälteerzeuger. Die leichten Aufdach-Anlagen werden der Sonne nachgeführt und erzeugen mit Fresnel-Kollektoren Prozesswärme bis 400 °C. Im Jahr vier nach dem operativen Start erfreuen sich die Gründer dank Kooperationen mit internationalen Vertriebspartnern weltweit wachsender Kundschaft.

Foto: Industrial Solar GmbH

„In der Regel ergänzen unsere Fresnel-Kollektoren die bestehenden Wärme- oder Kälteerzeugungssysteme unserer Industriekunden“, sagt Tobias Schwind, Mitgründer der Freiburger Industrial Solar GmbH. Solare Wärme oder Kälte helfe Kunden, sich von fluktuierenden Brennstoffpreisen unabhängig zu machen und ihren CO2-Ausstoß zu senken.

Dank einer ausgefeilten Spiegelkonstruktion mit automatischer Sonnennachführung erhitzen die Kollektoren des Start-ups in Rohren geführtes Wasser oder Thermoöl. Wahlweise erzeugen sie bei Temperaturen von 400 °C auch Dampf. Wird keine oder weniger Wärme benötigt, lassen sich die Spiegel aus der Sonne kippen. Neben dieser Steuerbarkeit preist Schwind weitere Vorteile an: Fresnel-Kollektoren bräuchten gegenüber Parabol-Systemen ein Drittel weniger Fläche, seien weniger windanfällig und dank ihres geringen Gewichts problemlos auf Dächer montierbar.

Das Prinzip der Kollektoren ist schnell erklärt. Auf einer Grundfläche von 4 m x 7,5 m sind pro Modul elf jeweils 4 m lange schmale Spiegel installiert. Sie lenken das Sonnenlicht auf ein 4 m darüber angebrachtes Vakuum-Absorberrohr. Eine weiterer, darüber angebrachter halbrunder Spiegel lenkt vorbei strahlendes Licht auf das Rohr um. Letzteres absorbiert über 95 % der reflektierten Solarstrahlung und überträgt sie aufs jeweilige Medium.

Standardmäßig werden 22 solcher Module zu einem dann knapp 90 m langen Kollektorstrang verbunden. Mit 27 kg/m² eine leichte, leistungsfähige Lösung. Pro Modul liegt der thermische Output bei 12,3 kWpeak. „Auf einem Fabrikdach mit 13 500 m² Fläche summiert sich die Peakleistung auf fast 4 MWth“, so Schwind.

Der potenzielle Markt ist groß. Drei Viertel des industriellen Energiebedarfs entfallen auf die Erzeugung von Wärme und Kälte. Laut Schwind sind bei 57 % der Prozesse Temperaturen bis 400 °C gefragt. „Überall hier kommen unser Systeme infrage, zumal wir unsere Wärme nahe am Boiler einspeisen“, erläutert er. Die Anbindung am Anfang der Wärmekette lasse dann eine kaskadierende Nutzung über mehrere Hoch- bis Niedertemperaturprozesse hinweg zu. „Unsere Technik fügt sich in bestehende Infrastruktur ein“, so der Gründer.

Auch wenn erste Kunden in Deutschland Kollektoren von Industrial Solar auf dem Dach haben, sehen Schwind und Gründungspartner Christian Zahler die wichtigsten Absatzmärkte im Ausland. „Unsere Vertriebsschwerpunkte liegen auf sonnenreichen Gebieten mit hoher Direktstrahlung, etwa im Mittelmeerraum, südliches Afrika, in Zentral- und Südamerika sowie in Indien und den Südwesten der USA“, so Schwind. Kunden können dort mit Amortisation binnen fünf bis sieben Jahren rechnen. In nördlichen Gefilden dauert sie eher ein Jahrzehnt danach allerdings liefern die auf 20 Jahre Laufzeit ausgelegten Systeme Prozesswärme quasi zum Nulltarif.

Um als Start-up mit 15 Mitarbeitern weltweit agieren zu können, hat das Duo früh globale Vertriebspartner gesucht und gefunden – darunter Dürr und den japanischen Technologiekonzern Kawasaki. Beide runden ihr Portfolio mit den Anlagen von Industrial Solar ab. So setzt die Dürr AG auf die Hochtemperatur-Kollektoren der Freiburger, um regenerative Prozesswärme für die Trockenöfen in Lackieranlagen zu gewinnen.

Wie im Vertrieb setzt Industrial Solar auch in Finanzierungsfragen auf strategische Partner. Vor zwei Jahren stieg Centrotec Sustainable als Minderheitsgesellschafter ein. Die Sauerländer zählen diverse Unternehmen aus der Klimatisierungs- und Ablufttechnik zu ihren Töchtern. Als Muttergesellschaft ist seit Gründung auch die PSE AG dabei, die Teststände und Beratungsleistungen für die Solarbranche anbietet.

Noch als Mitarbeiter der PSE hatte Zahler die Fresnel-Kollektoren zur Marktreife gebracht. Erste Kundenprojekte waren bereits realisiert, als er 2008 in Abstimmung mit dem PSE-Vorstand die Ausgründung von Industrial Solar in die Wege leitete.

Für den kaufmännisch-strategischen Part gelang es, Schwind bei Fraunhofer-Venture loszueisen. „Nachdem ich dort als Investment-Manager acht Jahre lang viele Start-ups betreut hatte, hat es mich gereizt, wieder selbst operativ tätig zu werden“, so Schwind. Seine Erfahrungen und sein Netzwerk setzt er nun ein, um das globale Geschäft von Industrial Solar zu entwickeln und Vertriebspartnerschaften einzuleiten. Zahler kümmert sich ebenfalls um den Vertrieb und leitet die technische Entwicklung sowie das konkrete Engineering der Kundenprojekte.

Bisher geht das Konzept auf. Vier Jahre nach ihrem Start blicken die Gründer auf Projekte in drei Kontinenten zurück, darunter in Südafrika, Qatar sowie in Südeuropa und Deutschland. Und das, obwohl sich die Projekte von Planungsbeginn bis Umsetzung teils Jahre hinzogen. „Die Nachfrage steigt kontinuierlich“, freut sich das Gründerduo. Der Fokus habe sich in letzter Zeit vom solaren Kühlen in Richtung Wärme- und Dampferzeugung verschoben. „Die Botschaft, dass wir mit unseren Kollektoren deutlich höhere Temperaturen als das Gros des Wettbewerbs bereitstellen können, kommt an“, so Schwind.  PETER TRECHOW

Von Peter Trechow
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