Gründer 01.02.2008, 19:33 Uhr

Software-Genossen  

Neben Intershop arbeiten dort inzwischen auch 22 Start-ups der Genossenschaft „TowerByte“. Ihr Umsatz übersteigt inzwischen den des ehemaligen Hauptmieters. Um weitere Gründungen zu unterstützen, haben einige der Firmenchefs jetzt sogar eine kleine VC-Genossenschaft gegründet.

Die Geschichte von Intershop gleicht einem bittersüßen Traum. Anfang der 90-er Jahre als PC-Vertrieb gestartet, schuf das Gründertrio Stephan Schambach, Karsten Schneider und Wilfried Beeck Mitte der 90-er Jahre eine E-Commerce-Software, gewann Großkunden, ging 1998 erfolgreich an die Börse. Dort war Intershop zeitweise so hoch notiert wie Volkswagen, beschäftigte 1200 Mitarbeiter und setzte auf bedingungsloses Wachstum. Dann der Absturz: Die Börse ließ die New-Economy fallen, Milliarden zerrannen. Geblieben ist ein Betrieb, der Software und Dienstleistungen rund um den Onlinehandel anbietet, 225 Leute beschäftigt, 300 Kunden bedient – und weiterhin tiefrote Zahlen schreibt. Soweit, so schlecht.

Doch Intershop steht auch im Zentrum einer ganz anderen Geschichte. Einige der freigesetzten Mitarbeiter verabschiedeten sich nämlich mit einem lachenden Auge. Darunter etwa Personalchef Reinhard Hoffmann, Chefentwickler Frank Gessner und Pressesprecher Heiner Schaumann. Sie alle gründeten Unternehmen und blieben in Jena. Insgesamt wurden inzwischen rund 30 Firmen von Ex-Intershoplern aufgebaut. Zwei Drittel davon sind in der Genossenschaft „TowerByte“ zusammengeschlossen, die im 159 m hohen Intershop-Tower residiert. Die Genossenschaftsidee geht auf Reinhard Hoffmann zurück. Der Personalchef gründete nach seinem Ausstieg bei Intershop die TowerConsult GmbH, die Personalmarketing und Recruitment für IT-Unternehmen betreibt. Als Personaler suchte er nach Wegen, um die vielen guten Entwickler in der Stadt zu halten, die sein Ex-Arbeitgeber nach und nach entließ.

Also sprach er Kollegen an, die gegründet hatten oder gründen wollten, um gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen: Frank Gessner, dessen Alea GmbH ein Rundum-Softwarepaket für Versandhändler entwickelt. Heiner Schaumann, der eine PR-Agentur leitet. Oder Karsten Schneider, der sich nach Intershop als Seriengründer betätigt und unter anderem den Fotoservice Pixaco für gutes Geld an Hewlett-Packard verkauft hat. Insgesamt gelang es Hoffmann, sieben Firmen mit damals 14 Mitarbeitern zusammenzutrommeln. „Statt allein vor uns hinzuarbeiten, wollten wir aktiv Vorteil aus unserem Netzwerk ziehen“, erklärt Hoffmann. Das begann damit, dass die genossenschaftlichen Gründer gute Mietkonditionen im Tower aushandelten, ging damit weiter, dass sie sich jeweils gegenseitig bei ihren Kunden ins Spiel brachten und mit Aufträgen versorgten. „Dank unserer vielfältigen Kompetenzen können wir auch große Projekte stemmen und dabei kurzfristig die nötigen Spezialisten aufbieten“, wirbt der TowerByte Vorstandschef.

Mit den Projekten wuchs der Zusammenhalt, und die Genossenschaft zog immer mehr Mitstreiter an. Heute setzen 22 Mitgliedsunternehmen über 15 Mio. € um und beschäftigen 250 Mitarbeiter. Damit hat TowerByte den Nachbarn Intershop überflügelt. Der Zuwachs geht auch darauf zurück, dass sich das gute Gründungsklima in den benachbarten Hochschulen herumsprach. Jeder vierte Einwohner Jenas studiert. Viele der angehenden Akademiker zog es wegen der regen E-Commerce-Szene in die Stadt. So auch Christian Grötsch, der während seiner Ausbildung als Software-Entwickler bei Intershop arbeitete. Anschließend verließ er kurz die Stadt, kehrte als Gründer einer IT-Beratung aber schnell in den Tower zurück. Binnen zwei Jahren wuchs seine dot.source GmbH von zwei auf 20 Mitarbeiter und arbeitet dabei profitabel.

Um weitere Gründer zu unterstützen, haben die Software-Genossen letzten Herbst ein neues Projekt angestoßen: „TowerVenture“ (siehe Kasten rechts). „Zwölf Mitglieder haben in einen Topf gezahlt, aus dem wir Gründungen in der Seedphase Starthilfe geben“, so Schaumann. Die Nachfrage ist enorm: Obwohl die VC-Genossenschaft erst seit vergangener Woche offiziell eingetragen ist, hat sie schon vier Gründern eine Anschubfinanzierung gewährt. „Die Entscheidungsfindung geht bei uns schnell, weil wir alle aus der Branche kommen, unterschiedlichste Erfahrungen und Spezialisierungen mitbringen und uns durch unsere langjährige Zusammenarbeit vertrauen.“ Neben dem Frühphasen-Engagement bahnt die Genossenschaft auch über ihr Netzwerk Finanzierungen an. Unter anderem hat Karsten Schneider ein Gutteil des Erlöses aus dem Pixaco-Verkauf in seine Beteiligungsgesellschaft Argiv gesteckt, mit der er jetzt Start-ups finanziert. Und es gibt enge Kontakte zum European Founders Fund der Jamba-Gründer Alexander, Marc und Oliver Samwer. PETER TRECHOW

Rund 30 IntershopAbleger haben sich in Jena angesiedelt

 

Von Peter Trechow

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