Start-up 25.02.2011, 19:51 Uhr

Social Entrepreneurs: Finanzielle Rendite ist nicht alles

Sozialunternehmer wollen Werte schaffen abseits von schnöden Bankkonten. Sie wollen der Gesellschaft einen Dienst erweisen. Ihre Zahl steigt – allerdings nur langsam. Es fehlt an Förderern und Finanzierern.

Viel ist es nicht, was am Monatsende auf dem Konto von Gregor Hackmack ankommt: Rund 3000 € brutto erhält der Gründer und Geschäftsführer des Hamburger Unternehmens Parlamentwatch GmbH derzeit. Sein früherer Job als Marktforscher auf Tageshonorarbasis war deutlich lukrativer. Doch Geld ist nicht alles für den Politikwissenschaftler. Was ihn antreibt, ist die soziale Rendite seiner Arbeit, der gesellschaftliche Mehrwert, den sein Engagement erwirtschaftet.

Das Abenteuer Selbstständigkeit begann für Hackmack 2004. Zur damaligen Hamburger Bürgerschaftswahl startete er das Portal „Abgeordnetenwatch“. Es gibt Bürgern die Möglichkeit, deutsche Abgeordnete verschiedener Parlamente öffentlich zu befragen. Inzwischen ist aus dem ehrenamtlichen Projekt ganz offiziell ein Unternehmen mit derzeit fünf festen und 15 freien Mitarbeitern geworden. Das Startkapital in Höhe von knapp 200 000 € stellte die Münchener Social Venture Capital Gesellschaft BonVenture Management GmbH. Einzige Bedingung: Die Gründer mussten selbst finanziell ins Risiko gehen. Das wiederum ermöglichte ihnen die GLS-Bank, die nach eigenen Angaben „erste sozial-ökologische Universalbank der Welt“. Sie gab den Gründern ein durch Privatbürgschaften abgesichertes Darlehen von 50 000 €.

Die laufende Finanzierung der Parlamentwatch GmbH fußt auf unterschiedlichen Säulen. Als feste Einnahmequelle dienen einerseits die Volksvertreter selbst: Wer mit Bild für sich werben möchte, wird mit einem Spenden-Obolus von 175 € bei Landtagswahlen sowie von 200 € bei Bundestagswahlen zur Kasse gebeten. Hinzu kommen Beiträge aus einem Förderverein, Erlöse aus Internetwerbung, Gebühren aus bislang zwei Auslandsprojekten sowie öffentliche Fördermittel.

Hackmack gehört zu einer neuen Generation von Unternehmern. Er ist ein „Social Entrepreneur“. Diese kümmern sich weltweit u. a. um die Bereiche Bildung, Ökologie oder Menschenrechte.

Die meisten Social Entrepreneurs sind auf öffentliche, meist projektgebundene Gelder von Bund, Ländern oder Kommunen, auf die Einwerbung von Zuwendungen von Stiftungen und Privatspenden oder auf Förderbeiträge von Mitgliedern angewiesen. Eine Anschub- oder gar Expansionsfinanzierung zu erhalten, gleicht einem Lottosechser.

„Das Dilemma ist, dass sie zu sozial sind für klassische Geldgeber und zu wirtschaftlich für traditionelle soziale Geldquellen“, sagt Felix Oldenburg, Geschäftsführer von Ashoka. Ashoka ist eine seit sieben Jahren auch in Deutschland aktive internationale Non-Profit-Organisation. Sie sucht und fördert seit 1980 in fast 70 Ländern Frauen und Männer, die mit innovativen, replizierbaren Konzepten gesellschaftliche Probleme lösen. Diese so genannten Ashoka Fellows (Stipendiaten) erhalten von Ashoka finanzielle Unterstützung, Beratung und Anschluss an Netzwerke im sozialem Sektor, in Wirtschaft und Wissenschaft, damit sie ihre Projekte verbreiten können. Hackmack ist Ashoka-Stipendiat.

Die Unterstützungsangebote für Sozialunternehmer sind in den letzten Jahren zwar vielfältiger geworden, ausreichend sind sie aber nicht. „Es fehlt die staatliche Unterstützung für innovative Finanzierungsmodelle. Außerdem gibt es zu wenig Intermediäre. Der gesamte Sektor würde sich rasch entwickeln, wenn mehr Investoren bereit wären, in Social Venture Capital zu investieren“, konstatiert Erwin Stahl, Geschäftsführer der BonVenture Management GmbH.

Das wirtschaftliche Ziel von BonVenture ist Kapitalerhalt – nicht mehr. Potenzielle Überschüsse kommen neuen Projekten zugute. Geldgeber sind in der Regel vermögende Privatinvestoren, die erfolgreich unternehmerisch tätig waren und nun einen Teil ihres Kapitals an die Gesellschaft zurückgeben wollen.

Die Zahl der „sozialen Wagniskapitalgeber“ in Deutschland lässt sich an einer Hand abzählen. Neben BonVenture sind etwa noch die ebenfalls in München ansässigen Social Venture Management GmbH oder der Neusser Auridis GmbH aktiv.

Allein bei BonVenture landen pro Jahr rund 400 Finanzierungsanfragen. Beteiligt haben sich die Münchener bislang an 13 Unternehmen. Investiert wurden 15,5 Mio. €. Sieben weitere Unternehmen werden von der Tochtergesellschaft BonVenture gGmbH unterstützt. An sie werden alle auf Fondsseite erzielten Überschüsse gespendet.

Auch Ashoka-Geschäftsführer Oldenburg fordert mehr staatliche Unterstützung. „Wir brauchen ein Förderprogramm mit maßgeschneiderten Start- und Wachstumsfinanzierungen für Sozialunternehmer, denn es kann nicht sein, dass wir für For-Profit-Unternehmen Millionenfonds haben und für Non-Profit-Start-ups nichts.“ H. PAULUS/sta

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