Gründer 10.12.1999, 17:23 Uhr

Silicon Valley liegt mitten in Berlin

Aus Berlin soll das Silicon Valley der deutschen Internet-Szene werden. Mit dem Gründerclub Silicon City wollen Jungmanager Start-ups unterstützen.

Der süße Geruch des Geldes lagert schwer über den rauchenden Köpfen in den überfüllten Räumen. Erst am späten Abend mischt sich die Luft mit dem Duft der blechweise angekarrten Pizza Napoli. „Hier kann man die echten Entscheidungsträger treffen, nicht die Assistenten oder Portfoliomanager“, freut sich Oliver Samwer, Mitbegründer von Alando.de, dem Betreiber von eBay.de, dem deutschen Ableger der US-Auktionsplattform.
Wie Jungunternehmer an die Umsetzung ihrer Ziele gehen, konnten die auserwählten Geladenen des „1. Gipfeltreffen der Internet-Start-ups“ Ende November in Berlin hautnah erleben. Für die informelle Zusammenkunft hatten die Macher von eBay.de extra ihre Fabriketage in einem Kreuzberger Hinterhaus leer geräumt und mit Oktoberfest-Garnituren ausgestattet. Von den Tischen hingen Schmierzettel mit den Namen der wichtigsten Venture-Kapital-Firmen und bereits etablierter Webcompanies wie Yahoo. Umstürmt wurden die dort anzutreffenden Schlipsträger von den zahlreich aus Hamburg, Köln oder München angereisten Existenzgründern, die ihre Ideen in bare Münze umtauschen wollten. „20 % Beteiligung gegen fünf Millionen“, hörte man den einen oder anderen abseits vom Getümmel raunen.
Start-ups wie Alando aus dem Internet-Bereich sorgen seit dem Sommer selbst dafür, dass der anspornende Wind aus dem Silicon Valley auch durch Deutschland bläst: Über 40 Jungunternehmen und potentielle Existenzgründer haben sich auf Anregung von eBay, datango.de und Ovivo aus Berlin zum Silicon City Club (www.siliconcity.de) zusammengeschlossen. Im Vordergrund der Initiative, die den Segen von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller hat, steht die Vernetzung Gleichgesinnter. Und die Hoffnung auf das schnelle Geld.
Um Geld braucht sich der junge Mann im eBay-T-Shirt selbst keine Gedanken mehr zu machen, seit die kalifornische Auktionsfirma eBay in das Berliner Start-up Alando im Frühjahr eingestiegen ist. Längst sind Oliver Samwer und sein Gründungsteam zum Vorbild für viele der Versammelten geworden, die alle durch einen Börsengang oder den Aufkauf durch eine größere Firma zu Millionären werden wollen.
Nicht ohne Stolz sehen sich die Mitglieder des Silicon City Clubs als Pioniere einer neuen Gründergeneration. Im Berliner Szeneverbund sollen Treffen zwischen Jungunternehmern und Geldgebern in Zukunft alle zwei Monate in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München stattfinden.
„Die Geschwindigkeit, mit der wir im Internet-Zeitalter Unternehmen aufbauen, war noch nie da“, erläutert Alexander Artopé von datango.de die Beweggründe für den Start-up-Verbund. „Da ist man sehr dankbar dafür, wenn man mit anderen, die schon eine Stufe weiter sind oder gerade dasselbe durchmachen, Erfahrungen austauschen kann.“ Viele der Gründer hätten bereits in den USA gearbeitet oder studiert und die dort herrschende „absolute Offenheit“ zu schätzen gelernt. „Im Silicon Valley reden alle mit allen, auch Konkurrenten wissen übereinander Bescheid“, hat Artopé während seiner Aufenthalte in Kalifornien erfahren. Dadurch entstehe eine „sportliche Wettbewerbssituation“, durch die sich letztlich der Wert der gesamten Industrie steigere.
An Selbstvertrauen mangelt es den meisten schon heute nicht. „Wir sind ein Start-up, keiner ist schneller als wir“, behauptet etwa Michael Stephanblome, der zusammen mit seinem Team von Urbia.com eine Familienplattform im Web aufbaut. „Wenn wir heute eine neue Idee haben, steht morgen schon der Prototyp im Netz.“
Kaum weniger bescheiden tritt Ursula Triller auf, die „Frontfrau“ der erst im September gestarteten, virtuellen Jobbörse worldwidejobs (http://www.wwj.de). „Wir haben die bisherigen Marktführer bei Online-Stellenangeboten abgehängt“, verkündet die ehemalige Wirtschaftsjournalistin, die auf dem Gipfeltreffen gerade das zweite Beteiligungsangebot eines Kapitalgebers erhalten hat. Worldwidejobs sei nämlich die erste Jobbörse im Web, die sowohl für Stellensucher als auch für Firmen mit freien Stellen kostenlos sei und sich über Werbung finanziere. Über 60 000 Angebote seien so bereits abrufbar. Das habe die Konkurrenten von Jobs&Adverts und vom Jobpilot, die Stellenanzeigen gegen Geld akquirieren, ins Schlingern gebracht.
Von ähnlichen Erfolgen muss Stephan Wrage noch träumen. Eine Idee hat der Dresdner zwar schon, „eine Kommunikationslösung von Anwender zu Anwender im Internet“. Genaueres will er aber noch nicht verraten, es sei einfach noch zu früh. Nach Berlin ist er gekommen, um mal zu hören, „was von den Venture-Kapitalisten so verlangt wird“. Kontakte hat er geknüpft, Kapital werde ganz bestimmt fließen, ist sich Wrage sicher. Damit er den Start seines Dienstes, den er schon in ein oder zwei Monaten einplant, in dieser Geschwindigkeit auch schafft, hofft er nun, von seinen „Vorreitern“ Unterstützung beim Aufbau des Unternehmens zu erfahren. „,Wie kriege ich meine Millionen?“, ist nur einer der Punkte, um den wir uns hier kümmern“, erklärt Samwer. Wichtiger sei für viele noch zu erfahren, wie man einen Vermarktungsdeal mit AOL oder Yahoo hinbekommt.
Die Geldversorgung scheint für die über 40 Start-ups im Silicon City Club tatsächlich kein Problem zu sein. Der Markt für Risikokapital boomt in Deutschland, allein während des Gipfeltreffens wurden Geschäfte im Wert von mehr als 100 Mio. DM angebahnt. Einzelne Kapitalgeber wollen deswegen mehr bieten als reines Geld und so den Gründern die Startphase erleichtern. „Wir helfen bei der Markteinführung und erklären, wie man eine Idee richtig gegenüber Partnern und der Presse kommuniziert“, erläutert Thomas Heilmann das Prinzip des Inkubators, einer Art Brutstätte für Unternehmen im Kükenstadium. Wenn es sein müsse, besorge seine Firma, die Berliner Econa AG, sogar Räumlichkeiten und einen erfahrenen Manager.

Mehr als vier Stunden Schlaf sind im Moment nicht drin“

Der Erfolgsdruck auf die finanziell versorgten Jungunternehmer ist tatsächlich groß, so dass mancher die Brutkastenwärme gebrauchen könnte: „Man rennt und rennt und rennt“, stöhnt Samwer. Schließlich seien Wettbewerbsvorteile im Internet kaum über einen Zeitraum von mehr als zwei, drei Monaten zu halten. „Mehr als vier Stunden Schlaf sind momentan nicht drin“, brummelt auch Jens Dissmann, einer der Gründer der Verbraucherplattform Amiro.de, in einer Mischung aus Stolz und Sehnsucht nach dem nächsten Kaffee.
„Da prasseln tausend Fragen in der ersten Phase auf einen ein“, weiß auch Artopé ein Lied vom dornigen Weg zum Millionär zu singen. Toll sei es da, findet Boris Wasmuth vom Amiro-Konkurrenten Dooyoo.de, „wenn man auch nachts um Drei noch bei Freunden aus dem Club anrufen kann.“ Wer könne einem sonst weiterhelfen, wenn kurz vor dem Launch der Plattform der Webmaster kündige oder die Anschubfinanzierung schneller als erwartet verbraucht sei? Eine Enttäuschung nimmt der Unternehmer mit dem Teenie-Gesicht aber vom Start-up-Treffen, das in den nächsten Monaten in anderen Silicon-Cities mit hoher Existenzgründerdichte stattfinden soll, mit zurück ins Büro: Die Mitbewerber von Ciao.com, der dritten Online-Verbraucherberatung aus München, habe er mal nach ihren Erfahrungen fragen wollen. Seine Begrüßung sei aber nicht einmal erwidert worden. STEFAN KREMPL
Erfolgreiche Jungunternehmer wie die Crew von eBay in Berlin sind die Leitbilder für die Internet-Szene in Deutschland. Die es bereits geschafft haben, wollen nun Newcomer im Gründerclub Silicon City unterstützen.

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