Mittelstandsfinanzierung 04.09.2009, 18:29 Uhr

Schuldschein als Kapitalquelle  

Viele Unternehmen beklagen die restriktive Kreditvergabe der Banken. Sie sind gezwungen, alternative Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen. Schuldscheindarlehen gewinnen deshalb zunehmend an Bedeutung. VDI nachrichten, Düsseldorf, 4. 9. 09, sta

„Die Dynamik der Kreditvergabe an Unternehmen hat sich deutlich abgeschwächt“, meint Reinhard Kudiß, Finanzierungsexperte beim BDI. „Die Rettungspakete der Regierung haben noch nicht im gewünschten Maße zu einer Belebung der Neukredite geführt.“ Laut einer Erhebung des Münchener Ifo-Instituts beklagen rund 50 % aller Firmen eine restriktive Kreditvergabe der Banken.

Konsequenz ist, dass viele Betriebe alternative Finanzierungsquellen suchen. So kletterte gegenüber dem Vorjahr in Europa das Emissionsvolumen von Unternehmensanleihen um 36 % auf 239 Mrd. $. Aber auch Schuldscheindarlehen kommen in Mode. Anders als Anleihen werden sie nicht an der Börse gehandelt. Investoren halten die Schuldscheine bis zum Ende der Laufzeit. Diese beträgt in der Regel zwischen zwei und acht Jahre. „Ein vorzeitiges ordentliches Kündigungsrecht ist ausgeschlossen“, so Christoph Zender, Leiter Kapitalmarktfinanzierung bei der Landesbank Baden-Württemberg. Die Verzinsung liegt meist knapp über Kapitalmarktniveau.

Die Käufer dieser Papiere sind überwiegend Banken aber auch Pensionskassen, Versicherungen und Fondsgesellschaften nutzen das Instrument zur Diversifizierung ihrer Anlagen. Ganz so schnell wie früher greifen die Institute jedoch nicht mehr zu – auch beim Geschäft mit Schuldscheinen hinterlässt die Rezession Spuren.

„Im Zuge der Finanzkrise sind auch bei Schuldscheindarlehen die Informationsbedürfnisse der Gläubiger angestiegen“, so Zender. Zahlreiche Familienunternehmen stellen sich jedoch dieser Herausforderung. Aus gutem Grund: „Durch Schuldscheine verringern Unternehmen ihre Abhängigkeit von Banken“, so Zender. Außerdem wird – anders als bei Anleihen – kein Prospekt verlangt. Die Folge: Die Transaktionskosten sind deutlich niedriger. Sie bestehen im Wesentlichen aus Makler- und Vermittlungsgebühren sowie den Kosten der Sicherheitenstellung. Unter dem Strich macht die Summe in der Regel gut 1 % der Darlehenssumme aus. Ein weitere Vorteil ist, dass die Firmen sehr zügig die liquiden Mittel erhalten. Zender: „Vom ersten Gespräch bis zur Auszahlung der Kreditsumme vergehen in der Regel rund zwölf Wochen.“ Zudem werden Firmen, die sich durch Schuldscheindarlehen finanzieren, von einem breiteren Anlegerkreis wahrgenommen und treffen auf Kapitalgeber, die auch Anleihen platzieren.

Wichtig ist aber, dass sich Firmen nicht nur über Schuldscheine finanzieren. Dieses Instrument sollte nur als zusätzliche Kreditlinie genutzt werden.

Ein Beispiel bietet die Verbundnetz Gas AG (VNG). Mitte Juli zapfte Deutschlands drittgrößter Gasimporteur erstmals den Schuldscheinmarkt an. „Wir wollen auf Nummer sicher gehen und auch unsere Finanzierungsquellen diversifizieren“, so VNG-Vorstandsmitglied Gerhardt Wolff. Das Interesse der Investoren war enorm: Trotz Verdopplung des ursprünglich angestrebten Volumens von 100 Mio. € auf 200 Mio. € konnten nicht alle Investoreninteressen berücksichtigt werden.

Auch die Boehringer Ingelheim GmbH & Co. KG hat sich Anfang Juli Geld durch ein Schuldscheindarlehen besorgt. Summa summarum hat das Pharmaunternehmen über 900 Mio. € platziert.

VNG und Boehringer Ingelheim sind keine Einzelfälle: „Viele Firmen nutzen 2009 erstmals einen Schuldschein als zusätzliche Finanzierungsquelle“, so Zender. Zwar bewegt sich das im ersten Halbjahr platzierte Volumen mit rund 11 Mrd. € auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums. „Die Anzahl der platzierten Schuldscheindarlehen hat sich gegenüber dem Vorjahr mit rund 50 Transaktionen aber verdoppelt.“

Das Problem: Das Mindestvolumen von Schuldscheindarlehen beträgt rund 15 Mio. € – sonst rechnet sich das Geschäft für die Emissionsbanken nicht. Kleine Firmen können diese Form der Finanzierung daher kaum nutzen. Vor der Finanzkrise betrug die Einstiegshöhe indes bei standardisierten Programmscheindarlehen nur 250 000 €. Möglich war dies, weil Banken kleine Darlehen sammelten und in einem Schuldscheinportfolio bündelten. Sobald dieses ein notwendiges Volumen erreichte, wurde das Paket in Form von Asset-Backed-Securities-Anleihen an Investoren rund um den Globus verkauft. Durch die Finanzkrise kam jedoch der Handel mit ABS-Papieren zum Erliegen.

Das heißt aber nicht, dass kleinere Firmen den Schuldscheinmarkt nun auf immer und ewig nicht nutzen können. Zuletzt machten Meldungen die Runde, wonach der Markt für verbriefte Kredite langsam aber sicher wieder anspringt. Und: Sobald das Vertrauen in ABS-Papiere zurückkehrt, werden auch wieder vermehrt Programmscheindarlehen platziert. FRANZ VON DEN DRIESCH/sta

Von Franz Von Den Driesch/Stefan Asche
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