Gründer 04.10.2002, 18:21 Uhr

Schrecken der Geldfälscher

Gelan Khulusi hat sein Geld mit falschen Fünfzigern gemacht. Die Angst vor einer Schwemme von Mark- und Euro-Blüten im Zuge der Einführung der europäischen Einheitswährung machte sein „Magictester“ zum Verkaufsschlager. Hundertausende der kreditkartengroßen Testgeräte fanden bereits einen Abnehmer.

Der Magictester ist so groß wie eine Kreditkarte aus durchsichtigem Plastik mit eingebauter Lupe. An sich nichts Spektakuläres. Aber die Drei-Linsen-Technik lässt die winzigen Buchstaben und Zahlen, die sogenannte Mikroschrift, plötzlich sichtbar werden. In den Euroscheinen ist sie an mehreren Stellen versteckt. Die meisten Währungen der Welt haben sie, auch Travellerchecks, Reisepässe und Kreditkarten. Fälschern sind die kleinen Wörter und Ziffernfolgen ein Dorn im Auge. Selbst leistungsstarke Farbkopierer und Scanner stoßen an ihre Grenzen.
Man lege den Magictester einfach auf den Schein und versuche, die Mikroschrift zu entziffern, erklärt Khulusi. Unter der 20fachen Vergrößerung ist sie deutlich zu sehen. Wenn dagegen nur unleserliche Striche erscheinen – schade um das Geld. Der gebürtige Iraker hatte die Idee bereits vor sieben Jahren. Damals saß er mit seinem Freund und künftigem Geschäftspartner Roman Schneeweiss abends beim Bier. Die beiden unterhielten sich über frischgedruckte DM-Banknoten mit dem Antlitz von Klara Schumann. Mit einem Mikroskop suchten sie die eingebauten Sicherheitsmerkmale.
„Ein Mikroskop für die Hosentasche“ – das wäre es, dachten sie. Klein sollte es sein, handlich, billig und ohne Stromzufuhr. Kurzentschlossen beauftragte das Duo einen Mathematiker mit der Entwicklung der Linsentechnik. Der Mann präsentierte nach einigen Monaten zufrieden sein Ergebnis. Khulusi ist darüber noch heute empört: „Ich dachte, mich trifft der Schlag! Das Ding war groß wie ein Fernrohr!“ Der begeisterte Tüftler, im Hauptberuf Betriebswirt und Inhaber eines Groß- und Einzelhandelsgeschäfts für Elektronik und Schreibwaren, setzte sich selbst an die Fachbücher. Nach mehreren Experimenten gelang es, die Linsen zu verkleinern.
Die Erfindung wurde als Patent angemeldet. Nun musste eine Firma gefunden werden, die den Magictester kostengünstig in Serie produzieren konnte. Das Problem: Die Linsen sollten in Acrylglas gegossen werden und dennoch scharf und aufeinander abgestimmt sein. Das Material hatte jedoch Tücken: Es verzog sich oft beim Härten oder wurde trüb. Eine Zeit lang versuchte Khulusi den Magictester in China herzustellen – vergebens. „Sehen Sie die grauen Haare“, scherzt er und greift sich in den Schopf. „Made in China!“ Die Fehlerquote war zu hoch. Nun lässt er in Köln produzieren. Vor zwei Jahren wurde die Magic Production GbR gegründet. Die neue Firma beschäftigt bis zu 25 Personen und entwickelt neben der Herstellung des Magictesters weitere Produkte: etwa die Kassenversion des Prüfgeräts, die die Banknoten von unten beleuchtet.
Erst 1998 war der Geldtester marktreif. Bis dahin hatten die Partner 500 000 DM hineingesteckt. Alles eigene Ersparnisse sowie Darlehen von Freunden und Verwandten. „Banken stehen leider für so etwas nie zur Verfügung“, kritisiert der Erfinder. „Nachher, als es richtig lief und der Erfolg bekannt wurde, da öffnete sich auf einmal die Tür des Filialleiters. Dann hieß es: “Kein Limit, Herr Khulusi! Was möchten Sie für Investitionen machen?“ Aber am Anfang kriegte man nicht einmal 10 000 DM als Kredit. Da müssen Sie schon das Auto verpfänden“. Nach Risikokapital wollten die Partner nicht suchen: aus Angst, dass die Investoren zu viel Macht beanspruchen könnten. Immerhin war Khulusi nicht vom schnellen Markterfolg des Magictesters abhängig, da seine Handelsfirma KIT (Khulusi Informationstechnologie) GmbH seit 1991 existiert. Sie vertreibt jetzt die kleinen Plastikkärtchen. Mehr als eine Million der 10 @ teuren Stücke wurden bisher verkauft.
Einen Marketingplan gab es zwar, aber der Zufall war schneller: Ende 1999 forderte der Verkaufsleiter des Praktiker-Baumarktes in Bautzen ein kostenloses Muster. Damit ging er zur Kasse, nahm einen 1000 DM-Schein heraus und versuchte, die Mikroschrift zu sehen. Es gab keine. Auf einem anderen 1000 DM-Schein war diese jedoch gut erkennbar. Mit dem Falschgeld hatte ein Mann gerade eine Bohrmaschine bezahlt.
Die Blüte war so perfekt, dass sie auch die herbeigerufenen Polizisten täuschte und den Test mit UV-Licht bestand. Erst ein Bankfilialleiter, der sich mit der Mikroschrift auskannte, konnte den Betrug nachweisen. Journalisten interessierten sich für das moderne Gerät. „Sie dachten wohl, es ist groß wie ein Koffer“, lacht der 38-jährige. Nun zählt er verschiedene Polizeidirektionen, Banken, Hotels sowie Metro, Aldi und American Express zu seinen Kunden. Mehrere Firmen ließen zudem ihr Logo auf den Tester aufdrucken und nutzten es als Werbegeschenk. Mittels Auslandspartnern und dem Internet baut der Außenhandelsspezialist den Vertrieb weltweit aus: Sogar ein Kasino auf den Seychellen habe sich gemeldet.
Khulusi ist mittlerweile nicht nur zum Schreck der Geldfälscher, sondern auch der Produktpiraten geworden. Er kontrolliert ständig die Internetseiten, wo in aller Welt sein Tester kopiert wird. Gegen Nachahmer in Ecuador, Spanien, China und Deutschland geht er mit Hilfe seiner Patentanwälte rigoros vor. Gerade ist er dabei, nach einem langen Gerichtsstreit einen deutschen Plagiator aufzukaufen.
M. JORDANOVA-DUDA

Von M. Jordanova-Duda

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