Gründer 05.04.2002, 17:33 Uhr

Schlüsselerlebnis vor der Tür

Mit dem elektronischen Schließ­system Easy Key des Jungunternehmens Keyowa soll das lästige Taschendurchwühlen vor der Haustüre bald der Vergangenheit angehören.

Am Anfang war die Buttermilch. Die fiel Guido Meis vor die Füße. Und alles nur, weil er bepackt mit Einkaufstüten vor seiner Haustür den Schlüssel nicht fand. „Hose, Boden, Tür, alles war voll“, klagt der 38-Jährige. „Und das Zeug ging kaum ab“, ärgert er sich noch heute. Dabei kann er dankbar sein für das Malheur – war es doch sein Aha-Erlebnis.

Guido Meis hat es sich zur Aufgabe gemacht, Milchseen im Eingangsbereich den Garaus zu machen. Seine Idee: der Easy Key. Der elektronische Schlüssel soll lästiges Kramen in Jacke oder Tasche überflüssig machen. Das Prinzip ist einfach: Ein elektronischer Chip, den der Besitzer bei sich trägt, schickt ein Signal an den Schließzylinder und entriegelt die Türe. Dabei muss kein Knopf betätigt werden. Befindet sich der Easy Key in maximal zwei Metern Reichweite zum Zylinder, ist das Schloss automatisch entsichert. Zum Schutz vor Einbrechern, wechselt der gesendete Zugangscode jedes Mal.

„Es gibt schon einige elektronische Schließsysteme auf dem Markt“, erklärt Meis. „Am Easy Key ist aber weltweit einzigartig, dass man ihn einfach in der Tasche lassen kann und er den Zylinder automatisch aktiviert.“ Ein Vorteil, den auch die Jury des Verbands Neues Unternehmertum Köln-Bonn-Aachen e.V. (NUK) überzeugt hat: Sie kürte den Kölner Diplom-Physiker im Juli letzten Jahres zum Sieger des hauseigenen Businessplan-Wettbewerbs. Durch den Gewinn ermutigt, kündigte der Erfinder seinen Job als Entwicklungsleiter bei einem mittelständischen Kölner Unternehmen und gründete im Herbst letzten Jahres die Firma Keyowa.

Anfangs hatte Meis mit knauserigen Geldgebern zu kämpfen: „Die Szene ist total kaputt“, schimpft er. „Den Investoren fehlt der Mut, neue Produkte zu finanzieren.“ Mit seiner Gewinnsumme von 30 000 DM aus dem NUK-Wettbewerb kam der Gründer nicht weit. „Die sind komplett für den Patentanwalt draufgegangen.“ Immerhin hat er mittlerweile die Zusage, dass das deutsche Patent gewährt wird. Auf internationaler Ebene ist seine Erfindung noch im Stadium der Anmeldung.

Da sich zunächst keine Kapitalgeber fanden, zapfte er seine persönlichen Ersparnisse an. Mit insgesamt 45 000 ` musste sich der Jungunternehmer zunächst auf das Nötigste beschränken. Statt sich in ein schickes Bürogebäude einzumieten, räumte er vier Zimmer seines Reihenhäuschens in Köln-Longerich frei. Dort entwickelte er mit einem freiberuflichen Mechaniker und einem Elektroniker den Prototypen des Easy Keys. Einzig für das Marketing leistete er sich eine feste Mitarbeiterin.

Das Team stand unter Druck. Neben Geld hatte Meis auch einen Stand auf der Internationalen Eisenwarenmesse gewonnen. Bis Anfang März musste der Prototyp fertig, Plakate gedruckt und eine Homepage erstellt sein. „Zum Schluss haben wir jede Nacht bis drei Uhr gerödelt, um den Zeitplan einzuhalten.“ Aber es hat sich gelohnt. „Wir waren zwar so erschöpft, dass wir auf der Ausstellerparty am ersten Abend fast eingeschlafen wären, aber der Erfolg hat uns entschädigt.“ Viele Kontakte zu anderen Schloss-Herstellern wurden geknüpft.

Über das NUK-Netzwerk hat Meis mittlerweile einen Investor gefunden. Ein Kölner Business Angel unterstützt das Unternehmen finanziell und beratend. Über die Summe und die im Gegenzug abgegebenen Unternehmensanteile will der Gründer keine Angaben machen. Der Betrag reicht aber nicht, um den Easy Key selbst zu vermarkten. Die Investitionen in ein Vertriebsnetz mit Außendienstmitarbeitern und Kundenservice seien zu hoch.

Um die Kosten zu umgehen, sucht der Gründer etablierte Unternehmen, die mit ihm kooperieren. Keyowa selbst wird nur die Schlüssel herstellen und diese zusammen mit Lizenzen für die Schließzylinder an die Partner verkaufen. Mindestens zwei sollen es sein – bei nur einem Kooperationsunternehmen sei er zu sehr abhängig. „Nur so kann ich sicher sein, dass die Firmen den Easy Key auch gut vermarkten.“

Wenn alles nach Plan läuft, ist seine Erfindung am Ende des Jahres serienreif. Etwa 750 000 ` wird die weitere Entwicklung des Prototypen bis zum marktreifen Produkt noch kosten. Eine Investition, die sich lohnt, ist sich Meis sicher. „Für den NUK-Wettbewerb habe ich mich über ein halbes Jahr mit der Idee, dem Markt und der Finanzierung beschäftigt.“ Der Businessplan sei sorgsam durchdacht und solide. In drei Jahren will der Kölner 3 % Marktanteil in Europa haben und 6 Mio. ` Umsatz machen.

Bis sich für Meis Tür und Tor öffnen, hat er aber noch eine ganze Menge Arbeit vor sich. Doch das nimmt er für „sein Baby“ – wie er seine Erfindung nennt – gerne in Kauf. Neben väterlichem Stolz ist es vor allem der Reiz des Neuen, der ihn antreibt: „Mein Leben ist jetzt ungeheuer spannend.“ Und schließlich muss der Physiker noch eine Mission erfüllen: die Buttermilchplage besiegen. TINA KAISER

www.keyowa.de

Von Tina Kaiser
Von Tina Kaiser

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