Smartphones 20.07.2012, 11:00 Uhr

„Sbob.me”: Die Straßenflirt-App für verpasste Chancen

Ein Blick, ein hübsches Lächeln, der Anfang eines Flirts – aber dann steigt der oder die nette Unbekannte bei der nächsten Station aus oder die Ampel springt auf Grün. Die Gelegenheit ist verstrichen – für immer. Damit muss Schluss sein, dachte sich Michael Mühlberger. Der Münchener Gründer hat vor Kurzem eine Straßenflirt-App für Smartphones in die Welt gesetzt.

Zwei Menschen sind sich begegnet und beide haben gedacht: Wow! Jetzt wollen sie sich wieder finden. Aber wie? Vielleicht mit einer App? Neuerdings ist das ganz einfach: Man drückt den Button auf seinem Smartphone und das Programm merkt sich Zeit und Ort der Begegnung. Ein paar Symbole helfen, schnell Details einzutippen: War das auf der Straße, unterm Baum, am Bahnhof? Hatte die Person lange oder kurze Haare, hell oder dunkel, trug sie Brille, Bart oder Kopfhörer? Eine kurze persönliche Nachricht für das Gegenüber – und schon läuft der Matching-Prozess.

Sbob.me: Straßenflirt-App vermeldet nur bei gegenseitigem Interesse Treffer

Ein Treffer kommt nur bei gegenseitigem Interesse zustande. Auch der oder die Andere muss den Button betätigt haben. Dann, und nur dann, können die Beteiligten ihr Foto austauschen und über die App chatten. Wohnort, Familienstatus, Hobbys usw. sind nicht in Profil hinterlegt: Das muss man im Gespräch herausfinden.

Mit dieser Idee will Michael Mühlberger das Flirten von der Virtualität in die Realität zurückholen. „Ich war Single“, sagt der 41-Jährige, „und habe mich auf Online-Dating-Portalen umgeschaut.“ Ein paar Mal kam es zu Verabredungen: „Auch wenn man die gleichen Interessen hat und vorher nett gechattet hat – wenn man sich trifft, fehlt oft das gewisse Etwas, dieses Bauchgefühl.“ Bei allem Respekt für die Online-Paarzusammenführung: Man wolle denjenigen näher kennenlernen, der einen in der realen Welt umgehauen hat. „Ich habe da erst einmal herumgesucht, ob es so etwas gibt“, sagt der Maschinenbau-Ingenieur. Gab es nicht. Was es gab, sind blinkende Armbändchen oder Flirtscanner, die anzeigen, wer im Umfeld ein Single und bindungswillig ist. „Aber da muss ich mich outen: Ich bin auf der Suche und für alle sichtbar. Das wollte ich nicht.“

„Sbob.me” holt das Flirten von der Virtualität in die Realität zurück

„Sbob.me“ hat er die Flirt-App genannt. Ein Kunstwort, abgeleitet von „spot“, englisch für „entdecken“. Der Begriff soll eine „neue Dimension des Kennenlernens“ beschreiben, nicht belegt, kurz und einprägsam sein und, ganz wichtig, sich von den Lippen ablesen lassen. Wenn also demnächst jemand Nettes an der Ampel steht und mit den Lippen „Sbob me“ formt, wissen Sie Bescheid. Seit einer Woche können Partnersuchende in Deutschland, Österreich und der Schweiz nämlich die App herunterladen.

Zurzeit funktioniert sie auf iPhones und iPads, bald auch auf Android-Geräten. Rund 1000 Nutzer haben sich bereits mit einem Profilnamen, Foto und Alter angemeldet. Mehr Informationen verlangt „sbob.me“ nicht. Die ersten Rückmeldungen auf Facebook sind positiv: Coole Idee heißt es da, und „ansbobben“ sollte wie „googeln“ in den Duden eingehen.

Dafür müssten möglichst viele flirtwillige Menschen in den relevanten Altersgruppen das Programmchen griffbereit haben. Mühlbergers Unternehmen, die Bliphead GmbH, bewirbt „Sbob.me“ in München und Regensburg mit U-Bahn-Plakaten und Radiospots. Diese zwei Städte wurden wegen ihres hohen Single-Anteils und der großen Smartphone-Dichte ausgesucht. „Guerilla-Marketing“ soll die weitere Verbreitung fördern. Die Zuwachsraten liegen zurzeit bei 15 % pro Tag. „Wir gehen davon aus, dass die Ergebnisse bei 100 000 bis 150 000 Nutzern bereits zufriedenstellend sein werden“, glaubt Mühlberger.

Der Münchener leitete über zehn Jahre die Formel BMW: Ende 2010 hatte er genug vom Motorsport. Als ihm dann die Flirt-Idee einfiel, besuchte er mehrere Monate lang verschiedene Gründer-Veranstaltungen und tastete sich bei potenziellen Investoren vor. 2011 gründete er mit zwei Freunden Bliphead. Und da sich der eine Freund mit Bezahl-Modellen bei Sky und der andere mit der IT-Branche auskennt, „hatten wir von Anfang an ein Marketingkonzept, eine Cashflow-Planung und eine sichere Infrastruktur“, so der Jungunternehmer. Seit Februar hat Bliphead auch einen erfahrenen Business Angel: den Österreicher Johann Hansmann, der vornehmlich in Dot.coms investiert. „Für unsere Pläne brauchen wir eine Finanzierung, die in die Hunderttausende geht“, sagt Mühlberger.

Die Pläne sind, erstens, zu beweisen, dass die Technik funktioniert, zweitens, eine Community und überwiegend positives Feedback zu haben sowie drittens, die unternehmerischen Meilensteine einzuhalten. Das wäre die Voraussetzung dafür, im vierten Quartal eine zweite Finanzierungsrunde fahren zu können. Um die Flirt-App in allen großen deutschen Städten, aber auch in einigen europäischen Metropolen zu bewerben und weitere Mitarbeiter einzustellen, benötigen die Münchener eine siebenstellige Summe von einem VC-Geber.

„Sbob.me”: Die Gratis-App für den erfolgreichen Straßenflirt

Die Mitgliedschaft bei Partner- und Singlebörsen kostet bis zu 70 € monatlich. Die App ist dagegen gratis. Die Basis-Version soll es auf Dauer bleiben. Klar, Geld verdienen wollen die Jungunternehmer irgendwann auch, aber sie möchten die Kunden nicht zu früh verschrecken. Einmal in der Szene etabliert, gebe es mehrere Monetarisierungsmöglichkeiten, etwa über Werbung oder zusätzliche Komfort-Funktionen. Ideen für den Premium-Dienst habe er schon, aus Angst vor Nachahmern behält Mühlberger sie jedoch lieber für sich. Die Werbung, verspricht er, werde das Erstellen des Sbobs nicht bremsen. „Wenn der fertig und abgeschickt ist, braucht es eine gewisse Zeit für den Matching-Prozess und das Hochladen der Daten. In diesem Zeitraum blenden wir sie ein.“

Die Kontaktanbahnung verfällt übrigens nach 24 Stunden. Wenn jemand echt Interesse hat, wird er sich innerhalb dieser Frist regen, kalkuliert sbob.me. Das Handy nicht dabei, der Akku leer, ein wichtiger Termin duldet keinen Aufschub – 24 Stunden müssen trotzdem reichen. Mittelfristig wird es auch eine Web-Oberfläche geben: für Leute ohne Smartphone oder solche, die lieber mit einer richtigen Tastatur chatten. 

www.sbob.me 

Ein Beitrag von:

  • Matilda Jordanova-Duda

    Die Schwerpunkte der freien Journalistin sind: Industrie 4.0, Digitalisierung, Existenzgründer, Mittelstand, Energiewende, Firmenportrais, Migration, Bildung.

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