Finanzierung 18.09.2009, 18:29 Uhr

Sanierung: Mittelständler sollten mit ihren Banken kooperieren  

Die Rezession hat viele Mittelständler ins Mark getroffen: Gab es gestern noch Rekordgewinne, steht heute Sanierung auf der Tagesordnung. Wie reagiert die Hausbank auf den Absturz? Was tun, wenn der Kundenbetreuer plötzlich vom Spezialisten aus der Sanierungsabteilung begleitet wird? Sven Guckelberger, Restrukturierungsexperte des Beratungsunternehmens Close Brothers, gibt im folgenden Beitrag einige Empfehlungen. VDI nachrichten, Düsseldorf, 18. 9. 09, ps

Wenn die Hausbank das eigene Unternehmen als Sanierungskandidaten sieht, ist mancher Mittelständler zunächst entsetzt. Doch emotionsgeladene Diskussionen mit dem Betreuerteam oder gar der lokalen Direktion der Bank machen wenig Sinn. Sie dürften kaum verhindern, dass das Unternehmen künftig in der Sanierungsabteilung geführt wird. In aller Regel ergibt sich diese Entscheidung aus einem intensiven Analyseprozess innerhalb des Instituts. Diesen Prozess grundsätzlich zu hinterfragen oder neu aufzurollen, hieße nur Zeit und Energie zu verschwenden.

Wenn diese – zum Teil psychologisch sehr hohe – Hürde genommen ist, gilt es, den Blick voraus zu richten. Es müssen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, in überschaubarem Zeitraum (meist vier bis sechs Quartale) aus dem Sanierungsbereich wieder in die „gute Bank“ transferiert zu werden.

Der Unternehmer sollte sich darüber im Klaren sein, dass eben dieser Rücktransfer einerseits nervenaufreibend und arbeitsintensiv sein wird. Andererseits ist es – zumindest bei heimischen Banken und bei jahrelang zurückreichenden Verbindungen – Ziel der Bank, den schwierigen Weg gemeinsam zu gehen. Die Bank hat kein Interesse, einen potenziell guten Kunden zu verlieren, mit dem sie mittelfristig auch wieder Geld verdienen kann.

Damit das Unternehmen wieder in die Spur kommt, werden die Kreditgeber ein Höchstmaß an Transparenz einfordern, vor allem eine vollständige Aufbereitung des Zahlenwerks. Unverzichtbar ist eine Ursachenanalyse der Schwachstellen und der Gründe für die Schieflage, verbunden mit Maßnahmen zur Behebung der Schwachstellen.

In den meisten Fällen – je nach Grad der Schieflage sogar gesetzlich vorgeschrieben – werden die Kreditgeber ein Sanierungsgutachten einfordern, erstellt von einem unabhängigen Unternehmensberater. Im Rahmen eines solchen Gutachtens wird detailliert und schonungslos die aktuelle Situation beschrieben und Wege zur Behebung der Schwachstellen aufgezeigt.

Das Gutachten baut auf den letzten aktuellen Zahlen auf und knüpft nahtlos an die Planungen für das laufende und die kommenden ca. drei Jahre an. Die Planzahlen sollten möglichst detailliert auf die relevanten Zahlen aus Gewinn- und-Verlust-Rechnung (GuV), Bilanz und Cash-Flow-Rechnung eingehen. Nur darauf aufbauend kann anschließend das Konzept zur Restrukturierung der Kreditlinien erarbeitet werden – inklusive gegebenenfalls erforderlicher Einschüsse von frischem Geld.

Je nach Komplexität der Gesamtsituation sollte hierfür ein erfahrener, externer Financial Adviser hinzugezogen werden. Dieser kann helfen, den schwierigen Prozess möglichst zielorientiert, schnell und ausgleichend zu steuern.

Hat ein Unternehmen zahlreiche Kreditgeber, womöglich mit heterogenen Interessen, sollte die Bildung eines so genannten Steering Committee überlegt werden. Dies ist ein Kreis von fünf bis sieben Kernbanken, die federführend für alle Institute die Restrukturierung begleiten. Sie stehen in engem Kontakt mit dem Unternehmen, den Wirtschaftsprüfern und Beratern und koordinieren den Prozess mit den anderen Banken.

Der Unternehmer sollte darauf achten, dass das Steering Committee ausgewogen besetzt wird. Es liegt auf der Hand, dass der bereits erwähnte Financial Adviser gerade in einer solchen Situation äußerst hilfreich sein kann. Ziel sollte es sein, dass sich das Management weitgehend auf die operative Führung des Unternehmens konzentrieren kann.

Nach Vorlage des Sanierungsgutachtens (einschließlich Planzahlen) werden die Kreditgeber versuchen, eine zum ermittelten Verschuldungspotenzial passende Struktur der Kreditfazilitäten aufzusetzen. Ein wichtiger Schritt in dieser Phase sind Verhandlungen über das so genannte Term-Sheet, eine Art Memorandum, das Volumen und wirtschaftlichen Rahmen der neuen Kredite festlegt. Das im Term-Sheet Niedergelegte wird dann in juristisch bindende Kredit- und Sicherheitsverträge gegossen.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt werden zumeist alle beteiligten Banken – sofern nicht bereits vorher im Rahmen eines so genannten Club-Deals oder einer Syndizierung geschehen – die gleiche Kreditdokumentation unterzeichnen. Sie stellen sich untereinander „pari-passu“, das heißt, alle Kreditgeber unterliegen gleichen Rechten und Pflichten.

Ist die neue Kreditdokumentation unterschrieben, werden in aller Regel die Anforderungen an das Berichtswesen gegenüber den Banken stark erhöht. So wird das Unternehmen dazu verpflichtet, bestimmte Schlüsselkennzahlen meist quartalsweise zu berichten.

Auf Basis dieser Berichte werden die Banken überprüfen, ob vereinbarte Kreditklauseln, so genannte Covenants, auch tatsächlich eingehalten werden. Hierzu zählen zentrale Kenngrößen der Bilanz, der GuV und der Cash-Flow-Rechnung. Werden die Covenants vier bis sechs Quartale nicht gebrochen, kann das Unternehmen hoffen, wieder in der „guten Bank“ geführt zu werden.

Wichtig ist, auch die Warenkreditversicherer von Anbeginn möglichst offen einzuschalten. Trotz teilweise (tatsächlich oder vermeintlich) konkurrierender Rechte an Sicherungsgütern des Umlaufvermögens ist eine vollumfängliche Lösung nur möglich, wenn wirklich alle einbezogen werden – auch die Warenkreditversicherer.

Abschließend sei nochmals erwähnt, dass Banken kein Interesse daran haben, einen Kunden in die Insolvenz zu treiben – auch wenn das immer wieder kolportiert wird. Im Gegenteil. Die Erfahrung zeigt, dass eine gemeinsam durchgestandene Sanierung Unternehmen und Bank noch enger aneinander bindet und das wechselseitige Vertrauen stärkt. SVEN GUCKELBERGER

Von Sven Guckelberger
Von Sven Guckelberger

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