Start-Up-Porträt 22.01.2010, 19:44 Uhr

Ritter der bedrohten Biene  

Drei Berliner Gründer haben sich dem Schutz der Biene vor Varroamilben und Kleinen Beutenkäfern verschrieben. Ihre „Bienenritter – Gesellschaft zum Schutz der Biene“ will den zwei Schädlingen mit einer neuartigen Kombinationsfalle zu Leibe rücken. Zusätzlich planen sie ein Frühwarnsystem, das Imker, Behörden und Forscher im Sinne einer effektiven Seuchenabwehr vernetzen soll. VDI nachrichten, Berlin, 22. 01. 10, sta

„Nach Rind und Schwein ist die Biene das drittwichtigste landwirtschaftliche Nutztier“, sagt Sven Buchholz. Bei zwei Dritteln unserer Nahrung spiele ihre Bestäubung eine zentrale Rolle. Albert Einstein soll sogar einmal gesagt haben: „Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ Entsprechend beunruhigt sind Experten angesichts des massenhaften Bienensterbens weltweit: Hierzulande hat es jedes vierte Volk dahin gerafft. In Teilen der USA starben bis zu 80 % der Bestände.

Als Hauptverursacher gelten die Milbe Varroa destructor und der Kleine Beutenkäfer. Beide Schädlinge hat der promovierte Biologe Buchholz zusammen mit seinem Kollegen Daniel Erdmann fest im Visier. Sie haben ein Verfahren entwickelt, das Käfern und Milben den Garaus macht. Mit Betriebswirt Ole Jebens wollen sie es künftig als „Bienenritter – Gesellschaft zum Schutz der Biene“ vermarkten.

Statt die chemische Keule zu schwingen, die auch den Honig unbrauchbar machen würde, stellen die Ritter den gefräßigen Schädlingen ausgeklügelte Fallen. „Wir kombinieren zwei schonende Behandlungsmethoden“, erklärt Buchholz. Gegen die Milben hilft exakt dosierter Dampf von Ameisensäure. Er tötet die Parasiten, die Blut saugen und dabei tödliche Viren auf die geschwächten Bienen übertragen. Während diese Methode bei Imkern im Einsatz ist, betreten die Berliner beim Kleinen Beutenkäfer Neuland. Gegen den raffinierten Schmarotzer gab es bisher kein wirksames Mittel. Im südlichen Afrika, wo er ursprünglich zu Hause war, suchen wilde Bienenvölker das Weite, sobald er auftaucht. Doch dazu ist die domestizierte Verwandtschaft nicht in der Lage.

Der Käfer mogelt sich flink an den Wächterbienen vorbei ins Gewimmel der Bienenvölker, wo er es sich in leeren Zellen der Waben gut gehen lässt. Denn weil der das Fühlerwackeln der Bienen perfekt imitiert, füttern diese ihn satt. Fliegt die Täuschung auf, flieht er in Ritzen, wo er auch seine Eier ablegt. Und das ist der Anfang vom Ende. Denn seine Larven sind wahre Nimmersatts. „Sie fressen alles, Wachs, Honig, Bienenlarven – einfach alles“, sagt Buchholz. Er hat das Verhalten der Käfer bei Forschungsaufenthalten in Südafrika, Australien und den USA lange erforscht, um ein Gegenmittel zu finden. Seine Lösung setzt am Fluchtverhalten an. Die Fallen bieten den Käfern in unmittelbarer Nähe zu den Waben den Unterschlupf, den sie suchen. Doch hier rennen sie ins Verderben. Denn spezieller Staub in der Falle löst die Fettschicht auf ihrem Skelett auf. „Die Käfer trocknen aus und kommen nicht mehr dazu, ihre Eier abzulegen“, erläutert Buchholz das Verfahren.

Allerdings ist der Staub auf Basis von Kieselalgen auch für die Bienen lebensgefährlich. „Wir müssen sicher stellen, dass nichts davon aus der Falle dringen kann“, sagt Erdmann. In den letzten Monaten stand die Lösung dieser Frage im Zentrum ihrer Bemühungen. Ausgestattet mit einem Exist-Stipendium widmeten sich die Gründer im GO:Incubator an der Uni Potsdam dem Aufbau und der Wirksamkeit ihrer Falle. Daneben entwickelten sie einen Geschäftsplan, den sie beim Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg einreichten. „Für die Top-10 hat es zwar nicht ganz gereicht, doch die Nachfragen der Jury und die Tipps der Coaches haben uns und unser Projekt ein gutes Stück voran gebracht“, berichtet Buchholz.

Noch wollen sie aber an ihrer Idee feilen. Unter anderem ist ein Frühwarnsystem geplant, um Imker mit Forschern und zuständigen Behörden zu vernetzen. Denn in Europa geht es bisher noch darum, den Einfall des Kleinen Beutenkäfers abzuwehren. Durch sofortiges Einrichten von Sperrgebieten, Verbrennen der Bienenvölker und massiven Chemieeinsatz rund um die Bienenstöcke konnte die Plage bisher immer im Keim erstickt werden. Doch weil der globale Handel mit Bienenvölkern blüht, reisen die Schmarotzerchen längst per Schiff und Flugzeug um die Welt. „Entsprechend wichtig ist es, dass Imker sofort Alarm schlagen, wenn sie Käfer in den Fallen finden“, so Buchholz. Kundige Forscher sollen dabei Fehlalarmen möglichst vorbeugen.

In den Vereinigten Staaten und Australien treibt der Beutenkäfer längst sein Unwesen. Verschärft wird das Problem dort, weil sogenannte Bestäubungsimker mit ihren Bienenvölkern von Plantage zu Plantage fahren. Doch diese Professionalität hat auch Vorteile: Die Imker nutzen in aller Regel normierte Bienenkästen, was die Konstruktion der Kombinationsfalle erleichtert. Deshalb werden die Berliner Ritter voraussichtlich zuerst in Übersee zur Tat schreiten. „Bevor es richtig los geht, werden wir rund 300 000 € investieren müssen“, sagt Buchholz. Angesichts der Schäden, die Milben und Käfer bei Imkern anrichten, ist das kleines Geld. Doch für die Gründer ist es eine große Summe. „Ein fairer Investor, etwa ein Business Angel, wäre uns willkommen“, sagen sie.

PETER TRECHOW

Kontakt zu den Bienenrittern stellt die Redaktion auf Wunsch gerne her (Tel.: 0211/6188-137).

Von Peter Trechow
Von Peter Trechow

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