Gründungsfinanzierung 19.10.2001, 17:31 Uhr

Risikokapital muss nicht sein

Wagnisfinanzierer sind keine Wohltäter. Sie wollen ihr Investment möglichst schnell zurück – und das mit reichlich Rendite. Gründer müssen deshalb kurzfristig Profite erzielen. Unter Zeitdruck verlieren sie strategische Ziele aus den Augen.

Venture Capitalists sind keine netten Onkel, die ins Büro kommen und einem einfach so Geld geben.“ Dirk Buschmann, Vorstand der Kölner Knowledge Intelligence AG (KI), steht Wagnisfinanzierern kritisch gegenüber. Er führt das IT-Unternehmen bisher ohne Risikokapital und ohne Geld aus einem Börsengang. Mit Erfolg. Dabei wäre es vor zwei Jahren leicht gewesen, einen der investionshungrigen Goldesel aus der VC-Szene mit seiner Geschäftsidee zu überzeugen und kräftig zu melken. In der Hochsaison der New Economy überhäuften VC-Geber viele junge Unternehmen mit gigantischen Summen, erwarteten dafür aber auch einen schnellen „Return on Investment“.

Zweifellos haben die Finanzspritzen der VC-Geber der Internet-Wirtschaft Ende der 90er Jahre gehörigen Rückenwind verpasst. Doch die Zwänge und Verpflichtungen, die dieser Geldsegen mit sich brachte, trieb viele junge Unternehmer von ihrem eigentlichen Kurs ab. Auf einmal zählte nur noch, möglichst schnell viel, viel Geld herauszuschlagen. Die unternehmerische Freiheit ging dabei baden.

Wie die KI AG haben einige Gründer die verlockenden Angebote der Venture Capitalisten ausgeschlagen. Aus gutem Grund, wie das Beispiel der 1999 gegründeten Hamburger Software-Schmiede freiheit.com technologies GmbH zeigt. Mitgründerin Claudia Dietze arbeitet nach der Maxime: „In der Ruhe liegt die Kraft“. Für sie sind „natürliches Wachstum und Unabhängigkeit“ wichtig, Finanzierung ausschließlich aus vorhandenen eigenen Mitteln. „Wir haben uns ganz bewusst gegen Venture Capital entschieden und brauchen uns nun auch von niemandem rein reden zu lassen.“ Keine schlechte Entscheidung: Das Unternehmen hat mittlerweile 21 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von 4,7 Mio. DM. Personal wird bei freiheit.com nur eingestellt, wenn wirklich konkreter Bedarf besteht. Claudia Dietze: „Da kommt man mit VC-Gebern schnell in Konflikt, denn die verlangen oft, dass andere Wertschöpfungsbereiche als die Kernkompetenzen mit abgedeckt werden, und dass dafür wahllos Personal angeheuert wird.“

Auch die erst zwei Jahre alte iNetVision GmbH aus Eschborn, die Intranet-Lösungen für Unternehmen realisiert, hat sich aus eigener Kraft entwickelt. Mit einem Umsatz von 3 Mio. DM und 18 Mitarbeitern steht das Unternehmen auf solidem Grund. Geschäftsführer Torsten Körting ist froh, dass er nie auf fremdes Kapital zurück gegriffen hat. „Wir sind heute niemandem Rechenschaft schuldig, und können unser Wachstum langsam aber sicher vorantreiben. Investitionsdruck, Einstellungsdruck, Expansionsdruck und Projektdruck von Investoren sind für uns keine Themen.“ Und die können Unternehmen schon mal in Bedrängnis bringen. Wer Venture Capital an Bord geholt hat, muss schnell wachsen und sich oft mit überzogenen Forderungen der Investoren auseinander setzen. Nicht selten münden überstürzte Akquisitionen, zu schnelles Wachstum, waghalsige Anschaffungen und sinnlose Investitionen in brenzlichen Situationen.

„Die wollen alle nur eine schnelle Mark machen und sind an der Qualität, einer gesunden Unternehmenskultur und der Kundenzufriedenheit gar nicht interessiert“, sagt auch Marc-Christian Rossig, Geschäftsführer des Hamburger Online-Übersetzungsservices 24translate GmbH. Ihn hat vor allem die „unglaubliche Einflussnahme in das Geschäft, komplizierte Vertragswerke und die Expansionshektik“ davon zurückgehalten, mit VC-Gebern ins Geschäft zu kommen. Dabei wurden durchaus Gespräche geführt. „Die Geldgeber hatten aber so große Marketingaktionen vor Augen, das hätte uns kaputt gemacht. Wir wären gar nicht groß genug, um die Aufträge abarbeiten zu können und hätten unsere Kunden und unseren guten Ruf schnell wieder verloren.“ Heute hat das Unternehmen 16 feste Angestellte und arbeitet mit rund 800 Freelancern weltweit zusammen.

Ein weiteres Beispiel ist die Berliner Bautreff.de GmbH, eine Online-Plattform, die Auftragnehmer und Auftraggeber der Baubranche zusammen bringt. 1998 als Ein-Mann-Unternehmen gestartet, sind inziwischen zwölf Mitarbeiter beschäftigt. Der Jahresumsatz bewegt sich zwischen 2 Mio. DM und 3 Mio. DM. Venture Capital stand von Anfang an nicht zur Debatte: „Damit wäre unsere Unternehmenskultur verloren gegangen. Jetzt fällen wir zu zweit unternehmerische Entscheidungen. Dabei haben wir manchmal auch Projekte, an denen wir nichts verdienen, die aber strategisch wichtig sind. Das alles wäre mit Investoren sicher nicht möglich,“ erklärt Unternehmensgründer Detlef Olschewski. Er und seine Geschäftsführer-Kollegen aus anderen Gründerfirmen, die auf Ehen mit Risikokapitalgebern verzichtet haben, waren und sind noch immer Herr im eigenen Haus. Olschewski: „Das ist ein gutes Gefühl und gibt die Sicherheit, die man als Unternehmer einfach braucht, um überzeugend zu sein.“

MARTINA RIEKEN

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