Start-up 25.02.2011, 19:51 Uhr

Rabatte locken Gründer

Ob Visitenkarten, Webseiten oder Softwarelizenzen – wer es als Existenzgründer darauf anlegt, bekommt auf viele Waren und Dienstleistungen Rabatt. Allerdings scheint es so manchem Starthelfer dabei in erster Linie um Kundenfang zu gehen.

Letzten November hat die 1&1 Internet AG ihre „Gründerinitiative“ gestartet. Ein Jahr können Gründer ihr Unternehmen mit einer Do-It-Yourself Homepage des Anbieters kostenlos im Web präsentieren und ein Office-Paket mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsprogramm nutzen. Einzige Voraussetzung: Sie müssen nachweisen, dass ihr Unternehmen jünger als sechs Monate ist.

„Wir wollen Existenzgründern den Sprung in die Selbstständigkeit erleichtern“, wirbt 1&1 – und macht damit große Worte um eine kleine Hilfe. Denn regulär bezahlt kostet die Do-It-Yourself Homepage für Gewerbetreibende nur 9,99 € im Monat. Die Ersparnis beläuft sich also auf knapp 120 €, die zudem als Betriebsausgaben voll absetzbar wären. Handelt es sich hier also um Starthilfe oder um Kundenfang? Letzteres ist wahrscheinlich. Denn das Gros der Gründer wird seine Homepages nach dem kostenlosen Anfangsjahr brav online lassen und dann den normalen Preis dafür entrichten.

Solche (Lock-)Angebote finden Gründer im Netz reihenweise. Sie können sich lohnen, müssen es aber nicht. Sendblaster.com gewährt beispielsweise ein Fünftel Nachlass für eine E-Mail-Marketing-Software, der IT-Service Ruhr räumt 20 % Existenzgründerrabatt für Adress-Software ein. Eine Agentur für neue Medien bietet Gründern die Gestaltung von Webseiten und Online-Werbung um ein Viertel günstiger an und Dutzende kleine Agenturen werben mit 10 % bis 25 % Rabatt für Logos, Visitenkarten und Briefköpfe. Auch Bürobedarf können Start-ups im ersten Jahr ihres Bestehens um 7 % billiger beziehen. Und wer einen seiner beiden ersten Jahresabschlüsse vor der Nase hat, bekommt bei dem einen oder anderen Steuerberater auch dafür Rabatt. Selbst beim Anwalt lohnt sich der Preisvergleich. So berät etwa die Osnabrücker Kanzlei Heyers Gründer in den ersten zwei Jahren ihrer unternehmerischen Tätigkeit für die Hälfte der sonst üblichen Gebühren.

Matthias Klopp, Unternehmer und Initiator von Gruenderland.de, rät Neuunternehmern beim Einkauf generell über die Konditionen zu verhandeln. „Gründer brauchen alles, nehmen aber anfangs kaum Geld ein. Sie sollten aus jedem Cent, den Sie ausgeben müssen, das meiste rausholen.“ Das könnten wahlweise Mengenrabatte oder späte Zahlungsziele sein. Oder eben ein „Gründerbonus“, den viele Unternehmen gewähren ohne es an die große Glocke zu hängen. Denn sie selbst hätten ja auch einmal klein angefangen.

Tatsächlich verweisen viele Starthelfer auf die Erinnerung an ihre eigene, finanziell schwierige Gründungsphase. Nun wollen sie dazu beitragen, dass ihre „Nachfolger“ einen leichteren Start haben. Um Altruismus handelt es sich aber meist nicht. Denn wer heute ein Start-up mit Rabatten lockt, hofft auf einen zahlungskräftigen Kunden von morgen.

Das war auch die Grundidee der „Gründer-Card“, die das Gründerservicenetz Main-Spessart (GSN) 2006 entwickelt hat. Gut 70 regionale Unternehmen von Getränkehandel, Baumarkt und Kurierdienst über EDV-, Elektronik- und Bürohandel bis hin zu Banken und Versicherungsbüros gewährten Gründern über die Karte Rabatte. Die Wirtschaftsförderer der GSN betonten dabei den beiderseitigen Nutzen: Während die jungen Unternehmer in den ersten fünf Jahren ihrer Selbstständigkeit von Sonderkonditionen und ersten regionalen Geschäftskontakten profitieren würden, könnten sich die etablierten Unternehmen über Neukunden, steigende Umsätze und vor allem über die positive Wahrnehmung ihres Engagements in der Öffentlichkeit freuen.

Allerdings ist die Rechnung nie aufgegangen. Auf Nachfrage räumt die GSN ein, dass die kostenlose Card trotz aufwändiger Werbung floppte. Die Gründer hätten sie nie richtig angenommen.

Bei der Microsoft Gründerinitiative „unternimm was!“ ergibt sich ein anderes Bild. Der Softwareriese lockt IT-Gründer seit über fünf Jahren mit vergünstigten Lizenzen für Entwicklungstools und Plattformtechnologien. Und er stößt damit auf große Resonanz.

Auch hier sind die Geförderten natürlich Software-Kunden in spe. Doch darum geht es nur am Rande. Vor allem erhalten die Gründer Zugang zu Kunden- und Partnernetzwerken von Microsoft, sowie kostenlose Workshops, in denen ihnen Experten Kniffe aus Vertrieb und Marketing zeigen. Weil die Initiative obendrein mit Businessplan-Wettbewerben kooperiert und so viele Gründer erreicht, herrscht reges Treiben, von dem tatsächlich beide Seiten profitieren: Microsoft behält über den Nachwuchs ein Ohr an neuesten Trends. Im Gegenzug starten die geförderten Gründer mit Microsoft-Gütesiegel und einem Netzwerk, das sie allein nie auf die Beine stellen könnten. Rabatte auf Softwarelizenzen sind dabei eine nette Zugabe – mehr nicht. P. TRECHOW

Ein Beitrag von:

  • Peter Trechow

    Peter Trechow ist Journalist für Umwelt- und Technikthemen. Er schreibt für überregionale Medien unter anderem über neue Entwicklungen in Forschung und Lehre und Unternehmen in der Technikbranche.

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