Gründer 07.09.2001, 17:30 Uhr

„Pseudo-Gründer“ verzetteln sich

Es geht um Millionen. Die Organisatoren der zahlreichen Businessplan-Wettbewerbe loben stolze Prämien für gelungene Konzepte aus. Wer ohne ernsthafte Gründungs­absicht einen Teil des Kuchens ergattern will, stößt schnell an Grenzen.

Das Gerücht von „Pseudo-Gründern“ hält sich hartnäckig. Es scheint ja auch nichts nahe liegender, als eine Geschäftsidee – z.B. selbst gestrickte Socken via Web zu verkaufen, – zu Papier zu bringen, den Businessplan aus dem letzten BWL-Seminar beizulegen und an die zahlreichen Organisatoren von Businessplan-Wettbewerben zu schicken. Mit etwas Geschick und Glück kassiert man die Prämie und macht sich damit einen schönen Urlaub.

Das Gerücht haben auch die Organisatoren von Businessplan-Wettbewerben gehört. Und sie schließen auch nicht aus, dass es tatsächlich schwarze Schafe unter den Schreibern gibt. Reingefallen auf sie ist aber angeblich noch niemand. „Bei uns sind solche Fälle nicht aufgetaucht“, erklärt etwa die Pressesprecherin der Münchener Businessplan-Wettbewerb GmbH, Eva Simmelbauer. Im selben Brustton der Überzeugung verneinen vier weitere Gründerförderer, Betrügern jemals begegnet zu sein.

Untersuchungen darüber gebe es nicht, sagt die Geschäftsführerin des Förderkreises Gründungs-Forschung (FGF), Heinrike Heil. Vermutungen kann sie natürlich trotzdem anstellen. Sie meint, dass es anfangs tatsächlich Mitnahmeeffekte gegeben habe. Inzwischen aber seien die Teilnehmer (einerseits) und die Kontrollmechanismen der Wettbewerbe (andererseits) ausgereift. Allein die Tatsache, dass die meisten Preise scheibchenweise verliehen werden, schrecke Pseudo-Gründer ab. Eine dünne Scheibe von vielleicht 1000 DM für die gute Geschäftsidee, eine weitere für den realistischen Businessplan und die dritte und dickste für die Umsetzung: Um an das große Geld zu kommen, muss der Bewerber immer mehr Zeit und Arbeit investieren.

Und mit denselben Unterlagen mehrfach ins Rennen zu gehen? Zwar nehmen die Anmeldestellen keine Papiere an, die schon woanders eingereicht worden sind. Aber die Organisationen würden sich in der Praxis kaum kurzschließen, um dies zu überprüfen, sagt Heil. Wenn einer allerdings mehrfach prämiert wäre, würde das schon auffallen, meint sie.

Vor Abzockern bestens gewappnet fühlen sich Organisatoren, die vor allem auf immaterielle Gewinne setzen: Neben der Auszeichnung sind das die persönliche Beratung des Gründers sowie die vielen nützlichen Kontakte während der Veranstaltungen in der Auswahlphase.

Reichen die edlen Motive nicht aus, müssen strenge Prüfkriterien her. Um die Qualität der Bewerber zu gewährleisten, wendet beispielsweise die Unternehmensberatung Ernst&Young ein kompliziertes Verfahren an. Um den „Entrepreneur des Jahres“, unter anderem in der Kategorie Start-up zu küren, werden nicht nur detaillierte Unterlagen gesichtet, sondern auch mehrstündige Interviews vor Ort geführt und in den Datenbanken und Branchenreports nach Beiträgen über die Firma gesucht. Die Sieger erhalten übrigens keine Prämie, sagt Projektleiter Wolfgang Glauner, sondern werden lediglich zur amerikanischen Preisverleihung nach Palm Springs eingeladen.

Heike Müller baut darauf, dass sich unseriöse Kandidaten selbst outen. „Die fallen schon dadurch auf, dass sie an den Workshops und Coachingabenden im Verlauf des Wettbewerbs kaum teilnehmen.“ Müller ist Pressesprecherin von „Promotion“, einer Initiative von VW und der Stadt Wolfsburg mit dem Schwerpunkt Mobilität.

Auch Kai Blanck, Existenzgründer-Berater an der Alma mater in Göttingen, will von Betrug nichts wissen. Die Universität beteiligt sich am Programm „Gründerfreundliche Hochschule“. Studierende und Wissenschaftler sollen ermutigt werden, innovative Projekte in unternehmerische Konzepte umzuwandeln. „Teilnehmer des Wettbewerbs InnoStart 2000 mussten intensive persönliche Gespräche durchmachen.“ Zuschüsse und Mietbeihilfen der „Gründerfreundlichen Hochschule“ würden erst nach Beratungsterminen vergeben. „Betrüger mit schauspielerischen Fähigkeiten und sehr langem Atem sind mir bisher nicht aufgefallen.“ Ihm erscheint eher folgende Variante plausibel: „Ein Großunternehmen hat die personellen Kapazitäten, alles zu beantragen, was es gibt. Es scannt sämtliche Zuschuss- und Förderprogramme, um dann eine Ausgründung vorzunehmen, die auch als neues Geschäftsfeld innerhalb des Unternehmens hätte laufen können.“

Was ist aus den Siegern der früheren Jahre geworden? Der Businessplan-Wettbewerb Nordbayern bittet ehemalige Teilnehmer ein Jahr später einen Fragebogen auszufüllen und Angaben über Kapital, Umsatz und Arbeitsplätze zu machen, so Projektleiterin Sabina Buza. Ihre Münchener Kollegen haben gerade eine Umfrage bei den insgesamt 605 Bewerbern in der vierjährigen Geschichte von MBPW durchgeführt. Das Ergebnis: „Die Gewinner haben bis jetzt alle ausnahmslos erfolgreich gegründet“, so Eva Simmelbauer. Nicht nur die eingereichten Geschäftsideen, sondern auch die dahinter stehenden Personen müssten mehrere Jurystufen durchlaufen. „Es ist nicht leicht, Sieger zu werden“, fügt sie hinzu.

MATILDA JORDANOVA-DUDA/sta

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