Unternehmensfinanzierung 25.10.2002, 18:22 Uhr

Profis helfen, flüssig zu bleiben

zwei große Probleme, mit denen sich Mittelständler herumplagen. Factoring ist eine Möglichkeit, die Liquidität zu verbessern – aber nur für Unternehmen mit guter Bonität.

Die Abtretung von Forderungen an ein Spezialinstitut, Factoring also, wird in Deutschland seit 1958 praktiziert. Die Nachfrage nach dieser Dienstleistung ist in den letzten Monaten gestiegen, und das aus gutem Grund: Banken halten sich im Vorfeld des Baseler Eigenkapital-Akkords und wegen der Wirtschaftsflaute mit der Kreditvergabe zurück. Und der Weg über die Börse ist für die meisten Unternehmen derzeit keine Alternative.
Ohne Geld aber kein Wachstum. Das war auch der Grund, warum sich Eberhard Wagemann, Geschäftsführer der Wietmarscher Ambulanz- und Sonderfahrzeugbau GmbH, vor zwei Jahren für Factoring entschieden hat. Damals trat sein Unternehmen gerade in eine Wachstumsphase ein. „Auch die Banken sehen gern eine Mischfinanzierung“, hat Wagemann erfahren, der bis dahin die Liquidität seines Unternehmens neben dem Eigenkapital vor allem über Bank- und Lieferantenkredite sicher gestellt hatte. Doch das reichte zum Wachstum nicht aus. Der Factor aber finanziert gegen eine Gebühr dem Unternehmen die Forderungen an dessen Kunden vor. Dadurch fließt sofort Geld. „Gerade im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld entscheidet Liquidität über Erfolg oder Misserfolg. Wer das nicht im Griff hat, hat Probleme“, weiß Wagemann. Liquiditätssicherung und Wachstumsfinanzierung sind aber nur zwei der Vorteile. „Wenn man mit einem guten Factoring-Institut zusammenarbeitet, erhält man quasi ein Prüfsiegel für die eigene Kundenstruktur“, meint er.
Der Wiesbadener Ingenieurdienstleister Rücker AG hat vor gut vier Jahren einen Vertrag mit einem Factoring-Institut abgeschlossen. „So überbrücken wir die zeitliche Diskrepanz zwischen der Lieferung unserer Leistung und der Zahlung“, meint Jürgen Vogt, Vorstand des Autozulieferers. Design und Entwicklungsdienstleistungen hätten eben einen langen Vorlauf, bevor sie sich auszahlten. Factoring-Institute verstünden dieses Geschäft besser als Banken. Dennoch hält auch Vogt einen Finanzierungsmix für wichtig. Die Bonität der Kunden – im Fall der Rücker AG sind es große Autohersteller – sei so gut, dass immer neue Factoring-Institute wegen einer möglichen Zusammenarbeit anfragten. Doch die Kooperation mit mehreren mache keinen Sinn, meint Vogt.
Auch die Factoring-Banken werden in der aktuell schwachen Wirtschaftslage mit Anfragen überschüttet. „Es fragen die Falschen“, meint aber Mario Lüdtke, Geschäftsführer der Kölner IFN Finance GmbH, der für sein Haus im laufenden Jahr etwa ein Viertel mehr Anfragen registriert hat als im Vorjahr.
So wie seinem Haus geht es vielen anderen. Dennoch sank im ersten Halbjahr dieses Jahres der Umsatz der 16 Institute, die schon 2001 dem Deutschen Factoring-Verband angehörten, um 2 % auf knapp 13,5 Mrd. @. Denn das Risiko von Forderungsausfällen hat zugenommen. „Für uns ist nicht nur die Bonität der Kunden unseres Partners wichtig, sondern auch der Partner selbst“, sagt Lüdtke. Deshalb werden eigenkapitalschwache Unternehmen als potenzielle Partner direkt aussortiert. Factoring-Institute fallen zwar nicht unter die Bestimmungen von Basel II, doch auch für sie ist die Solidität der Unternehmen von größter Bedeutung. „Für uns ist wichtig, ob der Kunde eine halbwegs ordentliche Bilanzstruktur vorweisen kann“, meint Joachim Secker, Vorstandschef der Heller-Bank. „Außerdem müssen die Forderungen klar abzugrenzen sein, Lieferungen und Leistungen also tatsächlich erbracht und nicht etwa noch von Abnahmen abhängig sein“, erläutert er einige der für seine Bank wichtigen Kriterien. Mindestens 2 Mio. @ Umsatz seien Voraussetzung dafür, dass die Dienstleistung des Factoring sich tatsächlich lohne. „Wir wollen unseren Service ja zu vernünftigen Preisen anbieten“, meint Secker. Die Gebühren lägen meist zwischen 0,5 % und 1,5 % der Forderungen.
Jürgen Vogt von der Rücker AG rät deshalb Unternehmen, die an Factoring interessiert sind: zunächst die zusätzlichen Kosten, die für die Forderungsabrechnung entstehen, mit den Gebühren von Factoring-Instituten zu vergleichen.Denn die Kosten sind auch abhängig von der Art des Factoring. Zum so genannten Full-Service-Factoring, dem Standard, gehört auch die Debitorenbuchhaltung. Das Unternehmen hat also im Hinblick auf das Eintreiben der Forderungen mit seinen Kunden keinen direkten Kontakt mehr.
Nicht alle wählen diese Form: Manche Factoring-Kunden nutzen zwar die Finanzierung und Risikoabsicherung, übernehmen aber selbst die Debitorenbuchhaltung treuhänderisch für den Factor: „Die Buchhaltung haben wir im Haus, die Kunden haben die Abtretung an den Factor unterschrieben“, erläutert Wagemann von der Wietmarscher Ambulanz- und Sonderfahrzeugbau GmbH. „Schwierigkeiten mit unseren Kunden wegen der Forderungsabtretungen haben wir nie gehabt.“ BRIGITTE SCHOLTES

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