Gründer 30.07.2010, 19:48 Uhr

Phase 4: Endlich ausgewachsen – Zeit für die Ernte

Wenn eine junge Firma am Markt angekommen ist, verabschieden sich die Geldgeber (Exit). Manchmal gehen dann auch die Gründer von Bord. Wege, auf denen sie ihre Anteile vergolden können, gibt es viele. Ein Beispiel aus der Mobilfunkbranche.

Kaum zu glauben, aber wahr: Anfang 2005 gab es keine Discounter auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Netzbetreiber und Service-Provider teilten das lukrative Geschäft unter sich auf. Erst im Laufe des Jahres sagten Billigheimer den etablierten Playern mit vereinfachten Tarif- und Vertriebsmodellen den Kampf an.

Einer der Herausforderer war die Blau Mobilfunk GmbH (kurz: Blau) aus Hamburg. Das Unternehmen des erfahrenen Gründerteams Dirk Freise, Thorsten Rehling und Martin Ostermayer ging im September 2005 an den Start. Die Entrepreneure genossen – anders als die Konkurrenz – zwar nicht die finanzielle Rückendeckung eines etablierten Telekommunikationskonzerns. Dafür sammelten sie fleißig Venture Capital (VC) ein. Über alle Finanzierungsrunden floss ein knapp zweistelliger Millionenbetrag in die Firma. Klingt nach viel, ist aber vergleichsweise wenig: „So viel haben Wettbewerber jährlich alleine fürs Marketing ausgegeben“, sagt Matthias Grychta, Managing Partner beim Wagnisfinanzier Neuhaus Partners, Hamburg. Grychta sorgte für die Startfinanzierung des jungen Unternehmens. Später (2006) stiegen außerdem die kuwaitische Private Equity Gesellschaft Al-Fawares sowie Heliad Equity Partners ein.

Für alle Investoren war es ein kurzes, lohnendes Engagement. Im Frühjahr 2008 verkauften sie das Unternehmen an die niederländische E-Plus-Muttergesellschaft KPN. Wie viel die Anteilseigner dabei verdient haben, bleibt ihr Geheimnis. Man habe eine „sehr schöne Rendite auf das eingesetzte Kapital erzielt“, ist alles, was Grychta verrät. „Natürlich hätten wir uns als VC auch gerne mit einem Börsengang geschmückt. Doch der ist für einen Frühphaseninvestor wie uns als Exit-Weg eher unwahrscheinlich geworden und leider nicht mehr so lukrativ wie früher“, sagt er.

„Wir haben von Anfang an über den Exit nachgedacht“, so der VC-Geber. „Übrigens zusammen mit dem Management.“ Ein Vorgehen, das er allen Gründern empfehlen würde: „Auch beim Exit muss die Chemie zwischen allen Beteiligten stimmen.“

Konkret wurden die Ausstiegspläne im Herbst 2007. Damals entschied der Beirat von Blau, einen Käufer für das Start-up zu finden und beauftragte einen professionellen M&A-Berater mit der Suche. Dieses Vorgehen ist bei einem Trade Sale, wie der Verkauf an ein anderes Unternehmen in der Fachsprache heißt, zwar nicht Pflicht, hat sich aber bewährt, meint Grychta. „Ein guter M&A-Berater bringt auch ein hervorragendes Netzwerk mit“, meint er.

Danach ging alles ganz schnell. Bereits wenige Wochen später stellte der Vermittler Kontakt her zu KPN. Im Herbst unterschrieben Käufer und Verkäufer eine Absichtserklärung (Letter of Intent, LoI). Ostern 2008 gab der Notar seinen Segen.

Einer der Gründe für den reibungslosen Ablauf war die gute Vorbereitung des Deals. Blau hatte Bücher und Zahlen in Schuss, so dass der Käufer zügig prüfen konnte. „Ein guter Verkauf setzt voraus, dass die Bücher von einem namhaften Wirtschaftsprüfer gecheckt werden. Es reicht nicht aus, wenn irgendein Prüfer drüberguckt“, sagt Grychta.

Bei den Verhandlungen selbst galt das Prinzip der Gleichheit. Kein Anteilseigner wurde einem anderen vorgezogen. Üblicherweise überweist der Käufer einen Teil des Preises auf ein Notaranderkonto, also auf ein Treuhandkonto. Denn die Verkäufer müssen garantieren, dass das Unternehmen wirklich so dasteht, wie behauptet. Der neue Eigentümer sichert sich so etwa gegen mögliche Steuernachzahlungen ab. Weil sich aber einer der Blau-Geldgeber erfolgreich gegen weitreichende Garantien sträubte, profitierten auch die anderen davon: Die Summe auf dem gesperrten Konto war klein und blieb dort nicht lange. Außerdem gut für die Verkäufer: Blau stand im Herbst 2007 gut da. Das nahm Druck aus den Gesprächen. „Nichts ist schlimmer, als mit dem Rücken zur Wand zu stehen“, sagt Grychta.

Auch der erste Vertragsentwurf wurde von den Anwälten der Verkäufer verfasst. „Es ist immer gut, wenn die Anteilseigner den ersten Vertragsentwurf schreiben. Das stärkt die eigene Position“, rät Grychta. Das Gründerteam von Blau blieb nach dem Verkauf übrigens an Bord. Das war eine der Bedingungen von KPN. Denn ein Unternehmen ist immer nur so gut wie das Management. SILKE LINNEWEBER

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