Start-up-Porträt 13.11.2009, 19:43 Uhr

Paintball-Kanone erzeugt vergängliche Botschaften  

Ein Berlin-Karlsruher Gründertrio hat ein Gerät entwickelt, um Fassaden und Wände großflächig zu bedrucken. Fünf Bildpunkte pro Sekunde schießt es über maximal zwölf Meter Distanz an die Wand. Herzstück des Fassendruckers ist ein Paintball-System, das die Gründer durch eine automatisierte Ziel- und Abschussvorrichtung ergänzt haben. Werber, Veranstalter und sogar die evangelische Kirche wissen die Ästhetik der Ballerbotschaften zu schätzen. VDI nachrichten, Düsseldorf, 13. 11. 09, ps

Zwölf Minuten lang ballert die Kanone goldene Farbkugeln an die Wand. Jeder Aufprall mit 200 km/h hinterlässt ein Pixel. Nach und nach verdichten sich 1700 Kleckse zu einem vier mal vier Meter großen Bundesadler. Zwei Wochen leuchten die Pigmente, dann verblassen sie rückstandslos.

Martin Fussenegger und Michael Haas haben sich diesen „Fassadendrucker“ als Studenten der Karlsruher Hochschule für Gestaltung ausgedacht und einen Prototypen entwickelt. „Wir hatten einfach keine Lust, als Designer mit den immer gleichen Werkzeugen zu arbeiten“, sagt Haas. Gerade großformatige Werbeplanen würden durch zunehmende technische Perfektion immer langweiliger und austauschbarer.

Das Duo experimentierte mit neuen Ansätzen. Irgendwann saß Fussenegger an der Limmat in Zürich und entdeckte auf einem Brückenpfeiler zwei einzelne Farbpunkte. „Wie kommen die dahin?“, rätselte er. Die Lösung: Jemand mußte Paintball-Kugeln auf den Pfeiler geschossen haben. Fussenegger überlegte, dass aus vielen solcher Kleckse ein Bild entstehen könnte. Die Idee war geboren.

Inzwischen haben die beiden Designer den Jungingenieur Julian Adenauer ins Boot geholt und einen zweiten, hoch präzisen und zuverlässigen Prototypen entwickelt.

Dieser mobile „Drucker“ setzt bis zu fünf Bildpunkte pro Sekunde. Eine 20stel Sekunde brauchen die Schrittmotoren, um das auf einen Zweiachs-Drehtisch montierte Paintball-System auszurichten. „Momentan liegt die Präsizion im Bereich von Hundertstel Grad“, berichtet Haas.

Das Zielen übernimmt eine selbst entwickelte Steuerungssoftware. Sie errechnet die Flugbahn zum Bildpunkt und berücksichtigt dabei Entfernung und perspektivische Verzerrung.

Die Motive selbst gelangen per USB in den Bordrechner, wo sie zur „Druckvorschau“ mit einem Bild einer integrierten Kamera überlagert werden. Den Rest übernimmt die Steuerung.

Während des Drucks trägt ein zusätzlicher Laser Sorge dafür, dass die 3,5 g leichten Gelatinekugeln ihr Ziel treffen und sich keine Personen im Gefahrenbereich aufhalten.

Neben der Entwicklung der Abschussvorrichtung beschäftigen sich die Gründer intensiv mit den Druckpatronen. „Wir testen systematisch die Eigenschaften der im Markt verfügbaren Paintball-Kugeln“, erklärt Haas. Dafür schießen sie auf Planquadrate und dokumentieren, wie sich welche Farbe auf welchem Untergrund verhält, ob sie verläuft oder wie schnell sie verblasst.

Dieses Wissen ist natürlich wichtig, damit Auftraggeber keine bösen Überraschungen erleben. In der Regel bestellen sie Motive und Botschaften auf Zeit – Fehler in der Farbwahl wären peinlich und teuer.

Auch deshalb gründet das Trio aktuell eine GmbH. „Wir gehen zwar bei jedem Druck auf Nummer sicher, wählen die Farben sorgfältig aus und treffen bei Live-Performances intensive Sicherheitsvorkehrungen“, erklärt er. Aber eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung mache in ihrem Fall einfach Sinn.

Als Einlage nutzte das Gründertrio ein Preisgeld: letzten Herbst erhielten sie den mit 25 000 € dotierten Hauptpreis im Gründerwettbewerb Multimedia des Bundeswirtschaftsministeriums. Es war nicht die erste Finanzspritze über eine Auszeichnung. „Wir haben die konkrete Entwicklung des Fassadendruckers aus Preisgeldern und Ersparnissen finanziert“, so Fussenegger.

Zudem förderte sie das Land Baden-Württemberg seit 2007 im Programm „Junge Innovatoren“. „Diese Unterstützung war extrem hilfreich, weil sie unseren Lebensunterhalt gesichert hat und weil uns für den Prototypenbau die Werkstätten der Hochschule offen standen“, erklärt er.

Mittlerweile sind die Jungunternehmer auf dem Sprung nach Berlin. Medien- und Kulturvielfalt der Hauptstadt locken ebenso, wie die zahllosen Brandwände. Zudem wimmelt es im Umland von Industriebrachen und Abrisshäusern, in denen die Gründer ihre Temporärdrucke ungestört verfeinern können.

Dafür suchen sie Partner. „Wir haben einige Ideen zur Verbesserung unserer Verbrauchsmaterialien, um präziser und über weitere Entfernungen drucken zu können“, erklärt Haas.

Doch schon jetzt erfreut sich das Team wachsender Kundschaft. Unter anderem hat die evangelische Kirche ein Portrait des Reformators Calvin an eine Brandwand schießen lassen.

PETER TRECHOW

Von Peter Trechow

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