Gründer 31.08.2001, 17:30 Uhr

„Olga“ soll für Umsatz sorgen

Mit „Olga“ bringen vier Gründer das weltweite Markenprofil von Konzernen und lokale Werbe-Besonderheiten von Nieder­lassungen unter einen Hut. Der Aufwand für Anzeigengestaltung, -schaltung und -abrechnung wird mit dem WebTool minimiert.

Manche Geschäftsidee entsteht in der Praxis. So auch die von Roland Bonaventura Dietz. Der Werbe-Profi betreute mit seiner Agentur Dietz & Partner die Händlerwerbung von Peugeot Deutschland. Aus der umständlichen Planung und Abwicklung der regionalen Anzeigenwerbung entstand die Idee, die Vorgänge digital abzuwickeln. „Viele Autohändler arbeiten mit Schere und Kleber, um Konzern-Vorlagen in regionale Anzeigen umzuwandeln“, so Dietz. „Die Unternehmenszentrale erfährt von den Aktivitäten ihrer Vertriebspartner erst im nachhinein und kann sie nicht steuern.“

Das Produkt Olga seines 1998 gegründeten Unternehmens Media Care soll das Problem nun beheben. Die Abkürzung steht für „Online-Generated Advertising“. Dahinter verbirgt sich eine Internet-basierte Software zur Gestaltung und direkten Buchung individualisierter Werbung. Wie ein Baukasten verfügt Olga über alle grafischen Elemente und über Informationen zu regional wichtigen Zeitungen. „Die Händler können so Anzeigen mit weni- gen Mausklicks am PC gestalten und sofort buchen“, erklärt Dietz. Der Vorteil des Verfahrens: Die Werbung entspricht dem Corporate Design, der Konzern weiß, wer was wann wo bewirbt und die Abrechnung mit dem Mutterhaus wird vereinfacht. Denn die Konzerne bezuschussen Regionalwerbung mit bis zu 50 %.

Erster Anwender ist Peugeot Deutschland. Die Händler des Autoherstellers nutzen das Produkt seit Juni 2000. „Wir hoffen, dieses Jahr noch fünf bis sechs weitere Kunden zu gewinnen“, so Dietz. Derzeit verhandle Media Care unter anderem mit Verlagshäusern und Telekommunikationsunternehmen. Wenn alles gut geht, will das Unternehmen nächstes Jahr die Gewinnschwelle überschreiten. In Zukunft kann Olga auch für Radio-Spots und Beilagen benutzt werden.

Dietz ist zwar die treibende Kraft hinter Media Care, doch das Unternehmen fußt auf einem Team: Zu den Gründern zählen Frank Gorstelle, Andreas Kohl und Conni Lamberty „Wir sind zum Teil schon seit dem Studium befreundet“, erzählt Dietz. Trotzdem sind die Aufgaben im Unternehmen klar verteilt: Gorstelle ist zuständig für die Produktkonzeption, Kohl für den Vertrieb, Lamberty für die Inhalte von Olga, Dietz für Öffentlichkeitsarbeit, PR und Finanzen. „Es ist ganz wichtig, dass jeder seinen Bereich eigenständig leitet und die anderen ihm nicht reinreden“, beteuert er. „Wenn wir uns nicht vertrauen würden, kämen wir geschäftlich nicht von der Stelle.“

Vertrauen spielt auch bei der Finanzierung des Start-ups eine wichtige Rolle. Media Care wird größtenteils von einem privaten Investor finanziert: Der Geschäftsmann Walter Kratz aus Bad Honnef beteiligt sich laut Dietz mit „mehreren Millionen“ an dem Unternehmen. Außerdem fördern die Wagnisfinanzierungsgesellschaft der Investitions- und Strukturbank Rheinland Pfalz sowie die Technologie-Beteiligungs-Gesellschaft der Deutschen Ausgleichsbank das Unternehmen mit „einem überschaubaren Betrag“. „Wir haben zwar auch mit Venture Capitalists verhandelt, aber uns dann sehr bald für den privaten Investor entschieden“, so Dietz.

Zum Großteil privat finanziert zu sein hat für Media Care Vor- und Nachteile. Der Nachteil: Das Start-up kann nicht auf das Netzwerk eines VC zurück greifen. Der Vorteil: Der Deal ging schnell und unbürokratisch über die Bühne. Trotz seiner eigenen guten Erfahrung hält Dietz die Zusammenarbeit mit einem privaten Investor nicht in jedem Fall für angebracht. „Entscheidend ist, dass man ein gutes persönliches Verhältnis aufbaut. Zwischen Media Care und Walter Katz stimmt einfach die Chemie.“

Trotz seines beruflichen Hintergrundes ist auch dem gestandenen Geschäftsmann Dietz und seinen Freunden ein typischer Gründerfehler unterlaufen. Sie haben den Aufwand für ihr Projekt schlicht unterschätzt. „Man sollte die geplante Zeit und das geplante Geld mal zwei nehmen. Das ist dann einigermaßen realistisch“, warnt Dietz.

Besonders die Suche nach Mitarbeitern kostete Dietz und seine Mitstreiter Zeit. „Es war sehr schwer, gute Programmierer zu finden“, gibt er zu. Bei der Suche hat das Team auch böse Überraschungen erlebt. „Eine Führungskraft hatte sechs Monate vor Vertragsbeginn zugesagt, es sich dann aber kurzfristig anders überlegt“, berichtet er. Mittlerweile hat Media Care 20 Mitarbeiter. Ursprünglich sollten es mehr sein. Dietz ist dennoch zufrieden: „lch glaube, diese Zahl lässt eine verlässliche Planung zu.“ S. LINNEWEBER

www.mediacare.de

Von S. Linneweber
Von S. Linneweber

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