Gründer 29.06.2001, 17:30 Uhr

Nichts für schwache Nerven

Die Erfahrungen von Ulrich Helm zeigen, dass der Weg zum eigenen Unternehmen kein Zuckerschlecken ist. Der Gründer von InterMedia Solutions hat Stress ertragen und einen Verhandlungsmarathon bestehen müssen. Doch seine Beharrlichkeit zahlt sich aus.

Ulrich Helm wollte es wissen. Über zehn Jahre war er Verkaufsexperte in der Medien-Branche. Dann hatte er genug vom Dasein als Angestellter. „Ich wollte einmal im Leben die ganze Verantwortung tragen. Am liebsten im Bereich Umwelttechnik.“ Monate lang verschlang er Infos über Solartechnik oder Brennstoffzellen. Dann kam die Ernüchterung: „Ich habe einfach nicht genug Fachwissen.“ Er kehrte in die Medien-Branche zurück. „Da kenne ich mich aus und weiß, was der Markt will“, sagt er. Jetzt entwickelt er in seiner Firma InterMedia Solutions Lösungen für „parallel Streaming“. Diese Technologie ermöglicht es, Videoaufnahmen live ins Internet zu übertragen und zeitgleich mit Text-, Grafik- oder Bildelementen anzureichern. Das Münchener Unternehmen gehört bereits zwei Jahre nach seiner Gründung zu den weltweit führenden Anbietern von Rich Media Anwendungen und Streaming Software. Mit der Feedback AG, IneTV, Evisco und Altus gehören die führenden deutschen Produzenten von Internet-TV zu den Abnehmern. Weiterhin finden sich auf der Kundenliste Unternehmen wie DaimlerChrysler und die Deutsche Telekom, die die Software für web-basierte Fortbildungen oder multimediale Web-Angebote nutzen.

Vor der Gründung nahm Helm an einem Business-Plan-Wettbewerb vom VDI/VDE teil. „Mir war es wichtig, eine kritische Rückmeldung zum Geschäftskonzept zu bekommen“, meint der erfolgreiche Helm bescheiden. Außerdem sei die Teilnahme am Wettbewerb billiger als die Dienste einer Unternehmensberatung.

Ein weiterer Vorteil des Wettbewerbs: Helm traf seinen Wagnisfinanzierer Target Partners aus München. Denn als erfolgreicher Teilnehmer durfte sich InterMedia Solutions auf der Abschlussveranstaltung rund 20 VCs vorstellen. Einer davon war Target Partners.

Doch die Verhandlungen mit dem Geldgeber wurden für Helm zu einer Übung in Durchhalten. „Wir sind von vorne bis hintern durchleuchtet worden“, stöhnt er. Fast zehn Mal trafen sich Start-up und VC in Kirchheim oder München, bevor sie den 180 Seiten langen Vertrag unterschrieben. Dabei nahm Target Partners das Start-up regelrecht auseinander. „Es war ein Zustand, wie ihn früher kein Mensch kannte bei einem Unternehmen unserer Größe“, erinnert sich Helm. Der VC prüfte Business Plan sowie Kunden- und Referenzliste. Er besuchte Helm auf Messen und schickte ihm Buchprüfer und Rechtsanwälte ins Haus. „Das war auch psychisch sehr anstrengend. Ich habe sogar überlegt, die Sache hinzuschmeißen“, gibt Helm offen zu. Aber er hat durchgehalten. „Meine Frau hat mich immer wieder aufgebaut.“

Seine Strategie: Immer eine Alternative in der Hinterhand halten. „Wir haben bis zur letzten Sekunde mit mehreren VCs gleichzeitig verhandelt“, sagt Helm. Denn wer keine Alternativen hat, kann seine Interessen nicht durchsetzen. „Ursprünglich standen Regelungen im Vertrag, nach denen wir im Fall einer Pleite mit unserem kompletten Privatvermögen gehaftet hätten“, erinnert er sich. „Sich darauf einzulassen, wäre einem wirtschaftlichen Selbstmord gleichgekommen.“

Der größte Vorteil von InterMedia Solutions im Kapital-Poker: Die Firma kann bereits ein vermarktbares Produkt vorweisen. Einer der ersten Kunden ist Maxblue, das Online-Investment-Center der Deutschen Bank. Für 2001 rechnet Helm mit einem Umsatz von 2,5 Mio. DM. Schon nächstes Jahr will er die Gewinnschwelle überschreiten. Sein VC träumt bereits von 100 Mio. DM Umsatz in nur fünf Jahren.

Für InterMedia Solutions sprach außerdem, dass das Management-Team bis auf einen CFO komplett war und reichlich Erfahrung mitbringt. Ulrich Helm (41) hatte bereits ein Start-up aufgebaut. Seine Frau Beate Helm (42) bringt langjährige Vertriebs- und Marketing-Erfahrung mit. Der Dritte im Bund, Jörg Jünger (38), ist Experte für die Entwicklung von Programmen für Sendeablauf, -steuerung und Automation.

Nach fast fünf Monaten einigten sich InterMedia Solutions und Target Partners. Der VC beteiligt sich mit 5 Mio. DM und bekommt dafür 25 % der Unternehmensanteile. „Das ist halb so viel, wie wir anfangs gehofft hatten und doppelt so viel, wie uns anfangs geboten wurde.“ Doch Helm ist noch zufrieden. Auch wenn ein Wermutstropfen bleibt. „Ein Jahr vorher hätten wir zu gleichen Konditionen fünf mal so viel Geld bekommen, hätten aber nur halb solange verhandeln müssen.“

In vier bis sieben Jahren will der Geldgeber sein Investment versilbern. Möglichst durch einen Börsengang. Sorgen, dass die Kurse dann nicht gut stehen, machen sich die Geschäftspartner nicht. „Unsere Finanzierung ist so solide, dass wir auf wirklich gute Bewertungen an der Börse warten können“, gibt sich Helm selbstsicher.

Seine umweltpolitische Ambitionen hat der Gründer vorläufig zurück gestellt. Aus Zeitmangel, wie er sagt.

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